HessenFrischlinge im Wohnzimmer – Familie zieht Wildtiere groß

Im Wohnzimmer der Familie Kalden wachsen fünf Frischlinge mit Fläschchen und tierischer Unterstützung auf. Warum das Paar aus dem nordhessischen Wanfried verletzten Wildtieren eine zweite Chance gibt.
Wanfried (dpa/lhe) - Fünf Frischlinge grunzen und quieken im Wohnzimmer von Ernst-Wilhelm und Friederike Kalden fröhlich vor sich hin. Der Tierarzt aus Wanfried (Werra-Meißner-Kreis) und seine Frau ziehen gemeinsam schon seit Jahren verletzte und verwaiste Wildtiere auf. Derzeit kümmert sich das Paar um gut 50 Tiere, darunter Schwäne, Rehe, Schafe, Hirsche - und die kleinen Wildschweine.
Ein Jäger fand die Jungtiere Anfang Dezember verwaist im Wald und brachte sie zu den Kaldens. Das Paar zieht die Frischlinge seither in seinem Wohnzimmer mit der Flasche auf. "Mit den jungen Tieren hier im Haus zu wohnen, ist eigentlich eine sehr erfüllende Sache", sagt Tierarzt Kalden. Im Stall könne man nicht so genau kontrollieren, ob sie sich wohlfühlten und was zu machen sei. "So leben sie mit uns zusammen, haben keine Angst vor Menschen, und dadurch hat die ganze Familie auch eine Menge Spaß mit ihnen."
Hunde spielen Ersatzmama
Die Kaldens bekommen bei der Erziehung der Frischlinge tierische Unterstützung: Die Hunde der Familie helfen eifrig, die kleinen Wildschweine aufzuziehen. Bei jedem neuen Jungtier gebe es unter ihnen einen großen Konkurrenzkampf darum, wer die beste Mama sein dürfe, sagt Kalden.
Auf Instagram hat die Wildtier-Familie des Paares inzwischen große Beliebtheit erlangt. Unter dem Account "wild.and.wonderful.wanfried" posten die beiden regelmäßig Videos von ihren Schützlingen. Dazu zählen auch Walliser Schwarznasenschafe und ein Storch namens Schmidti. Er kam mit gebrochenen Beinen und gebrochenem Schnabel zu der Familie. Der Schnabel wurde inzwischen mit einer eigens angefertigten Strochenzahnspange gerichtet.
Tieren zweite Chance geben
"Jedes Wildtier hat einen anderen Charakter als das nächste", berichtet Ernst-Wilhelm Kalden. Ein Kitz sei nicht wie das andere. "Da sind Welten dazwischen, das kann man bei jeder Tierart sagen." Storch Schmidti etwa sei wegen seiner Verletzungen intensiv umgarnt worden und sei nun sehr umgänglich und zahm. "Andere Störche, die wir kriegen, die halten immer Abstand und wollen eigentlich mit uns nur als Futterquelle zu tun haben und sonst nichts."
Die meisten der Tiere werden wieder ausgewildert, die anderen leben auf dem zwei Hektar großen Grundstück der Kaldens. Tiere gesundzupflegen und auszuwildern, das sei das Größte, was einem passieren könne, schwärmt der Tierarzt. "Dann hast du deine Aufgabe wirklich erfüllt, ihnen eine zweite Lebenschance zu geben."