Hamburg & Schleswig-HolsteinGegner warnen vor Kosten und Klima-Folgen durch Olympia

Das Bündnis NOlympia macht mobil gegen Olympische Sommerspiele in Hamburg. Beim Referendum 2015 war es bereits erfolgreich. Die Umweltorganisation BUND erneuert derweil ihr Nein zu Olympia.
Hamburg (dpa/lno) - Nach zahlreichen Olympia-Befürwortern - allen voran Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) - haben sich nun die Gegner des Sportgroßereignisses in der Hansestadt in Stellung gebracht. Einen Tag vor dem geplanten Bürgerschaftsbeschluss, mit dem ein Referendum über eine Olympia-Bewerbung für den 31. Mai angesetzt werden soll, präsentierte das Bündnis NOlympia seine Position.
NOlympia: "Hamburg hat etwas Besseres verdient"
Unter dem Motto "Hamburg hat etwas Besseres verdient" führte es dabei Argumente auf, warum Hamburg dringend die Finger von Olympischen Spielen lassen sollte. Diese Punkte reichen von den Kosten der Spiele über den Klimaschutz bis hin zum Gebaren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das Sportgroßereignis könnte 2036, 2040 oder 2044 in der Hansestadt stattfinden.
Neben Hamburgs wollen auch Berlin, Nordrhein-Westfalen und München als deutsche Kandidaten für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele ins Rennen gehen. München - 1972 bislang einziger deutscher Austragungsort Olympischer Spiele nach dem Zweiten Weltkrieg - hat bereits in einem Referendum für eine Bewerbung gestimmt, NRW will die Bevölkerung Ende April befragen. Berlin plant kein Referendum. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will im Herbst eine Entscheidung fällen.
Unterschriftensammlung von Ende Januar an
Um die Broschüre mit den Gegenargumenten in die Abstimmungsunterlagen für das Hamburger Referendum zu bekommen, will das Bündnis von Ende Januar an innerhalb von drei Wochen 10.000 Unterschriften sammeln. Bereits am Freitag sei im Centro Sociale um 18.00 Uhr eine Kick-Off-Veranstaltung zum Kampagnenstart geplant.
Das NOlympia-Bündnis war schon 2015 aktiv, als sich beim damaligen Referendum über Olympische Spiele 2024 eine Mehrheit von 51,6 Prozent gegen das Sportgroßereignis in der Hansestadt aussprach. Hauptgrund für das Hamburger Nein waren Analysen zufolge die Kosten, fehlende Finanzzusagen des Bundes und das Geschäftsgebaren des IOC.
NOlympia widerspricht Tschentscher: IOC hat sich nicht geändert
Nach Ansicht von Bürgermeister Tschentscher hat sich das IOC mittlerweile geändert, verlange etwa nicht mehr, dass sich die Ausrichterstädte mit millionenschweren Neubauten an die Spiele anpassen müssen. Ein Eindruck, dem das NOlympia-Bündnis widerspricht: Das IOC "bleibt ein Schweizer Verein, dessen Führungskräfte sich selbst ernennen, als Freiwillige definieren und dafür bis zu 1,6 Millionen Euro im Jahr kassieren". Das IOC schließe nach wie vor jede Verantwortung für sein Profisportevent aus, bestimme aber gleichzeitig alleine, wie es auszusehen habe.
Auch die Umweltorganisation BUND erneuerte vor dem Hamburger Rathaus ihr Nein zu Olympischen Spielen. "Hamburgs Zukunft liegt nicht in Olympischen Spielen, sondern in nachhaltigen Investitionen, die Klima, Mobilität und Lebensqualität sichern", betonte Hamburgs BUND-Vorsitzende Sabine Sommer. Gleichzeitig forderte die BUND-Projektgruppe "Nein zu Olympia" Senat und Bürgerschaft auf, noch vor dem Referendum eine transparente Wirtschaftlichkeitsprüfung vorzulegen. "Ohne belastbare Kosten-Nutzen-Analyse wäre eine Bewerbung haushaltsrechtlich ziemlich fragwürdig."
Umweltverband: Olympia kaum mit Zukunftsentscheid vereinbar
Der Umweltverband BIG Fluglärm forderte unterdessen eine transparente, unabhängige und wissenschaftlich fundierte Bewertung der Klima- und Fluglärmauswirkungen Olympischer Spiele. Bei den Spielen in Paris 2024 etwa hätten sich die Gesamtemissionen auf rund 2,1 Millionen Tonnen CO2 summiert. Alleine 1,1 Millionen Tonnen seien dabei auf die An- und Abreise der rund drei Millionen internationalen Besucher entfallen.
"Vor diesem Hintergrund ist zwingend zu prüfen, ob eine Olympia-Bewerbung überhaupt mit dem Hamburger Zukunftsentscheid und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 vereinbar ist", sagte der Verbandsvorsitzende Martin Mosel. Angesichts der bekannten Fakten zu den zusätzlichen Emissionen und Lärmbelastungen spreche vieles dafür, "dass Olympia in Hamburg an dieser Klimaverträglichkeitsprüfung scheitern würde".