Regionalnachrichten

Berlin & BrandenburgStechlinsee: Wasserqualität verbessert sich weiterhin

12.08.2026, 04:02 Uhr
Der-Stechlinsee-ist-ein-beliebtes-Ausflugsziel

Mit seinem klaren Wasser und den umliegenden Buchenwäldern lockt der tiefste See Brandenburgs jedes Jahr Tausende Besucher. Selbst die Wasserqualität wird wieder besser.

Neuglobsow (dpa/bb) - Von kaum einem anderen See in Brandenburg geht eine solche Faszination aus wie vom Großen Stechlinsee. Doch selbst Wissenschaftler können ihn nur schwer ergründen - wie die Entwicklung um die Wasserqualität der letzten Jahre zeigt.

Tiefster See Brandenburgs

Mit fast 70 Metern gilt der Stechlinsee als der tiefste See Brandenburgs. Das Gewässer ist zudem überregional bekannt für sein klares Wasser. Der Name Stechlin kommt vom slawischen Begriff "Steklo" für Glas. Sichttiefen von acht bis zehn Metern sind laut dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie keine Seltenheit. Auch eine Tauchbasis gibt es an dem See.

Sorge um Wasserqualität - Besserung seit 2021

Doch Experten hatten zuletzt Sorge um die Wasserqualität des Sees. "Ab circa 2000 hat die gelöste Phosphorkonzentration im See deutlich zugenommen", sagt Hans-Peter Grossart, Abteilungsleiter für Plankton- und Mikrobielle Ökologie des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei am Stechlinsee. Der Phosphor wirke wie ein Düngemittel, durch den sich Plankton und Bakterien gut vermehren könnten. Das ziehe einen hohen Sauerstoffverbrauch nach sich.

Mit der Zeit gab es unter 35 Metern Wassertiefe im Herbst keinen Sauerstoff mehr. "Der Tiefenbereich ist etwa der Maräne als Lebensraum verloren gegangen", erklärt Grossart. Bis 2021 habe sich die Phosphorkonzentration stark erhöht. "Danach hat sie wieder rapide abgenommen und auch dieses Jahr ist sie weiter heruntergegangen", betonte der Wissenschaftler.

Berühmte Fontane-Maräne

Das sei ein gutes Signal für den See und die bekannte Fontane-Maräne, so Grossart. Mit der Fischart beheimatet der Stechlinsee eine Tierart, die nirgends sonst auf der Welt vorkommt. Maränen sind Salmoniden - also Verwandte des Lachses oder der Forelle. Sie brauchen kaltes und sauerstoffreiches Wasser. Die Fontane-Maräne hat sich - abgeschottet von anderen Artgenossen - im See isoliert entwickeln können. "Der See hat keinen natürlichen Zufluss", erklärt Grossart.

"Der Stechlinsee zählt zu den nährstoffarmen Gewässern", heißt es vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Entsprechend schlecht entwickeln sich etwa Algen im Freiwasser. Das führt unter anderem dazu, dass der See so klar ist.

"Atombucht" zehn Grad wärmer

Zu DDR-Zeiten war der See Teil des Kühlkreislaufes für das Kernkraftwerk in Rheinsberg. In der von den Einheimischen als "Atombucht" bezeichneten Stelle floss das warme Wasser aus dem Kraftwerk wieder in den See. "Dort sind die Einheimischen gern baden gegangen, weil es etwa zehn Grad wärmer war", berichtete Grossart, der seit 25 Jahren an dem See forscht. Auch eine Fischzucht mit Karpfen profitierte von dem eingeleiteten warmen Wasser. "Die sind dort gut gewachsen."

Für Grossart ist der See trotz umfangreicher Untersuchungen schwer zu lesen. "Der See ist im ständigen Wandel. Man kann schlecht vorhersagen, was passiert", sagte der Forscher. Die Phosphorzunahme etwa nennt er als Beispiel. Diese hätten die Wissenschaftler nach seinen Angaben nicht vorhersagen können. Voraussagen seien schwierig. "Wir dachten, wir haben den See gut verstanden, aber es gibt offensichtlich viele Zusammenhänge, die man nicht kennt. Das fasziniert mich."

Quelle: dpa

Regionales