Berlin & BrandenburgNach Stationsschließungen: Kliniken sehen neue Belastungen

Die Krankenhäuser in Brandenburg stehen unter wachsendem Druck: Zur Krankenhausreform kommt auch das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung. Drohen neue Schließungen?
Potsdam (dpa/bb) - Die beiden großen Potsdamer Krankenhäuser planen nach der Schließung von je zwei Stationen derzeit zwar keine weiteren Streichungen - sehen aber neue Belastungen. "Der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser wird deutlich größer werden", sagte der Geschäftsführer des Klinikums Ernst von Bergmann, Tomislav Gmajnic, den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" mit Blick auf Krankenhausreform und Sparpaket der Krankenversicherung. "Das zwingt uns, alles noch einmal zu prüfen. Ob sich daraus weitere Schließungen ergeben, kann ich jetzt nicht sagen."
Das St. Josefs-Krankenhaus verwies darauf, dass die Krankenhausreform bestimmte Qualitätsmerkmale setze, die für größere Häuser leichter zu erfüllen seien als für kleine. "Insofern können aus dem Drehen an dieser Schraube noch weitere Anpassungen entstehen", sagte der Regionalgeschäftsführer der Alexianer St. Josef Potsdam GmbH, Alexander Mommert. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber nicht absehbar."
Beide Krankenhäuser wollen sich spezialisieren
Das Klinikum Ernst von Bergmann bietet Orthopädie und Gefäßchirurgie ab August nicht mehr an, die vom St. Josefs-Krankenhaus und der Oberlinklinik in Potsdam übernommen werden. Das St. Josefs-Krankenhaus schließt Neurologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die das Bergmann-Klinikum übernimmt. Weil Personal fehlte, stellte die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus die Arbeit schon im Juli ein. Hunderte Menschen demonstrierten in Potsdam gegen Sparmaßnahmen.
Im St. Josefs hätten 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum 31. Juli die Kündigung erhalten, sagte Mommert. Es gehe um Hebammen und Ärztinnen und Ärzte, die nicht ohne Weiteres in anderen Bereichen eingesetzt werden könnten. Nun werde nach Einsatzmöglichkeiten anderswo bei den Alexianern gesucht oder Unterstützung bei der Neuorientierung gegeben. Im Bergmann-Klinikum sind laut Gmajnic 14 Personen betroffen. Das Krankenhaus sehe kein Kapazitätsproblem mit den zusätzlichen Geburten.
Bergmann-Klinik offen für Babyklappe
Nach der Schließung der Babyklappe im St. Josefs-Krankenhaus zeigt sich das Klinikum Ernst von Bergmann offen dafür, eine solche Möglichkeit einzurichten. "Mir ist nur wichtig, alles zu tun, was Frauen in schwierigen Situationen unterstützt", sagte Gmajnic. "Wenn eine Babyklappe dazu beiträgt, machen wir es, wenn die politischen Gremien dies beschließen."
Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hatte die Schließung der Angebote gegen Kritik verteidigt. "Es werden alle Leistungen fortgeführt", sagte er in einer Sondersitzung des Landtags-Gesundheitsausschusses in der vergangenen Woche. Die Landeskrankenhausgesellschaft sieht einen täglich wachsenden Druck auf die Kliniken. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow schließt Ende Juli. Das Krankenhaus in Wittstock soll Anfang 2027 schließen, eine Poliklinik ist geplant.