BayernInsolvenzverfahren bei 1860 eröffnet - "Wird nicht leicht"

Die Profiabteilung bei 1860 München ist finanziell schwer angeschlagen. Das Amtsgericht eröffnete deswegen das Insolvenzverfahren beim Traditionsverein. Die "Löwen" appellieren an ihre Fans.
München (dpa/lby) - Schon am Morgen deutete der TSV 1860 München in einer Botschaft an die Fans an, was nicht mehr zu vermeiden war. "Liebe Löwinnen, liebe Löwen, was ab heute beginnt, wird nicht leicht", schrieb der Verein auf seiner Homepage. Am Nachmittag wurde dann offiziell: Nach den jüngsten Querelen um Investor Hasan Ismaik und dem Zwangsabstieg in die Fußball-Regionalliga ist bei 1860 München das Insolvenzverfahren eröffnet worden.
Das Amtsgericht München bestellte dazu einen Insolvenzverwalter "zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen", wie es in der öffentlichen Bekanntmachung hieß. Konkret betroffen ist nicht der Stammverein, sondern die "TSV München von 1860 GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien" (KGaA). Das ist die bislang vom e.V. sowie Geldgeber Ismaik gemeinsam geführte Spielbetriebsgesellschaft. Unter deren Dach liefen bislang etwa der Profispielbetrieb, die U21 und die U19.
Insolvenzverwalter mit Erfahrung im Fußball
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Max Liebig bestellt, der in der Vergangenheit auch die Insolvenzverfahren gegen den Fußballverein Türkgücü München und den Sternekoch Alfons Schuhbeck verantwortete. Medienberichten zufolge hatte 1860-Geschäftsführer Manfred Paula am Dienstagabend den Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt.
Der TSV 1860 München e.V. hatte in Erwartung der Insolvenz der KGaA am vorigen Wochenende bei der Mitgliederversammlung die Gründung einer neuen Spielbetriebsgesellschaft beschlossen. Diese soll künftig den Profifußball bei den "Löwen" organisieren und den Neustart in der 4. Liga bewerkstelligen. Zunächst geht es dabei vor allem darum, einen Kader zusammenzustellen.
Appell an Anhänger: "Glaubt an diesen Weg"
"Wir tun alles dafür, unseren Verein auf ein gesundes Fundament zu stellen und eine nachhaltige, erfolgreiche Zukunft für den TSV München von 1860 e.V. aufzubauen", hieß es von den Sechzigern. "Jeder Schritt, den wir heute zusammen gehen, stärkt unseren Verein für die Zukunft."
Der Verein bemüht sich um Optimismus und appellierte an die Anhänger: "Dafür brauchen wir euch: Glaubt an diesen Weg, verbreitet Zuversicht, tragt den Löwen mit Stolz, macht unser Wappen sichtbar, haltet zueinander, werdet Mitglied und überzeugt andere, Teil unserer Gemeinschaft zu werden."
Wie sieht die Mannschaft künftig aus?
Etliche Fragen rund um 1860 bleiben offen, etwa wie es um die Auftritte der künftigen Mannschaft aussieht. Die Merchandising GmbH mitsamt der Nutzungsrechte an Logos oder Schriftzügen gehört zu 100 Prozent Ismaik.
Zu dem Chaos war es gekommen, als der Jordanier ein Darlehen kündigte und 1860 damit die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Verbleib in der 3. Liga nicht mehr erfüllte. Zuvor waren Verhandlungen zwischen Ismaik und dem Stammverein gescheitert. Der bei vielen Fans unbeliebte Millionär behauptete zuletzt, der Stammverein von 1860 habe die Insolvenz provoziert, um ihn loswerden zu wollen. Der TSV erwiderte, dass Ismaiks Forderungen nicht realisierbar gewesen seien und kündigte darauf den 2011 geschlossenen Kooperationsvertrag.
Ismaik deutet juristische Schritte an
Unklar bleibt, welche juristischen Folgen die Ereignisse - von der Kündigung des Darlehens durch Ismaik und dem Ende des Kooperationsvertrags bis hin zur Gründung der neuen Gesellschaft - haben werden. Ismaik kündigte in dieser Woche bereits eine "vollständige und transparente rechtliche Aufarbeitung" an. Manche Fans und Funktionäre befürchten, der einstige Geldgeber könnte durch Klagen oder einstweilige Verfügungen den 1860-Neustart torpedieren.