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Hamburg & Schleswig-HolsteinDohnanyi: Hamburg ist "kulturell wissenschaftsfern"

21.06.2023, 06:19 Uhr
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(Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild)

Er war in den 1970er Jahren Bundesminister für Bildung und Wissenschaft und später Bürgermeister seiner Heimatstadt Hamburg. Doch die ist für Klaus von Dohnanyi zu hafenorientiert, um die Chancen der Wissenschaft für sich zu nutzen.

Hamburg (dpa/lno) - Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi hält die Hamburger Stadtgesellschaft für "kulturell wissenschaftsfern". Deshalb gelinge es auch nicht, die Hansestadt zu einer Wissenschaftsstadt zu machen, sagte der Sozialdemokrat der Deutschen Presse-Agentur im Interview zu seinem 95. Geburtstag am Freitag. Die Hamburger sehen "immer nur die Hafenprobleme und zu wenig die Chancen der Wissenschaft." Deshalb habe Hamburg "den Anschluss in der großen Wissenschaftspolitik bereits verloren".

Auch der Exzellenzstatus der Universität Hamburg ändere daran wenig. Führende Wissenschafts- und Forschungsgesellschaften siedelten sich lieber andernorts an. "Wissenschaft geht zu Wissenschaft, und Zentren wie München, Heidelberg oder Karlsruhe sind da einfach attraktiver als Hamburg", sagte Dohnanyi, der in den 1970er Jahren Bundesminister für Bildung und Wissenschaft war und Hamburg in den 80ern sieben Jahre als Erster Bürgermeister regiert hat.

"Es ist nicht gelungen, so viele Forschungseinrichtungen und Institute von der Max-Planck- oder der Fraunhofer Gesellschaft nach Hamburg zu holen wie beispielsweise München sie heute hat - auch nicht in meiner Zeit als Bürgermeister", räumte er ein. Das sei "schade und bedenklich".

Die Hamburger Stadtgesellschaft sehe das Problem nicht und sei in dieser Beziehung zu hafenorientiert. "Aber für die Zukunft wird das nicht reichen", warnte Dohnanyi. "Ich vertrete seit langem die These - zum ersten Mal vor dem Übersee Club 1983 -, dass auch Wissenschaft unsere Zukunft sichern muss. Aber wir tun nicht genug dafür."

Standorte, "die nur aus einer Besonderheit bestehen", seien immer gefährdet. "Sie müssten mindestens ein "zweites Standbein" haben", sagte er.

"Wir sind immer noch ein starkes logistisches Zentrum. Und die Verbindungen in die Welt, über die wir verfügen, können andere Standorte nur schwer ersetzen. Aber wenn die Kraft des Hafens nachlässt, wird sich das dennoch auswirken." Dass dies so kommen wird, ist Dohnanyi sich sicher: "Der Hamburger Hafen wird langfristig zunehmende Konkurrenzprobleme haben aufgrund der weiten Entfernung zur hohen See, seiner Wassertiefe und auch die der Elbe."

Quelle: dpa

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