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Hamburg & Schleswig-HolsteinNeue Ausstellung zeigt NS-Kulturpolitik in Hamburg

03.02.2026, 15:38 Uhr
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Hamburgs Kultursenator warnt vor politischer Einflussnahme auf die Kunst. Die Ausstellung "Kultur unter Kontrolle" beleuchtet, wie Kultur im Nationalsozialismus gesteuert wurde.

Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda hat vor einer Einflussnahme von Staat, Parteien oder Institutionen auf die Kunstfreiheit gewarnt. Richtig schwierig werde es, wenn politische Kräften in ihre Programme schrieben, sie wollten künstlerische und kulturelle Produktionen zur Stärkung des regionalen Identitäts- und Heimatgefühls haben, sagte der SPD-Politiker. "Sätze, die Sie bei bestimmten Parteien regelmäßig im Parteiprogramm finden, wo sie dann eine Idee bekommen, was dann noch gefördert wird und was nicht."

Neue Ausstellung "Kultur unter Kontrolle"

Mit diesem Thema befasst sich auch eine neue Ausstellung mit dem Titel "Kultur unter Kontrolle: Hamburger Kultureinrichtungen und die Kulturverwaltung im Nationalsozialismus", die von Samstag an bis zum 10. März in der Diele des Hamburger Rathauses zu sehen ist. Die offizielle Eröffnung findet nach Angaben der Kulturbehörde am Freitagabend im Festsaal des Rathauses statt. "Die Planung ist, dass die Ausstellung dann auch auf Wanderschaft geht und an weiteren Orten zu sehen sein wird", sagte Brosda.

Basis der Ausstellung ist eine mehr als zweijährige Forschungsarbeit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen zur Rolle der Hamburger Kulturpolitik während der NS-Zeit. Die Studie zeige, wie Museen, Theater, Bücherhallen oder die Hochschule für Bildende Künste zwischen 1933 und 1945 wirkten, außerdem werden Biografien verfolgter Künstlerinnen und Künstler vorgestellt. Großen Raum nimmt auch die von den Nationalsozialisten 1933 gegründete Kulturverwaltung selbst ein.

Vor der NS-Zeit gab es in Hamburg keine Kulturbehörde

"Bis zum Zeitpunkt des NS-Staats gab es keine Kulturbehörde in Hamburg", sagte Brosda. Schwerpunkt der neuen Kulturbehörde war damals die Förderung einer germanischen Vorgeschichte an Museen und Universitäten, um die "Überlegenheit der arischen Rasse" zu belegen, wie Kuratorin Gisela Ewe sagte. Ein anderer Schwerpunkt, in dem sich Norddeutschland und vor allem Hamburg von anderen Orten unterschieden habe, sei die Förderung der niederdeutschen Kultur gewesen.

"Der Kunst- und Kulturbetrieb gehörte zu den ersten Wirtschaftszweigen, die nach dem Beamtentum, der Ärzteschaft und dem Rechtsbereich reguliert und judenfrei gemacht wurden", sagte Stiftungsvorstand Oliver von Wrochem. Die Gleichschaltung und Arisierung von Kulturbetrieben sei in Hamburg zügig vorangegangen. "Wie in anderen faschistischen orientierten Ländern, ging es den Nationalisten darum, über die Gleichschaltung von Kunst und Kultur eine kulturelle Hegemonie zu erlangen, die es ihnen ermöglichte oder ermöglichen sollte, die Herzen und Köpfe der Bevölkerung zu formen."

Heute wieder Strömungen hin zu einem völkischen Kulturbegriff

Heute gebe es wieder einen Vormarsch von Strömungen, die einen nationalistischen und völkischen Kulturbegriff etablieren wollten. "Das macht mir Sorgen", sagte von Wrochem. Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien griffen die freie Kultur und die Meinungsäußerung an und nähmen - einmal an der Macht - staatliche Eingriffe vor, die eine Gegenöffentlichkeit fast unmöglich mache. Das lasse sich etwa in Ungarn oder in den USA beobachten. "Aber auch in Deutschland machen rechtspopulistische und rechtsextreme Akteure keinen Hehl daraus, dass sie das Instrument der Kulturförderung nutzen möchten, die kulturelle Vielfalt abzuschaffen", sagte von Wrochem.

Quelle: dpa

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