BayernMit Comeback an die Spitze: "Club"-Euphorie nach Derby-Coup

Torwart Reichert und die Doppelpacker Scobel und Justvan sichern Nürnberg den Sieg im Frankenderby. Was sagt Coach Klose zum Sprung an die Tabellenspitze? Und womit hadern die Fürther?
Fürth (dpa/lby) - Von einer Spitzenmannschaft wollte Miroslav Klose auch in der Euphorie nach dem sehenswerten Derby-Sieg seiner Nürnberger noch nicht sprechen. "Das ist schwierig", meinte der "Club"-Coach, "vielleicht kann man nach fünf bis sieben Spieltagen dazu ein bisschen was sagen." Der einstige Weltklassestürmer weiß, dass sich nach nur zwei Partien kaum Rückschlüsse auf ein mögliches Aufstiegsrennen in die Fußball-Bundesliga ableiten lassen.
Dennoch könnte der 4:2 (2:2)-Erfolg auswärts bei Erzrivale SpVgg Greuther Fürth ein kleines Indiz sein, in welche Richtung es für den 1. FC Nürnberg im dritten Jahr unter Klose geht. Der Coach sprang seinem bärenstarken Torhüter und Elfmeterkiller Jan Reichert nach dem Schlusspfiff in die Arme. Lange ließen sich die "Club"-Profis um die beiden Doppelpack-Torschützen Piet Scobel und Julian Justvan vor den Fans feiern. "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey!", skandierten die Anhänger eingehüllt in rotem Pyro-Rauch.
Klose schwärmt von "Charakter und Geschlossenheit"
Mit etwas Abstand beobachtete Klose stolz die Jubelszenen. Das Wie dieses Sieges gefiel dem Trainer noch mehr als der Sprung an die Tabellenspitze nach zwei Siegen - so ein Saisonstart war Nürnberg seit neun Jahren nicht gelungen. "Kompliment an meine Mannschaft", sagte Klose, der auch in seinem fünften Derby gegen Fürth ungeschlagen blieb. "Hier zweimal zurückzukommen, das ist Charakter und Geschlossenheit, und das haben wir ausgestrahlt."
Nach den zwei Gegentoren durch Fürth-Kapitän Felix Klaus in der 22. Minute (Handelfmeter) und der 41. Minute egalisierten Scobel (26.) und Justvan (45.+3) jeweils. Nach dem Seitenwechsel sorgten die beiden dann in umgekehrter Reihenfolge für den Erfolg: Justvan traf - von Fürth sträflich nicht attackiert - zur ersten Nürnberger Führung (54.), Scobel machte alles klar (74.).
Beeindruckender Saisonauftakt der FCN-Offensivreihe
Nach zwei Siegen steht der "Club" nun bei 7:2-Toren, die drei Offensivakteure Scobel (2), Justvan (2) und Mohamed Ali Zoma (3) haben jeweils mindestens doppelt getroffen. Dass Zoma als Dreierpacker aus dem Saisonstart gegen Dresden (3:0) in Fürth ohne Treffer blieb, grämt Klose nicht. "Das ist vielleicht auch gut, dass er kein Tor gemacht hat, sondern sich das aufgehoben hat", sagte er. "Für die Mannschaft war es wichtig, dass zwei andere im Fokus stehen." Zudem hätten weitere Zoma-Tore den Stürmer noch interessanter gemacht für andere Vereine - Berichten zufolge sind einige Teams aus dem Ausland an einer Verpflichtung noch in diesem Sommer interessiert.
Von solchen Spekulationen lassen sich Nürnbergs Trainer und Spieler vorerst nicht ablenken. Die gute Laune nach dem Prestigesieg im 277. Frankenderby überwiegt. "Das ist das, wofür wir und die Fans leben", schwärmte Keeper Reichert. "Diesen Zusammenhalt nehmen wir mit in die nächsten Spiele."
Fürth bedient: "Alle Tore kamen kacke"
Der Schlussmann war neben den zwei Torschützen der Matchwinner. Zunächst peitschte er sein Team nach einem mauen ersten Durchgang an. "Er hat richtig den Mund aufgemacht in der Halbzeit und die Jungs zusammengestaucht", erzählte Klose. Und dann parierte er auch einen zweiten Klaus-Elfmeter und verhinderte dadurch das 3:3 (63.) - und einen möglichen Kipppunkt im Spiel. "Wir können froh sein, dass wir Jan hinten drin haben", sagte Justvan. Nun gelte es, im DFB-Pokal am Samstag bei Drittligist Viktoria Köln nachzulegen.
Die Fürther sind indes bedient - die positive Stimmung nach dem guten 1:1 zum Saisonstart bei Absteiger FC St. Pauli ist vorerst wieder dahin. "Wir haben die Tore hergeschenkt", haderte Trainer Heiko Vogel. Vor allem das 3:2, bei dem Justvan bis zu seinem Torschuss nicht angegriffen wurde, ärgerte den Coach. "Das war zum Teil Verweigerung." Kapitän Klaus fand: "Alle Tore kamen kacke. Heute war ein Sieg drin, deswegen bin ich so enttäuscht." Für das "Kleeblatt"-Team steht im Pokal am Sonntag ein Heimspiel gegen Liga-Rivale Bochum an.