Berlin & BrandenburgClankriminalität wächst: 950 Straftaten, 342 Verdächtige

Diebstahl, Körperverletzung, Raub: Die Berliner Polizei kämpft gegen zunehmende Clanstrukturen.
Berlin (dpa/bb) - Im Bereich der Clankriminalität in Berlin hat die Polizei im vergangenen Jahr mehr beteiligte Menschen, mehr Straftaten und mehr Verdächtige registriert. 685 Menschen werden der Clankriminalität inzwischen zugerechnet, wie aus dem aktuellen Lagebild des Landeskriminalamtes (LKA) zum Jahr 2025 hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 stieg die Zahl um elf Prozent.
Die Polizei registrierte in diesem Zusammenhang 952 Straftaten durch 342 Verdächtige, die zu den arabischstämmigen Clans gehören. Auch diese Zahlen stiegen im Vergleich zu 2024. Die Schwerpunkte lagen dabei im Bereich Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen und Raubtaten (23 Prozent), Verkehrsstraftaten (16 Prozent) und Diebstahlsdelikte (16 Prozent).
20-Jähriger mit 75 Straftaten in einem Jahr
Von den 685 Menschen aus dem Milieu der Clankriminalität haben demnach 46 Prozent eine deutsche Staatsangehörigkeit, 25 Prozent eine libanesische oder deutsch-libanesische, bei 11 Prozent ist die Nationalität ungeklärt. Ein geringer Teil der Nationalitäten ist türkisch und syrisch.
Ein junger Mann im Alter von 20 Jahren aus dem "Clankriminalität- Umfeld" soll allein 2025 insgesamt 75 Straftaten aus unterschiedlichen Bereichen begangen haben. Vor allem sollen es Diebstähle an und aus Autos, Urkundenfälschungen, Widerstand gegen die Polizei, Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gewesen sein.
Bedrohung von Zeugen und Opfern
Bei den "kriminellen arabischstämmigen Strukturen" würden zudem weitere Probleme auftreten: Einschüchterung und Bedrohung von Zeugen und Opfern und konspiratives Verhalten, wie das Ausspähen von Polizeiwachen oder Diebstahl und Vernichtung von Beweisen, heißt es in dem Lagebild.
Szenetypische Aktivitäten seien auch das Betreiben von Shisha-Bars, Tabakverkaufsstellen, An- und Verkaufsgeschäften, Juweliergeschäften, Baubetriebe und Autovermietungen ebenso wie etwa Geldwäsche und das Investieren krimineller Einnahmen in den legalen Wirtschaftssektor.
Kontrolleinsätze und 135 Strafanzeigen
71 Kontrolleinsätze leistete die Polizei 2025. Vor allem Shisha-Bars, Cafés und Restaurants, Wettbüros, Friseurläden und Spätkaufs wurden überprüft oder durchsucht. Die Folge waren 135 Strafanzeigen und 313 wegen Ordnungswidrigkeiten.
Beschlagnahmt wurden 50.108 Euro Bargeld, 3702 verbotene Tabakerzeugnisse, 14 Kilo Wasserpfeifentabak, 3 Kilo Cannabis, 14 Autos, 8 Führerscheine, 215 Einheiten von Drogen, eine Pistole und 108 scharfe Patronen, Medikamente und zahlreiche Geldspielgeräte.
Die Polizei versuche, besonders durch frühzeitige Intervention, Präventionsmöglichkeiten und die Bekämpfung krimineller Autovermietungen entgegenzuwirken.
Zugehörigkeit zu Clan nicht mit Kriminalität gleichsetzen
Die Polizeibehörden in Deutschland definieren Clan als eine "informelle soziale Organisation, die durch ein gemeinsames Abstammungsverständnis ihrer Angehörigen bestimmt ist. Sie zeichnet sich insbesondere durch eine hierarchische Struktur, ein ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl und ein gemeinsames Normen- und Werteverständnis aus".
Dabei werde die Zugehörigkeit zu einem Clan nicht mit Kriminalität gleichgesetzt, so die Polizei. "Erst wenn Clanstrukturen maßgeblich dazu genutzt werden, Kriminalität zu begehen, zu begünstigen oder die Tataufklärung zu verhindern, wird von Clankriminalität gesprochen."
Kritiker des Begriffs Clankriminalität monieren, dass Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert würden.