Hamburg & Schleswig-HolsteinEin Jahr vermisst – Polizei sucht weiter nach Frau aus Noer

Seit März 2025 fehlt jede Spur von einer Frau aus Noer. Was ist mit der 43-Jährigen passiert, liegt ihrem Verschwinden ein Gewaltverbrechen zugrunde?
Noer (dpa/lno) - Ist eine Frau aus Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) einfach so verschwunden oder wurde sie Opfer eines Gewaltverbrechens? Gesichert wurde die damals 43 Jahre alte Frau zuletzt am 21. März 2025 gesehen. "Wir gehen nach wie vor von einer Straftat aus", sagte Polizeisprecherin Stephanie Lage der Deutschen Presse-Agentur. "Aber wir ermitteln eben nach wie vor auch in einem Vermisstenfall." Weil bislang keine Leiche gefunden worden sei, werde in alle Richtungen ermittelt.
Ihr Mann hatte die Frau vor knapp einem Jahr als vermisst gemeldet. Während der Vernehmung erhärtete sich der Verdacht, dass eine Straftat im Zusammenhang mit ihrem Verschwinden stehen könnte. Der Mann geriet anschließend selbst in Verdacht.
"Die Ermittlungen auch gegen den Mann laufen nach wie vor", sagte Lage. Er war im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl, dem gab ein Haftrichter aber nicht statt. Der Mann ist auf freiem Fuß.
Dass sich die Frau aus Noer vor rund einem Jahr freiwillig abgesetzt hat, schließen die Ermittlerinnen und Ermittler eigentlich aus. Dafür habe es gar keine Anhaltspunkte oder entsprechende Hinweise gegeben, sagte Lage. "Wir halten das für sehr unwahrscheinlich, weil die Gesamtumstände nicht dafür sprechen."
Mehrere Suchaktionen
Der Fall beschäftigt die Menschen weiterhin. "Nach wie vor trudeln vereinzelt noch Hinweise bei uns ein", sagte die Polizeisprecherin. Ermittlerinnen und Ermittler werten diese und bereits in den vergangenen Monaten eingegangene Hinweise weiter aus. "Manche sind eben auch umfangreicher und bedürfen einfach mehr Arbeit, mehr Ermittlungen. Aber grundsätzlich wird an diesem Fall noch gearbeitet", sagte Lage.
Nach dem Verschwinden der Frau hatten mehrfach Einsatzkräfte mit Großaufgeboten nach der Frau gesucht, unter anderem im Felder Holz sowie am und im Westensee. Unter anderem suchten gut 100 Einsatzkräfte im Mai 2025 am Westensee nach der Frau. Daneben gab es aber auch kleinere Maßnahmen, die nicht so im öffentlichen Fokus standen.
Zweimal wandten sich die Behörden im Fernsehen an die Öffentlichkeit. Der Fall war Thema der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... Ungelöst" und auch im "Schleswig-Holstein Magazin" des NDR. Im Zuge der Ermittlungen suchte die Polizei auch Zeugen, die einen dunklen Transporter gesehen haben. Zeugenaussagen zu dem Transporter führten schließlich zu Suchaktionen.
Kein Cold Case
"Fälle werden erst zu Cold Cases, wenn es keine Ermittlungsansätze mehr gibt", sagte Lage. Das sei dann der Fall, wenn Ermittlerinnen und Ermittler alle vorhandenen Spuren ausgewertet hätten, keinen weiteren Hinweisen nachgehen könnten oder auf der Stelle treten würden. Das sei nicht der Fall.
Die Polizei bittet weiter um Zeugenhinweise. "Es mag ja auch sein, dass wir Personen vielleicht noch nicht erreicht haben", sagte Lage. Das müssten nicht unbedingt Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld sein. Möglicherweise gebe es in anderen Bundesländern oder Staaten Menschen, die die Familie kannten und etwas sagen könnten, das sie bislang gar nicht für so wichtig erachtet haben. "Vielleicht gibt es auch Menschen, die bislang nichts sagen wollten und jetzt doch noch mal irgendwie nach einem Jahr für sich die Möglichkeit sehen."