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Hamburg & Schleswig-Holstein Naturschützer kritisieren hohen Flächenverbrauch im Norden

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In Schleswig-Holstein wurden 2018 pro Tag 3,1 Hektar Fläche durch neue Gewerbegebiete, Häuser oder Straßen verbraucht. Das Land habe mit den höchsten Flächenverbrauch, kritisieren Umweltschützer. Die Einwände seien nachvollziehbar, findet der Umweltminister.

Kiel (dpa/lno) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat von der Landesregierung strenge Vorgaben für den Flächenverbrauch gefordert. Schleswig-Holstein zähle in diesem Punkt zu den Schlusslichtern unter den Bundesländern, sagte Landesgeschäftsführer Ole Eggers am Donnerstag. Laut Statistikamt Nord habe der tägliche Flächenverbrauch 2018 bei 3,1 Hektar gelegen. Um die Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung einzuhalten, sei im Norden jedoch bis 2030 eine Senkung des Flächenverbrauchs auf 1,3 Hektar nötig. Das seien "bummelig zwei Fußballfelder".

Laut Verband ist der Flächenverbrauch vor allem in ländlichen, häufig stagnierenden oder schrumpfenden Regionen des Landes besonders hoch. Eggers kritisierte, dass der Landesentwicklungsplan der Nachhaltigkeitsstrategie nicht genügend Rechnung trage. Diese sehe bis 2050 vor, unterm Strich überhaupt keine zusätzlichen Flächen mehr durch Gewerbegebiete, Wohngegenden oder Straßen zu verbrauchen.

Der Verband verwies auf die ökologischen Schäden des Flächenverbrauchs. "Durch die Siedlung auf der grünen Wiese werden Biotope zerschnitten", sagte BUND-Projektleiter Merlin Michaelis.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte der Deutschen Presse-Agentur, "die Einwände sind nachvollziehbar". Es sei ihm ein dringendes Anliegen, die Nachhaltigkeitsziele beim Flächenverbrauch einzuhalten. "Um dies voranzubringen, erarbeiten wir derzeit das Landesbodenschutzprogramm, das unter anderem einen reduzierten Flächenverbrauch forciert."

Die Naturschützer schlagen vor, sich bei der Senkung des Flächenverbrauchs auch Zwischenziele zu geben, konkret eine Reduzierung bis 2024 auf 2,4 und bis 2027 auf 1,8 Hektar pro Tag in Schleswig-Holstein. Die Verantwortung für den "aus dem Ruder gelaufenen Flächenverbrauch" dürften nicht weiter zumeist ehrenamtlich in den Bauausschüssen der Kommunen aktive Kommunalvertreter tragen. Eggers schlug einen Zertifikatehandel vor. Verzichtet eine Gemeinde zugunsten einer anderen auf den ihr zustehenden Flächenzuwachs, könnte sie einen Ausgleich erhalten.

Zuständig für die Landesplanung ist im Norden das Innenministerium. "Wir wollen den Flächenverbrauch in Schleswig-Holstein nachhaltig senken", sagte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Das Land wolle die Kommunen im Land beraten und unterstützen. Konkrete Ziele seien eine Reduzierung des Wachstums der Siedlungs- und Verkehrsflächen im Land und die Erhöhung des Umfangs des Flächenrecyclings.

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