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Hessen Hessen hat keine Luchspopulation mehr: Einzelne Sichtungen

Ein Luchs schaut in die Ferne. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Vor zehn Jahren wurden der Luchs wieder in Hessen sesshaft. Doch dann ging es mit der Population abwärts. Moment gibt es keinen Beweis, dass ein Tier noch dauerhaft hier lebt.

Kassel/Göttingen (dpa/lhe) - Hessens einzige ehemals feste Luchspopulation ist offenbar Vergangenheit. "Die Luchse sind komplett aus Nordhessen verschwunden", sagte Markus Port vom Luchsprojekt der Universität Göttingen der Deutschen Presse-Agentur. Im Dezember 2019 sei das letzte Mal ein standorttreues Tier im ehemaligen Kerngebiet der hessischen Population südöstlich von Kassel nachgewiesen worden. Auch die Sichtung eines Tieres im Werra-Meißner-Kreis Anfang Dezember ändere nichts an der grundsätzlichen Situation.

2010 hatte sich eine kleine Population aus dem Harz in dem Gebiet bei Kassel niedergelassen. Bis zu sechs Raubkatzen wurden dort gesichtet. Laut dem Luchsprojekt war es deutschlandweit das erste Luchsvorkommen, das ohne direkte Einwirkung des Menschen und nicht in unmittelbarer Nähe eines Wiederansiedlungsgebietes entstand. Doch die Tiere verschwanden nach und nach, einige starben an Krankheiten. Auch das Fehlen von Weibchen galt als Problem.

Hoffnung machten den Forschern Sichtungen in anderen Teilen Nordhessens: So wurde vor einem Jahr im Reinhardswald in Hessens Nordspitze eine Luchsmutter mit mindestens drei Jungen gesehen. "Das wäre die erste Luchsreproduktion in Hessen seit Jahren gewesen", sagte Port. Doch durch die Auswertung von Fotofallen gehen die Forschern davon aus, dass die Tiere in Niedersachsen zur Welt kamen und die Luchsfamilie Niedrigwasser in der Weser für eine Streifzug nach Nordhessen nutzte.

Ohne Tiere wird auch die Untersuchung des Göttinger Luchsprojektes in Hessen enden. "Wenn es keinen Luchs gibt, dann machen wir auch nicht weiter", erklärte Port. Im ehemaligen Kerngebiet südöstlich von Kassel gibt es aktuell keine Fotofallen mehr. Im Reinhardswald wolle man bis zum Frühjahr warten und dann die Beobachtungen einstellen.

"Die Entwicklung in Hessen ist traurig, aber ein Präzedenzfall, wie schnell es mit Splitterpopulationen vorbei sein kann", erklärte der Luchsforscher. In Deutschland gebe es drei voneinander isolierte Luchsvorkommen: Im Harz sowie in Pfälzer Wald und Bayerischer Wald. Auch dazwischen könnten die Tiere theoretisch leben.

Forscher sprechen von "Trittsteinhabitaten". Das sind inselartige Lebensräume zwischen den großen Populationen. Ein Problem sind oft die Weibchen, die dort fehlen. Sie wandern nicht soweit wie die Männchen. Daher sei es durchaus eine Diskussion wert, ob man weibliche Tiere in Trittsteinhabitaten wie Nordhessen umsiedeln solle, sagte Port.

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