HessenFrühling lockt aufs Rad – Andrang in Werkstätten steigt

Sonne und mildere Temperaturen machen Lust auf Bewegung im Freien: Zeit, das Fahrrad aus dem Keller zu holen. Wissenswertes zum Saisonauftakt.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Corona-Pandemie hat dem Fahrradfahren enormen Rückenweg verschafft, die Nachfrage nach Rädern stieg sprunghaft an. Der große Hype hat zwar nachgelassen. Doch Radfahren liegt weiter im Trend – und jetzt im Frühling füllen sich die Radwege auch wieder.
Wie beliebt ist Fahrradfahren?
In Deutschland sind immer mehr Fahrräder unterwegs, innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl um mehr als ein Viertel. Vergangenes Jahr gab es nach Angaben der Fahrradwirtschaft 90,6 Millionen Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes bundesweit – und damit mehr als Einwohner und Einwohnerinnen. Mehr als 17 Millionen Fahrräder mit Elektroantrieb sind darunter.
Die Hessen und Hessinnen stehen dem bundesweiten Trend in nichts nach. "Wir sehen eine stetige Zunahme des Radverkehrs", sagt der Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Ansgar Hegerfeld.
Dies werde sich fortsetzen. Bei der Erhebung "Fahrradmonitor Hessen" hätten 47 Prozent der Befragten angegeben, künftig noch mehr Fahrrad fahren zu wollen als bisher. "Kein anderes Verkehrsmittel erreicht solche Zahlen", sagt Hegerfeld.
Welche Fahrräder liegen im Trend?
Die Auswahl an verschiedenen Modellen ist riesig: Sie reicht vom Klapp-, Kompakt- und Faltrad bis zu dreirädrigen Exemplaren. Die deutsche Fahrradwirtschaft nennt als feste Säule Fahrräder mit Elektroantrieb, also vor allem Pedelecs mit Motorunterstützung bis 25 Stundenkilometer. Auch vom sportlichen Trend zu hochwertigen Renn- und Gravelrädern berichtete der Verband kürzlich.
Eine hohe Nachfrage nach Gravelbikes bestätigt Christoph Milligan vom Fahrradladen Pedalwerk im nordhessischen Baunatal. Das sind Rennräder, mit denen man auch im unwegsamen Gelände fahren kann. Auch Pedelecs in den verschiedensten Ausführungen seien weiter nachgefragt.
Die Frankfurter Fahrradwerkstatt am Eschenheimer Tor meldet einen hohen Durchlauf an Lasten-Fahrrädern. "Das ist für viele junge Familien das Hauptverkehrsmittel", sagt Mechanikermeister Martin Ignatz. Reparaturen seien da meist sehr dringend.
Gibt es aktuell noch Werkstattermine?
"Sobald das Wetter umschlägt, denken die Leute wieder ans Fahrradfahren", sagt Christoph Milligan von Pedalwerk in Baunatal. Dann gebe es auch erhöhten Andrang.
Oft gebe es gebe nach den vielen Monaten Stillstand Probleme mit quietschenden Bremsen, platten Reifen oder nicht funktionierender Elektronik. "Wir versuchen, dass die Wartezeit nicht länger als eine Woche ist", sagt Milligan.
Die Fahrradwerkstatt am Eschenheimer Tor meldet eine im Vergleich zum Vorjahr verhaltene Nachfrage nach Terminen. Das könne am noch wechselhaften Wetter liegen, sagt Martin Ignatz. Sobald es warm und sonnig ist, steige die Nachfrage normalerweise sofort an.
Wie ist die Situation für Fahrradfahrer in Hessen?
Der Radwege-Ausbau ist vor allem in den Städten sichtbar, rote Flächen ziehen sich etwa an vielen großen Straßen in Frankfurt entlang. Doch der ADFC sieht weiter massiven Nachholbedarf, besonders auf dem Land. "Unser Ziel ist es, dass alle Menschen in Hessen die freie Wahl des Verkehrsmittels haben sollen", sagt der Landesvorsitzende Hegerfeld.
Die Kommunen bräuchten Unterstützung des Landes. Doch die schwarz-rote Landesregierung habe die Mittel für die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität gekürzt, die dies biete. "Nach anfänglich positiven Signalen muss man inzwischen sagen, das Motto der Landesregierung für den Radverkehr lautet, einen Schritt vor und zwei zurück", kritisiert der ADFC.
Das Wirtschafts- und Verkehrsministerium entgegnet, die eingeplante Investitionssumme für die Sanierung sowie für den Neu-, Um- und Ausbau von Radwegen an Landesstraßen liege 2026 wie in beiden Vorjahren bei 17 Millionen Euro. Die Vorhaben würden regional und räumlich gestreut, der ländliche Raum werde "sehr gut" berücksichtigt.
Worauf sollte man achten, bevor man in die Pedale tritt?
Seit dem Herbst sind vielleicht einige Vorsichtsmaßnahmen in den Hinterkopf gerückt. Als Auffrischung: Funktionierende Bremsen, gute Beleuchtung, eine intakte Kette und Reflektoren gehören zu den wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen, die Radfahrer und Radfahrerinnen treffen können – ebenso wie Abstand halten und vorausschauendes Fahren.
Signale anderer Verkehrsteilnehmer nimmt man am besten wahr, wenn man keine Kopfhörer trägt und auf die Straße schaut, anstatt das Handy zu benutzen. Ein Helm ist zwar für Erwachsene nicht vorgeschrieben, dämpft aber den Aufprall bei Unfällen.
Der ADFC thematisiert zudem zunehmende Aggressionen im Straßenverkehr. Anzeigen versandeten aber meist, da Staatsanwaltschaften und Gerichte überlastet seien. So seien "praktisch rechtsfreie Räume" entstanden.
Wie sieht das Wochenendwetter aus?
Die persönliche Wohlfühltemperatur für Outdoorsport ist individuell unterschiedlich. Während sich die einen auch von Minusgraden oder Regen nicht abhalten lassen, brauchen andere mildere Temperaturen, um in die Pedale zu treten.
Das Wochenende bietet in Hessen immerhin bis 15 Grad, heißt es in der Vorhersage des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Mit der richtigen Kleidung kann dies eine gute Ausgangslage sein für eine Tour. Der Sonntag bietet mehr Sonne als der Samstag, an beiden Tagen bleibt es trocken.