Regionalnachrichten

Bayern Scheuer versus Platter: (Beziehungs)streit ohne Ende?

Ein Polizist steht vor einem Schild, das auf die Sperrung für den Verkehr mit Fahrziel Italien hinweist. Foto: Angelika Warmuth/Archivbild

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Der Streit zwischen dem deutschen Verkehrsminister Scheuer und Tirols Ministerpräsident Platter spitzt sich immer weiter zu. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht, denn die beiden pochen auf ihr Recht. Ein Diplom-Psychologe sieht Parallelen zu Beziehungsstreits.

München (dpa/lby) - Die Liebe zu den Bergen, zünftiges Essen und Traditionen - Bayern und Österreich verbindet vieles, auch die gemeinsame Grenze. Und die wird täglich von Tausenden Fahrzeugen passiert. Die Straßen sind auf deutscher und österreichischer Seite so voll, dass regelmäßig ein "Verkehrskollaps" befürchtet wird.

Doch wie umgehen mit den Lawinen aus Metall, die sich über den Asphalt schieben? Eine Frage, die zwischen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und dem Tiroler Ministerpräsidenten Günther Platter (ÖVP) einen regelrechten Rosenkrieg ausgelöst hat. Jüngst eskalierte die Auseinandersetzung um regionale Fahrverbote in Österreich.

"Wir müssen zuschauen, wie sich zwei Politiker in der Öffentlichkeit duellieren", sagt der Diplom-Psychologe und Stress-Experte Louis Lewitan der Deutschen Presse-Agentur. Eine Lösung des Konflikts ist seiner Meinung nach im Moment nicht in Sicht: "Es lässt sich keine Brücke bauen, wenn beide Seiten stur auf ihr Recht beharren."

Am Wochenende nach Fronleichnam waren im Raum Innsbruck erstmals verschiedene Ausweich-Routen für den Transitverkehr gesperrt worden. Rund 1000 Autofahrer mussten auf die Autobahn zurück. Eine Entscheidung, die im Ringkampf Scheuer versus Platter die nächste Eskalationsstufe eingeläutet hat. Das Bundesverkehrsministerium plant eine Klage gegen Österreich. Ein Angriff, den Platter scheinbar unbeeindruckt pariert: "Unsere Maßnahmen sind zu 100 Prozent EU-rechtlich gedeckt", sagt er der Nachrichtenagentur APA.

Der Streit zwischen Scheuer und Platter erinnert fast an einen Beziehungsstreit. "Wenn ein Paar nicht bereit ist, miteinander zu sprechen, dann kann die Beziehung nur scheitern", erklärt Lewitan. Vor allem das österreichische Verhalten habe mit Diplomatie nicht viel zu tun. Platter führe sich auf wie ein "Gockel, der zeigen muss, dass er der Wichtigste auf dem Platz ist", sagt der Psychologe.

Einseitige Entscheidungen zu treffen, sei ein deutliches Zeichen für Schwäche und Hilflosigkeit. "Platter ist sich nicht bewusst, welche Konsequenzen sein Handeln hat", meint Lewitan. Doch auch Scheuer scheint nur wenig Interesse an einer Deeskalation zu haben. "Klagen bringen niemanden weiter", sagt Lewitan.

Statt öffentlicher Provokationen sollte die deutsche Seite versuchen, Gespräche auf der politischen Ebene zu führen. "Es muss die Bereitschaft geben, Angebote zu machen und aufeinander zuzugehen." Statt eines öffentlichen Duells, "wäre es mir lieber, sie würden schweigen und wirklich nach Lösungen suchen", so Lewitan.

Scheuer und Platter müssten ihre Sturheit überwinden und sich gegenseitig zuhören, findet der Experte. "Egal ob rechtens oder nicht, es kann nicht richtig sein, einseitige Grenzen zu ziehen ohne den Partner einzubinden." Solange beide Seiten nicht bereit seien aufeinander zuzugehen, könne die Eskalationsspirale nicht gestoppt werden. "Und darunter leiden vor allem die Menschen auf den Straßen."

Regionales
ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.