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HessenCannabis-Checks in Clubs: Landesweit einmaliges Projekt

09.02.2026, 04:03 Uhr
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Ein Pilotprojekt im Wiesbadener Nachtleben prüft Cannabis auf Risiken. Bei einer Zwischenbilanz spielen bestimmte Pilze eine Rolle.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Ein hessenweit einmaliges Pilotprojekt für Cannabis-Tests in Wiesbadener Clubs hat den Blick auf eine spezielle Gefahr für die Gesundheit gerichtet. Zwar hätten sich bei der Analyse von Inhaltsstoffen dieser Droge "glücklicherweise keine Hinweise auf Verunreinigungen durch synthetische Cannabinoide" ergeben, teilte die Landeshauptstadt der Deutschen Presse-Agentur mit. Gerade bei selbst angebautem Cannabis sei jedoch eine teils zu hohe Feuchtigkeit gemessen worden, "was eine Gefährdung durch Schimmelsporen nach sich ziehen kann".

Beim sogenannten Drug Checking geht es laut der Stadt Wiesbaden um die niedrigschwellige und frühe Erkennung gesundheitsgefährdender Substanzen. Studien zeigten, dass dies oft zu risikobewussterem Konsum oder gar Verzicht auf Cannabis führe. Auch sollten so Kontakte zur Suchthilfe hergestellt werden.

Pilotprojekt mit zehn Veranstaltungen

Die Pilotphase soll zehn Veranstaltungen in Wiesbadener Clubs mit anonymen Besprechungen der Testergebnisse umfassen – stets unangekündigt, um ein unverfälschtes Bild des Konsumverhaltens für eine begleitende Bewertung mit ebenfalls anonymen Online-Fragebögen zu erhalten. "Bei bisher sieben begleiteten Veranstaltungen wurden insgesamt 42 Cannabisproben abgegeben", hieß es weiter.

Wenig Lust auf Fragebögen, viel Interesse an Suchthilfe

Nur insgesamt elf Clubbesucher hätten die Fragebögen ausgefüllt – jeweils mit einer positiven Bewertung des Drug Checking. Ferner teilte die Kommune mit: Hinsichtlich teils ersten Kontakten zur Wiesbadener Suchthilfe "können wir sehr zufrieden sein. Es waren nach unserer Zählung mehr als 300 Interessierte zu Gesprächen am Informationsstand und es wurden circa 600 Substanz-Flyer sowie circa 1.000 Safer Use- und Safer Party-Materialien ausgegeben."

Und was ist mit anderen Drogen? Nach früheren Angaben der Stadt Wiesbaden könnten die Testungen "umgehend auch auf im Nachtleben weit verbreitete psychoaktive Substanzen ausgeweitet werden, sobald das Land Hessen die von kommunaler Seite und Fachwelt schon lang eingeforderte Verordnung erlassen hat". Dazu sei es weiterhin nicht gekommen, teilte die Landeshauptstadt nun mit. Die Bundesregierung hatte bereits vor längerer Zeit den Weg für Modellprojekte auf diesem Gebiet freigemacht.

Restrisiko

Der Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, René-Maxime Gracien, erklärte beim Start des Pilotprojekts im Herbst 2025: "Drug Checking kann das Risiko beim Konsum psychoaktiver Substanzen wirksam reduzieren, ein Restrisiko besteht aber immer. Empfehlenswert bleibt daher der vollständige Verzicht auf Rauschmittel – einschließlich Alkohol und Cannabis." Die Wirklichkeit sei jedoch auch in Wiesbaden eine andere – daher die Notwendigkeit der Schadensminderung mit Clubtests. Das Gesundheitsamt wirke dabei mit.

Ob das Wiesbadener Pilotprojekt nach insgesamt zehn Veranstaltungen in Clubs fortgesetzt wird, ist nach Angaben der Landeshauptstadt noch nicht entschieden. Cannabis war im April 2024 in Deutschland teilweise legalisiert worden.

Quelle: dpa

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