Berlin & BrandenburgMehrere rechtsextreme Demonstrationen - 1.800 Polizisten

Demonstrationen von Neonazis und Verschwörungsanhängern beschäftigen am Samstag die Polizei.
Berlin (dpa/bb) - Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei und Gegenprotesten haben mehrere Gruppen von Rechtsextremisten, Neonazis und Verschwörungsanhängern in Berlin demonstriert. 1.800 Polizisten waren im gesamten Stadtgebiet als Begleitung für diese und weitere Demonstrationen sowie für ein Fußballspiel im Einsatz, um für einen geordneten Ablauf zu sorgen und verbotene extremistische Äußerungen zu unterbinden.
Am großen Einkaufszentrum an der Marzahner Promenade versammelten sich am Mittag nach Polizeiangaben 160 Anhänger der rechtsextremen Kleinstpartei "Der dritte Weg". Etwas mehr als 100 Gegendemonstranten standen in der Nähe. Die Polizei war mit zahlreichen Beamten vor Ort. Zwischenfälle gab es zunächst nicht, wie ein Polizeisprecher sagte.
Neonazi-Demo und Gegendemo am Potsdamer Platz
Auch am Potsdamer Platz begann am Mittag eine Demonstration von Anhängern aus der Neonazi-Szene. Nach Angaben der Polizei nahmen etwa 80 Demonstranten teil. Zum Teil kamen sie aus dem Umfeld der früheren NPD und jetzigen Partei "Die Heimat". Unter ihnen waren demnach als Redner auch zwei seit vielen Jahren bekannte Neonazis. Die Polizei beschlagnahmte Sticker mit verbotenen Parolen. Ein Mann wurde festgenommen, weil er einen Journalisten geschlagen haben soll.
Nach Polizeiangaben versammelten sich mehr als 150 Gegendemonstranten. Die Polizei hatte Absperrgitter aufgestellt, um die beiden Gruppen voneinander zu trennen. Zudem setzte sie bei den rechtsextremen Demonstranten das Verbot von Uniformen und Vermummungen durch, wie ein Sprecher sagte.
Demo von Verschwörungsanhängern
Parallel begann nahe der Siegessäule am Großen Stern im Tiergarten der Aufbau zu einer Demonstration von Verschwörungsanhängern, zu der der umstrittene Sänger Xavier Naidoo aufgerufen hatte. Die Polizei zog einen LKW der Demonstranten, der als Bühne dienen sollte, wegen fehlender Zulassung aus dem Verkehr.
Die Demonstration trug den Titel "Transparenz, Rechtsstaat und Schutz von Minderjährigen – Aufklärung im Kontext möglicher deutscher Bezüge im internationalen Epstein-Komplex". Mitte Februar hatte Naidoo bei einer Demonstration in Berlin mit Bezug zu den Epstein-Akten von "Menschenfressern" gesprochen und gesagt "Die fressen unsere Babys".
Antisemitische Andeutungen
Solche Äußerungen werden von Experten unter anderem als antisemitische Andeutungen eingeordnet. Seit Jahrhunderten gibt es die antisemitische Verschwörungserzählung, die besagt, dass Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töten würden. Naidoos Management äußerte sich auf Anfrage nicht.
Später am Nachmittag wurden noch weitere Demonstrationen zu Palästina und dem Krieg gegen den Iran erwartet.