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Berlin & BrandenburgKardiologin warnt: Herzrisiken bei Frauen zu wenig bekannt

19.05.2026, 13:55 Uhr
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Komplikationen in der Schwangerschaft können das Herz dauerhaft belassen. Viele Frauen wüssten das aber nicht, sagt eine Spezialistin. Und auch andere Risikofaktoren seien viel zu wenig bekannt.

Berlin (dpa/bb) - Frauen sollten laut Ärztinnen und Ärzten des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) viel besser über die speziellen Risiken für Herzkreislauferkrankungen aufgeklärt werden. Als Risikofaktoren seien vielen Menschen meist nur Rauchen, hohe Cholesterinwerte oder Diabetes bekannt, sagte Kardiologin Julia Lueg von der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Charité Campus Mitte bei einem Pressegespräch anlässlich des Tags der Frauengesundheit am 28. Mai. Allerdings: "Bei Frauen gibt es einfach noch viele andere Risikofaktoren." Die wenigsten wüssten das.

So erhöhten zum Beispiel Fehl- und Todgeburten das kardiovaskuläre Risiko um 20 bis 30 Prozent. Wenn Frauen die Pille nähmen und vielleicht auch noch rauchten, steige das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen um das Zehnfache. Auch eine überstandene Krebserkrankung, die Menopause oder Komplikationen in der Schwangerschaft führten zu einem langfristig erhöhten Risiko für eine Herzkreislauferkrankung. Als Beispiel nannte Lueg Schwangerschaftsbluthochdruck.

Wenn Ärztinnen und Ärzte, aber auch Frauen selbst, diese Punkte nicht im Hinterkopf hätten, würden Erkrankungen zum Teil zu spät erkannt, mahnte Lueg. Es brauche gute Vorsorgekampagnen, vor allem aber müssten die Patientinnen ins Boot geholt und langfristig untersucht werden.

DHCZ hat spezialisierte Angebote für Frauen

"Dieser Moment, in dem Frauen in einer Schwangerschaft ans Gesundheitssystem andocken, den müssen wir nutzen", sagte Lueg. Denn zum Frauenarzt müsse jede Frau, wenn sie schwanger werde. Das sei der Moment, um die Frauen ausführlich zu untersuchen und über Risiken aufzuklären. Für eine langfristige und interdisziplinäre Versorgung fehlt laut DHZC leider vielerorts noch die Infrastruktur.

Am DHZC und der Charité gibt es mehrere spezialisierte Angebote, unter anderem für Frauen mit Risikoschwangerschaften, Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, geschlechterspezifischen Herzkreislauferkrankungen oder nach überstandenen Krebserkrankungen ("Survirvorship Clinic").

Quelle: dpa

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