Berlin & BrandenburgBis zu 70 Millionen Euro Stromausfallschäden in Adlershof

Im September sorgte ein Anschlag auf einen Strommast für einen großflächigen Energieausfall im Berliner Südosten. Betroffen war auch der Technologiepark Adlershof.
Berlin (dpa/bb) - Der Stromausfall im September infolge eines Anschlags hat bei den Unternehmen im Technologiepark Adlershof Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht. Ein Großteil der Betriebe am Standort habe daraufhin damit begonnen, Schadensanalysen und Notfallpläne zu erarbeiten oder neu zu denken, sagte der Chef der Betreibergesellschaft Wista, Roland Sillmann. Nur wenige der weit über 1.000 Unternehmen überlegten hingegen, Berlin zu verlassen. "Wir sehen eher eine Trotzreaktion: Jetzt erst recht", betonte Sillmann.
Genauer lässt sich der Schaden den Angaben zufolge nicht beziffern, weil die Auswirkungen bei den Unternehmen sehr unterschiedlich seien.
Wegen eines Brandanschlags auf einen Strommast war der Strom im Südosten Berlins über Tage ausgefallen. Einem Bekennerschreiben zufolge, das damals auf der linksextremen Internetseite "Indymedia" auftauchte und von der Polizei als authentisch eingestuft wurde, galt der Anschlag gezielt den Technologiefirmen. Am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof sind mehr als 1.300 Unternehmen angesiedelt, darunter viele Start-ups und wissenschaftliche Institute.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte, der Senat arbeite derzeit gemeinsam mit dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin daran, redundante Sicherheitssysteme an dem Standort zu stärken. Die Betriebe müssten aber auch selbst vorsorgen, etwa durch Solaranlagen auf dem Dach, zusätzliche Notstromaggregate und Stromspeicher.
Wirtschaftliche Entwicklung trotz Anschlag robust
Trotz der wirtschaftlichen Schäden zeigte sich die Entwicklung des Technologieparks robust. Die dort ansässigen Unternehmen erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz und damit etwa 5 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Ohne den Stromausfall hätte das Wachstum gut zwei Prozentpunkte höher ausfallen können, sagte Sillmann.
Zum Wachstum beigetragen hätten deutlich gestiegene Drittmittel für Forschungseinrichtungen. Rund die Hälfte der Institute gehe einer Befragung zufolge davon aus, dass diese Mittel auch in diesem Jahr wachsen werden.
Die Zahl der Beschäftigten in Adlershof stieg den Angaben zufolge im Jahr 2025 um 1,7 Prozent auf 29.600. Es gebe genügend Flächen für rund doppelt so viele Beschäftigte, hieß es vom Wista-Chef. Limitierender Faktor sei aber die verkehrliche Anbindung. Es sei schwer vorstellbar, wie täglich 60.000 Mitarbeitende mit der Bahn nach Adlershof kommen sollen, sagte Sillmann.
Hinzu komme, dass viele Berufsgruppen nach wie vor vom Fachkräftemangel betroffen seien.