BayernSchauspielerin Rizos: Scham- und Schuldgefühle nach Deepfake

Ein gefälschtes pornografisches Foto mit ihrem Gesicht versetzte der Schauspielerin einen Schock. Wie sie mit dem digitalen Alptraum kämpfte - und was sich rechtlich jetzt endlich ändern soll.
München (dpa/lby) - Teresa Rizos kann sich noch genau an den Moment erinnern, als bei einer Internetsuche ihr Gesicht aufploppte - auf einem nackten Frauenkörper in einer pornografischen Pose. "Ich war total geschockt - und gleichzeitig wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll, was ich jetzt machen soll", erzählt die Schauspielerin ("Dahoam is Dahoam", "Servus Baby", "Neue Geschichten vom Pumuckl").
Auf die Idee, zur Polizei zu gehen, sei sie damals gar nicht erst gekommen. Hätte wahrscheinlich auch nicht viel gebracht - erst jetzt ist die Politik dabei, eine konkrete Strafnorm zu solchen Deepfakes zu verabschieden.
Konkrete Zahlen zu dem Phänomen liegen nicht vor. Doch klar ist: Digitale Gewalt ist mittlerweile ein Massenphänomen, das Dunkelfeld ist riesig. Und: "Pornografische Deepfakes sollen vor allem Frauen und Mädchen bloßstellen und erniedrigen", wie Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) in München erläuterte. Dabei wird etwa deren Gesicht in ein anderes Foto oder Video - beispielsweise eine Porno-Sequenz - eingefügt oder die Stimme künstlich nachgeahmt. Dadurch wirkt es so, als würden die Betroffenen Dinge tun oder sagen, die nie passiert sind.
Deepfakes hinterlassen Spuren in der Seele
"Deepfakes werden zum Mobben, in Rachepornos oder in betrügerischer Absicht eingesetzt" ergänzt Eisenreich. "Sie verfügen über ein ähnlich hohes Schadenspotential wie eine Körperverletzung." Den vermeintlich eigenen Körper für alle öffentlich sichtbar nackt, in eindeutigen Posen oder Szenen zu sehen, hinterlässt tiefe Spuren in der Seele der Opfer.
"Das ist so ein Schamgefühl, weil man sich irgendwie ertappt fühlt, obwohl man überhaupt nichts gemacht hat", schildert Rizos. Auch habe sie - wie viele Betroffene - sofort angefangen, an sich zu zweifeln. "Habe ich irgendwie mit irgendwas dazu beigetragen?" Ein "falsches" Foto veröffentlicht, die "falsche" Kleidung getragen, die "falsche" Meinung geäußert?
Dazu habe sie die Schuld direkt angenommen und gedacht: "Außerdem bin ich eine Schauspielerin und in der Öffentlichkeit, dann muss ich ja mit sowas rechnen, das muss man sich dann auch gefallen lassen oder einfach ertragen." Das Ganze war ihr so unangenehm, dass sie nicht einmal darüber reden wollte. "Also habe ich da niemanden einbezogen, sondern habe einfach gehofft, dass das von alleine wieder weggeht."
Rizos: "Das ist auch Gewalt"
Tatsächlich hatte sie Glück, nach ein paar Monaten verschwand das Bild wieder aus den Suchergebnissen. Ungefähr fünf Jahre ist das jetzt her, aber der Vorfall wirkt nach. "Ich habe damals noch gar nicht diese ganze Dimension begriffen, die dahintersteht: Dass das eben auch Gewalt ist, und dass man sich das nicht gefallen lassen muss", betont Rizos heute.
Sie weiß nicht, wer das gefakte Bild veröffentlicht hat. Darüber ist sie froh, käme doch sonst neben dem missbräuchlichen Übergriff und der öffentlichen Beschämung und Demütigung noch das zerbrochene Vertrauen hinzu. "Aber ich glaube, auch generell kann so was Menschen bis in den Kern erschüttern, weil das eben total an die Würde geht."
Die 39-Jährige hofft, dass die geplanten rechtlichen Regelungen nun bald verabschiedet werden. "Es kann ja nicht sein, dass es erlaubt ist, mit dem Bild von einer Person zu machen, was man will. Es kann auch nicht sein, dass die Identität von Menschen geklaut werden kann und im Internet behauptet wird, ja, ich bin der oder die. Das ist einfach ein Missbrauch, und der ist in der physischen Welt nicht erlaubt und der sollte in der digitalen Welt genauso wenig erlaubt sein."
Eisenreich fordert bis zu fünf Jahre Haft
Die öffentliche Debatte über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen hatte in den vergangenen Monaten kräftig Fahrt aufgenommen, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes heftige Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hatte. Er soll Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Derzeit liegt ein erster Gesetzentwurf vor, der unter anderem das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Auch sollen Betroffene Accounts sperren lassen können. Eisenreich geht der vorgesehene Strafrahmen bei sexualbezogenen Deepfakes von bis zu zwei Jahren Haft aber nicht weit genug - er hält fünf Jahre für angemessen. Zudem fehle eine Regelung zum Identitätsmissbrauch.
Jenseits der strafrechtlichen Möglichkeiten hat Rizos noch einen Tipp: "Wenn man einen Hinweis bekommt, dass es wirklich Deepfakes gibt, dann sollte man die sich auf keinen Fall selbst anschauen, weil einen das wirklich traumatisieren kann." Wichtig sei es auch zu wissen, "dass man damit nicht alleine ist, dass man auch was tun kann, dass man sich wehren darf, dass man es zur Anzeige bringen kann und dass man es sich eben nicht gefallen lassen und nichts ertragen muss. Weil es einfach nicht die eigene Schuld ist."