Berlin & BrandenburgMuslime erinnern beim Freitagsgebet an Terroropfer

"Muslimische Organisationen sind Teil der Lösung, nicht des Problems." Was ein Imam noch sagt zu dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) und zum Umgang mit Extremisten.
Berlin (dpa/bb) - Rund 500 Menschen haben in der Pankower Khadija Moschee der Opfer des islamistischen Terroranschlags am vergangenen Wochenende gedacht. Gemeindemitglieder versammelten sich zu einem offenen Freitagsgebet, zudem auch Gäste willkommen waren. Schwerpunktthema der Predigt war der Islamismus und die Verantwortung muslimischer Gemeinschaften im Umgang mit Extremismus.
"Es war eine entsetzliche Tat, für die unsere Religion instrumentalisiert wurde", sagte Imam Scharjil Khalid anschließend der Deutschen Presse-Agentur. "Wir verurteilen sie unmissverständlich." Der Islam rechtfertige keinen Terror. "Jetzt liegt es an uns, auf die Menschen in Berlin zuzugehen, ihre Sorgen ernst nehmen, ihre Fragen zu beantworten und zu zeigen, wofür der Islam wirklich steht." Die Deutungshoheit dürfe nicht Extremisten überlassen werden.
Kritik an pauschalen Einordnungen
Kritik übte Khalid an Politikern, die nach dem Anschlag Moscheevereine und den Islam an sich pauschal als Problem identifiziert hätten. "Sie müssen verstehen, das muslimische Organisationen in erster Linie Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sind", sagte der Imam. "Man muss sie endlich als Verbündete und nicht Verdächtige verstehen. Sie haben die beste Ahnung, um Extremismus vorzubeugen." Extremismus entstehe aus mangelndem theologischem Wissen und aus Isoliertheit. "Beides kann bei einem Muslim die Moscheegemeinde am besten bekämpfen."
Die Khadija Moschee im Stadtteil Heinersdorf wird betrieben vom Islamverband Ahmadiyya Muslim Jamaat. Die Gemeinschaft verweist auf ihre eigene Historie als von Islamisten verfolgte muslimische Bewegung. "Viele ihrer Mitglieder sind selbst vor religiösem Extremismus nach Deutschland geflohen", teilte sie mit. Die Gemeinde im Norden Berlins hat etwa 700 Mitglieder.
Frau stirbt bei Anschlag
Bei dem Terroranschlag am Samstag im Tiergarten am Rande des Christopher Street Days (CSD) hatte der 21-jährige Attentäter mit einem Auto mehrere Passanten angefahren, bevor er – vermutlich mit einer Machete – weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, darunter 7 schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen, als sie ihn in einer Kleingartenkolonie in Spandau stellten.