Hamburg & Schleswig-HolsteinBundeswehrbesuche an Hamburgs Schulen erhalten neuen Rahmen

Bundeswehr-Auftritte an Hamburger Schulen nehmen rasant zu. Vom kommenden Schuljahr an gilt eine neue Kooperationsvereinbarung. Was der neue Rahmen für Schüler und Lehrkräfte bedeutet.
Hamburg (dpa/lno) - Die seit Jahren üblichen Besuche der Bundeswehr an Hamburger Schulen haben nun einen rechtlichen Rahmen. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) und der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg der Bundeswehr, Kapitän zur See Kurt Leonards, unterzeichneten im Rathaus eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Diese tritt zum kommenden Schuljahr in Kraft.
Thema Sicherheit Deutschlands auch in Schulen präsent
"Keine der Diskussionen, die wir im Moment führen im schulischen Bereich, streift nicht irgendwann das Thema: Wie steht's eigentlich um die Sicherheit Deutschlands und was hat das mit mir zu tun", sagte Bekeris. Sie freue sich daher, dass die Fragen der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen würden - "und zwar ohne zu überwältigen und ohne außer Acht zu lassen, dass wir immer die Kontroversität, die darin steht, zu beachten haben".
Konkret geht es dabei um den seit 50 Jahren bestehenden Beutelsbacher Konsens. Demnach dürfen Lehrkräfte Schülern nicht ihre eigene Meinung aufzwingen, sollen sie vielmehr in die Lage versetzen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Zweitens gilt: Was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, soll auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden. Am Ende soll der Schüler eigenständig die politische Lage und seine eigene Position darin analysieren können, um sich in seinem Sinne am politischen Prozess beteiligen zu können.
Bundeswehr kommt nur auf Einladung in die Schulen
Die Bundeswehr kommt ausschließlich auf Einladung der Schulen selbst zu einem Besuch, wie die Schulbehörde betonte. Die Themen legten die Lehrkräfte in Abstimmung mit der Bundeswehr fest und seien auch während des gesamten Besuchs anwesend. Nachwuchswerbung sei der Bundeswehr untersagt.
Bekeris betonte, eine Meinung und eine Haltung entstehe nicht, "indem mir jemand sagt, das hast du zu denken, sondern wenn ich mich damit auseinandersetze und wenn ich mich damit auch kritisch auseinandersetze". Und da sei die Bundeswehr ein wichtiger Partner. Leonards sprach von einem tollen Tag für die sicherheitspolitischen Diskussionen in Hamburg, welche die beiden für Hamburg zuständigen Jugendoffiziere professionell begleiteten.
Schulbesuche in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion ist die Zahl der Bundeswehrbesuche an Schulen bundesweit deutlich gestiegen - auch in Hamburg. Waren es 2021 an den Schulen der Hansestadt noch 40, stieg die Zahl der öffentlichen Bundeswehrauftritte an den Schulen demnach im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs 2022 schon auf 91, um im vergangenen Jahr noch einmal auf 127 zu klettern.
Hauptmann Robin Bräuer - einer der beiden Hamburger Jugendoffiziere - sagte, die Anfragen stiegen vor allem durch die Diskussionen um eine Dienst- oder sogar Wehrpflicht, aber auch wegen der Kriege und Krisen. Er betonte, bei den Besuchen versuche er nicht, "eine Person davon zu überzeugen, dass die Bundeswehr ein guter Arbeitgeber ist". Er sei ein Referent für Sicherheitspolitik und kein Karriereberater. Auch hätte er kein Problem damit, gemeinsam etwa mit Vertretern von Friedensorganisationen aufzutreten.
Linke kritisieren das Abkommen als einseitig
Der friedenspolitische Sprecher der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, David Stoop, kritisierte das Abkommen und sprach von einer einseitigen militärischen Propaganda. Tatsächlich gehe es dem Senat "um die Durchsetzung einer auf Kriegstüchtigkeit junger Menschen zielenden "geistigen Zeitenwende"".