Berlin & BrandenburgClubcomission-Chef sieht ungelöste Fragen für RAW-Gelände

Die Zukunft des RAW-Geländes ist gesichert - vorerst. Der Chef der Clubcomission, Marcel Weber, sieht allerdings noch einige Fragezeichen.
Berlin (dpa/bb) - Nach einer Einigung zwischen dem Eigentümer des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain mit dem Senat und dem Bezirk ist die Zukunft der dortigen Clubs für die nächsten Jahre gesichert - der Chef der Berliner Clubcomission, Marcel Weber, sieht allerdings noch ungelöste Fragen. "Erstmal ist es eine gute Nachricht, dass es dort weitergeht und dass es zumindest für die nächsten zwei Jahre plus vielleicht noch ein weiteres Jahr Verhandlungen gibt zur konkreten Umsetzung", sagte er im RBB-Inforadio.
"Gleichzeitig muss man natürlich sagen, dass es jetzt keine dauerhafte Lösung gibt, die auf dem Tisch liegt." Das größte ungelöste Problem sei etwa der Schallschutz, betonte Weber. Denn im Rahmen der Einigung kann der Eigentümer auf dem Gelände neue Wohnungen bauen.
Risiko durch Lärmschutz
Es gebe daher das Risiko, dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner sich irgendwann über den Lärm der Clubgänger beschwerten und forderten: Der Club muss weg. "Und dann kriegen die womöglich auch noch Recht. Das ist ja die Situation, die wir ganz oft haben", sagte Weber.
In den nächsten maximal drei Jahren müsse daher ein tragbarer Plan für den Bestand entwickelt werden, mit dem sich beides miteinander vertrage. Gleichzeitig brauche es einen Plan B, etwa andere Orte, an denen die Clubs im Fall der Fälle weitermachen könnten.
Auf der ehemaligen Industriebrache, dem früheren Reichsbahnausbesserungswerk (RAW), sind in teils baufällig anmutenden Hallen und Gebäuden Dutzende Clubs, Kneipen, Ateliers sowie Sport- und Kulturangebote zu Hause.
Im Juni hatte der private Eigentümer die Verhandlungen mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Senat über die planungsrechtliche Entwicklung überraschend für gescheitert erklärt. Einer der zentralen Streitfragen war, wann und wie viele Wohnungen auf Teilen des Geländes nahe der Warschauer Straße und der Spree gebaut werden sollen.
Bezirk übernimmt zunächst Rolle des Zwischenmieters
Nun gibt es eine Einigung. Um den Erhalt der Veranstaltungsorte zu sichern, soll ein Generalmieter für 30 Jahre ein Mietverhältnis mit der Eigentümerin eingehen, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mitteilte.
Vorübergehend übernimmt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Rolle des Zwischenmieters. Der Interimsmietvertrag soll ab September 2026 in Kraft treten und für zwei Jahre gelten. Bei Bedarf könne der Mietvertrag um ein weiteres Jahr verlängert werden. Wer danach für 30 Jahre Generalmieter werde, sei noch unklar.
Weber lobte den Einsatz von Senat und Bezirk für eine tragfähige Lösung. "Die haben schon die Bedeutung des RAW seit Jahren auf dem Schirm", betonte er. "Insofern sehen wir das jetzt gar nicht als Wahlkampfmanöver, sondern es ist wirklich gut, dass es jetzt eine Einigung auch noch vor der Wahl gibt."