Hamburg & Schleswig-HolsteinLandtag will Umbau bestehender Häuser erleichtern

Weniger Neubau, mehr Umbau: Der Landtag debattiert, wie zusätzliche Wohnungen entstehen können. Warum dabei auch der Ausbau bestehender Häuser im Fokus steht.
Kiel (dpa/lno) - Viele Menschen tun sich schwer, eine geeignete und für sie bezahlbare Wohnung im Norden zu finden. Auch in Schleswig-Holstein ist Wohnraum knapp. Mit einer Reform der Landesbauordnung will der Landtag bereits bestehende Gebäude besser nutzen. Das Parlament debattierte in erster Lesung über einen Gesetzentwurf von Schwarz-Grün und einen Antrag der SPD.
"Die Umnutzung, der Um- und Ausbau im Bestand wie beispielsweise durch Aufstockungen oder Dachgeschossausbau, ist oft schneller, kostengünstiger und ressourcenschonender als ein Neubau", sagte Innenministerin Magdalena Finke (CDU). "Wir sehen große Ausbaureserven im Bestand, die noch nicht genutzt sind." Zudem werde weniger Fläche verbraucht. Solche Projekte wolle die Koalition leichter und schneller möglich machen.
Erleichterungen planen CDU und Grüne auch für das Militär. Für Bauten der Bundeswehr sieht der Gesetzentwurf Genehmigungsfreiheit vors. "Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Landesverteidigung", sagte Finke. Wegen der Innenministerkonferenz konnte die CDU-Politikerin nicht selbst im Landtag zu dem Thema sprechen.
SPD-Antrag
Zur Debatte stand auch ein Antrag der Sozialdemokraten, vorhandene Wohnflächen besser zu nutzen und dadurch zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Der SPD-Abgeordnete Thomas Hölck verwies auf steigende Mieten und Lebenshaltungskosten. "Das ist das drängendste soziale Thema und das Problem unserer Zeit."
Hinter den Fassaden bestehender Häuser gebe es schlummernde Potenziale, sagte Hölck. Es solle aber niemandem vorgeschrieben werden, wie er zu leben habe. "Wir sprechen nicht von Zwängen, sondern von Chancen und Freiwilligkeit."
Reaktionen zu den Plänen
"Der SPD-Vorschlag zur Untervermietung ist praxisfern und untauglich", sagte der Vorstandsvorsitzende des Grundeigentümerverbands Haus & Grund Schleswig-Holstein, Alexander Blažek. Die im bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Untervermietung sei Bundesrecht. "Das heißt, der Landtag ist gar nicht zuständig. Die Erlaubnis zur Untervermietung ist in der Praxis kein Problem. Dadurch entstünde nicht eine neue Wohnung."
Der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, forderte: "Bauen muss einfacher, schneller und wirtschaftlicher werden, denn wir brauchen dringend mehr bezahlbaren Wohnraum - insofern begrüßen wir die Pläne der CDU in Schleswig-Holstein." Wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) halte er Wohnen für die große soziale Frage dieser Zeit.
"Die Probleme liegen auf der Hand: zu lange und komplizierte Verfahren, immer neue Auflagen und steigende Bau- und Finanzierungskosten", sagte Breitner. Eine konsequente und verlässliche Weiterführung der sozialen Wohnraumförderung sei dringend notwendig. Für Breitner benennt der SPD-Antrag ein wichtiges Thema, weil sich Bedürfnisse im Laufe des Lebens änderten und damit auch die Ansprüche an die eigene Wohnung.
Einbruch im Jahr 2025
Im Norden waren 2025 deutlich weniger Wohnungen gebaut worden als 2024. Nach Angaben des Statistikamtes entsprachen 8.942 fertiggestellte Wohnungen einem Minus von 19 Prozent. Bei der neu geschaffenen Wohnfläche ergab sich ein Rückgang um 17,4 Prozent. 7.895 Wohnungen entstanden in Neubauten, 1.047 Wohnungen kamen durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden hinzu.
Die meisten Wohnungen entstanden in den Kreisen Nordfriesland, Segeberg und Ostholstein. Bei den Baugenehmigungen gab es 2025 eine Steigerung um 10,6 Prozent auf 10.624 Wohnungen. Ende 2025 gab es den Angaben zufolge knapp 12.000 Wohnungen, mit deren Bau bereits begonnen worden war, die aber noch nicht fertiggestellt waren. Der Neubau von knapp 14.000 Wohnungen war genehmigt, aber nicht begonnen.
Seit 2023 standen in Schleswig-Holstein jeweils 400 Millionen Euro für sozialen Wohnraum bereit. Auch in diesem und dem kommenden Jahr stehe diese Summe aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung, sagte Finke. "Damit fördern wir jährlich etwa 2.000 neue Wohneinheiten und stärken gleichzeitig mittelbar den frei finanzierten Wohnungsbau." Unter den aktuellen Rahmenbedingungen seien frei finanzierte Projekte erst durch die parallele Förderung realisierbar.