HessenGSI nach Feuer: Reparaturen sollen Forschung rasch sichern

Nach dem Großbrand am Darmstädter Helmholtzzentrum werden Sofortmaßnahmen beschlossen. Wie der Forschungsbetrieb und das Großprojekt "Fair" schnell wieder anlaufen sollen.
Darmstadt (dpa/lhe) - Nach dem Brand auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt soll der Forschungsbetrieb schnell wieder hergestellt werden. Der GSI-Aufsichtsrat habe entsprechende Sofortmaßnahmen in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, teilte das Forschungszentrum mit.
Die Forscherinnen und Forscher im GSI beschäftigen sich mit der Entwicklung des Universums und dem Aufbau der Materie. Das Forschungszentrum ist für seine Beschleunigeranlage für Ionen bekannt.
Brand verzögert milliardenschweres Projekt
Im Mittelpunkt der sofortigen Maßnahmen stehen demnach unmittelbar erforderliche Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen, alternative Lösungen für die Wiederherstellung des Forschungsbetriebes sowie die Inbetriebnahme des neuen Teilchenbeschleunigers "Fair" - eine Abkürzung für "Facility for Antiproton and Ion Research" ("Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen"). Zudem liege der Fokus auf Überbrückungsmöglichkeiten für Forschende, die kurzfristig auf Experimentierbetrieb am Beschleuniger angewiesen seien, erklärte das GSI-Forschungszentrum.
"Fair" soll helfen, Fragen etwa der Raumfahrt und der Medizin zu erforschen. Es handelt sich um ein milliardenschweres internationales Kooperationsprojekt. Vor dem Brand sollten Ende 2027 mit ersten Experimenten und Ende 2028 auch mit dem neuen 1,1 Kilometer langen Beschleunigerring geforscht werden.
Task-Force zur Unterstützung eingerichtet
Bei der Umsetzung der Sofortmaßnahmen soll laut Mitteilung eine gemeinsame Task-Force unter Beteiligung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie der Geschäftsführung unterstützen. Gesellschafter des als GmbH organisierten GSI sind der Bund zu 90 Prozent, das Bundesland Hessen zu acht Prozent sowie das Bundesland Rheinland-Pfalz und der Freistaat Thüringen zu je einem Prozent.
Das Feuer auf dem Gelände des GSI war am Morgen des 5. Februar ausgebrochen. Es sei dank des professionellen Feuerwehreinsatzes und der funktionierenden Brandschutzsysteme auf das Gebäude des sogenannten Linearbeschleunigers Unilac beschränkt geblieben, erklärte das Forschungszentrum. Daher seien viele Bereiche auf dem GSI-Campus nicht von dem Brand und seinen Folgen betroffen.
Ermittlungen zur konkreten Ursache verzögern sich
Ausgelöst wurde der Brand nach Angaben des Forschungszentrums vermutlich durch einen Kurzschluss. "Der Teilchenbeschleuniger war zu dem Zeitpunkt nicht in Betrieb gewesen, es liefen technische Vorbereitungen für eine anstehende vierwöchige Beschleunigerbetriebsphase ohne wissenschaftliche Experimente", erläuterte das GSI. Derartige Betriebsphasen seien ein regelmäßiger Vorgang, um den Beschleuniger für den eigentlichen Wissenschaftsbetrieb zu optimieren.
Die weitere Beschleunigeranlage nach dem Unilac, der am Anfang der Beschleunigerstruktur von GSI liegt, sei von dem Brandereignis zwar nicht betroffen, erklärte das Forschungszentrum. Doch ohne die elektrische Hochspannungsversorgung von Unilac lasse sich die weitere Beschleunigeranlage und infolgedessen die damit verbundene Forschung nicht betreiben.
Die Ermittlungen zur konkreten Ursache des Feuers und zur Schadenhöhe können nach Angaben der Polizei voraussichtlich erst Anfang März aufgenommen werden. Bevor die Ermittler den Brandort begehen können, müsse sichergestellt werden, dass es dabei für sie keine Gefahren gebe.