HessenFreund der Frau mit 77 Stichen getötet - Ehemann vor Gericht

Eine elektronische Fußfessel soll eine Frau vor ihrem gewalttätigen Mann schützen. Als sie ihm abgenommen wird, nimmt er laut Anklage ein Küchenmesser und fährt zu ihrer Wohnung.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ein eifersüchtiger Ehemann soll den neuen Freund seiner Frau mit mindestens 77 Messerstichen getötet haben. Zum Auftakt des Mordprozesses im Frankfurter Landgericht kündigte sein Rechtsanwalt eine Einlassung zu den Vorwürfen an. Diese werde am nächsten Verhandlungstag kommende Woche stattfinden, sagte der Jurist.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-jährigen Bulgaren unter anderem Mord an dem anderen Mann sowie versuchten Mord an seiner Ehefrau vor. Als Mordmerkmale sieht die Anklagebehörde Heimtücke und niedere Beweggründe. Zudem soll er seine Frau in den Monaten zuvor geschlagen, vergewaltigt und mit Drohungen in Todesangst versetzt haben.
Elektronische Fußfessel kurz vor Tat abgenommen
Wegen dieser häuslichen Gewalt wurde unter anderem ein Annäherungsverbot erlassen, an das er sich nicht hielt, wie es hieß. Daraufhin musste der Mann eine elektronische Fußfessel tragen, mit der sein Aufenthaltsort überwacht wurde. Seine Frau besaß einen Tracker, der sie warnte, sobald er sich näherte. Ende Juni 2025 wurde ihm die Fußfessel abgenommen. Nur wenige Tage später, am 2. Juli, geschah der mutmaßliche Mord.
Am Mittag dieses Tages hatte sich seine Frau mit ihrem neuen Freund in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Frankfurter Stadtteil Bonames getroffen. Ihr Ehemann soll an der Wohnungstür gelauscht haben. Er soll ein Küchenmesser mit einer 12,5 Zentimeter langen Klinge bei sich getragen haben, das er zuvor der Anklage zufolge aus seiner Wohnung in Friedberg (Wetteraukreis) mitgenommen hatte, um die beiden zu töten.
Frau wehrt Stiche ab
Als seine Frau am Nachmittag aus der Wohnung trat, um ihren kleinen Sohn aus der Kita abzuholen, soll er zunächst sie angegriffen und mehrfach in Richtung Bauch und Oberkörper gestochen haben. Sie habe die Stiche mit ihren Händen und Armen abwehren sowie aus der Wohnung flüchten können, als ihr Freund sich eingemischt habe und der Angeklagte auf diesen losgegangen sei, heißt es in der Anklage.
Mindestens 77 Mal soll er auf den Mann eingestochen haben, unter anderem in das Gesicht und in den Bauch. Dabei soll er dem Mann auch mit einem acht Zentimeter langen Schnitt die Kehle durchtrennt haben. Er habe erst von dem 46-Jährigen abgelassen, als dieser sich nicht mehr bewegt habe. Dann habe er den Notruf gewählt und gesagt, er habe einen Mann getötet. Kurz darauf ließ er sich widerstandslos festnehmen.
Nach der bisherigen Planung soll der Schwurgerichtsprozess bis Anfang August dauern.