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Hamburg & Schleswig-Holstein Tarifabschluss im Gastgewerbe: Mehr Geld für Beschäftigte

Passanten gehen an dem leergefegten Außenbereich eines Cafes an den Alsterarkaden vorbei.

(Foto: Marcus Brandt/dpa/Archivbild)

Fachkräftemangel ist überall ein großes Thema, aber besonders in der Gastronomie: Weil viele Beschäftigte der Branche in der Pandemie den Rücken kehrten, ist die Personallage vielerorts schwierig. Helfen können aus Sicht der Branche nun deutlich höhere Löhne.

Hamburg (dpa/lno) - Das Gastgewerbe ist ein großer Corona-Verlierer. Neben dem Kundenschwund während der Lockdowns mussten Hotels, Restaurants und Cafés verkraften, dass viele Beschäftigte einen beruflichen Neustart in anderen Branchen gesucht haben. Mit massiven Lohnerhöhungen will die Hamburger Gastronomie jetzt gegensteuern: Im April und im Oktober sollen die Einkommen der Beschäftigen jeweils um bis zu 11 Prozent steigen, im Juni 2023 um weitere 8 Prozent, wie die Gewerkschaft NGG und der Branchenverband Dehoga am Mittwoch nach einer Tarifeinigung für das Hotel- und Gaststättengewerbe in der Hansestadt berichteten.

"Mit dem Lohn-Plus haben die Beschäftigten nach Lockdowns und Kurzarbeit nun endlich wieder eine Perspektive", sagte NGG-Regionalchefin Silke Kettner. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es gelungen, zusammen mit den Arbeitgebern einen Tarifvertrag zu vereinbaren, der die Hotel- und Gastrobranche deutlich attraktiver mache. "Die Lohnerhöhungen sind vor allem auch ein entscheidender Beitrag gegen den wachsenden Fachkräftemangel in der Branche. Damit wird es künftig leichter, dringend gebrauchtes Personal zu halten und neue Mitarbeiter zu finden."

Der Tarifausschussvorsitzende des Dehoga, Christoph Lueg, kündigte an, die Tariferhöhungen "werden nur über eine Preisanpassungen in den Betrieben möglich sein und am Ende von den Gästen bezahlt werden müssen". Nur so sei auf Dauer eine gute qualitative Gastronomie und Hotellerie möglich. Vor dem Tarifabschluss hatte eine Umfrage laut Dehoga allerdings auch ergeben, "dass der im Frühjahr 2020 abgelaufene Entgelttarifvertrag oft nicht das widerspiegelt, was tatsächlich von den Arbeitgebern gezahlt wird", heißt es in einer Dehoga-Mitteilung. "Viele Arbeitgeber zahlen bereits deutlich übertariflich."

Konkret steigt der tarifliche Mindestlohn für Branchenneulinge in der untersten Entgeltgruppe ab April auf 11,07 Euro, ab Oktober auf 12,34 Euro und ab Juni 2023 auf 13,35 Euro je Stunde. Entsprechend steigen auch die Entgelte für Fachkräfte, und zwar nach NGG-Angaben von April an monatlich um 190 Euro, von Oktober an noch einmal um 220 Euro sowie von Juni 2023 an um weitere 175 Euro - bei einer Laufzeit bis Ende des kommenden Jahres. Je nach Ausbildungsjahr steigen zudem die Ausbildungsvergütungen im April dieses Jahres um 18 bis 24 Prozent.

Die Branche beschäftigt derzeit knapp 46.000 Menschen, berichtete die NGG unter Berufung auf Daten der Arbeitsagentur. Während der Pandemie hatten fast 10.000 Beschäftigte wegen unsicherer Perspektiven und Lohneinbußen in der Kurzarbeit das Hamburger Gastgewerbe verlassen. "Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in der Hansestadt so stark getroffen wie kaum eine andere Branche", sagte die Gewerkschafterin. Mit dem starken Lohnplus könne es gelingen, viele der abgewanderten Beschäftigten wieder zurückzuholen. Wie viele der Firmen im Gastgewerbe nach Tarif zahlen, ist nicht bekannt, weil der Tarifvertrag laut Dehoga nicht allgemeinverbindlich ist. Generell gilt: Je größer ein Betrieb im Gastgewerbe ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er tarifgebunden ist.

Quelle: dpa

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