HessenImmer neue Verzögerungen: Der Riederwaldtunnel in Frankfurt

Vor mehr als 35 Jahren begann das erste Planfeststellungsverfahren. Nun haben die Hauptarbeiten zum umstrittenen Riederwaldtunnel begonnen. Was macht das Vorhaben so langwierig?
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Im Osten Frankfurts haben die Hauptarbeiten für den Bau des umstrittenen Riederwaldtunnels begonnen. Das milliardenteure Großprojekt soll die A66 und A661 verbinden, zwischen denen eine rund zwei Kilometer lange Lücke klafft. Geplant ist dies seit Jahrzehnten. Was führt zu immer neuen Verzögerungen?
Was ist konkret geplant?
Der Tunnel soll 1,1 Kilometer der fehlenden Autobahnverbindung abdecken, er soll in zwei getrennten Röhren unter der Straße "Am Erlenbruch" im Stadtteil Riederwald entlangführen. Gebaut wird abschnittweise in offener Bauweise. Bis zu zehn Meter hohe Schallschutzwände und eingeschränkte Bauzeiten sollen die Anwohner und Anwohnerinnen vor Baulärm schützen.
Die Fertigstellung des Tunnels wurde für das Jahr 2033 angestrebt. Der Termin wird sich nach Angaben der Projektleitung der Autobahn GmbH aber voraussichtlich erneut nach hinten verschieben - wie weit, sei noch unklar. Die veranschlagten Kosten belaufen sich bisher auf 1,5 Milliarden Euro.
Was sind die Gründe für die Verzögerungen?
Das erste Planfeststellungsverfahren begann im Jahr 1989, den Planfeststellungsbeschluss erteilte das Hessische Verkehrsministerium vor fast genau 19 Jahren, am 6. Februar 2007. Die Pläne mussten immer weiter nachgebessert werden, unter anderem in Sachen Lärmschutz.
Um den Bau zu verhindern, gab es Demonstrationen und Kundgebungen, ein Waldstück wurden besetzt. Auch die Gerichte beschäftigt der Streit, denn auf Bäumen vor Ort kommt unter anderem der streng geschützte Heldbockkäfer vor.
Dies ist auch der Grund für eine erneute Klage, die dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel derzeit vorliegt. Sie richtet sich gegen eine Ausnahmegenehmigung für die Autobahn GmbH zur Rodung der von den Käfern bewohnten Bäume.
Als Gründe für die zuletzt bekanntgewordene weitere Verzögerung wurden unter anderen Probleme bei den Vorarbeiten genannt, etwa die Beseitigung von Kampfmitteln und Altlasten im Boden.
Welche Ziele verfolgen die Befürworter?
Befürworter nennen die Entlastung der Anwohner und Anwohnerinnen von Lärm und Abgasen der sich stauenden Fahrzeuge als ein Argument. Auch der dann flüssigere Verkehr wird angeführt. Bisher landen Pendler im werktäglichen Stau, wenn sie morgens aus Richtung Osten über die A66 in die Stadt und abends aus der Stadt hinausfahren wollen.
Laut Berechnungen der Autobahn GmbH wird der Verkehr im Stadtteil Riederwald um 36 Prozent reduziert, von etwa 22.200 Fahrzeugen pro Tag auf 14.200. Auch Ausweichstrecken wie die Hanauer Landstraße würden entlastet.
Welche Einwände gibt es?
Gegner befürchten unter anderem, dass mit dem Lückenschluss noch mehr Autoverkehr in die Stadt gelockt wird. Auch, ob die inzwischen stark gestiegenen Kosten an dieser Stelle gut investiert sind, stellen die Gegner infrage. Sie fordern anstelle dessen Investitionen in den Schienen- und Radverkehr. Auch wollen sie die Natur und die geschützten Tierarten bewahren, die in dem Baugebiet bisher vorkommen.
Was sind die nächsten Schritte?
Der Tunnel entsteht abschnittsweise. Zunächst wird im westlichen Abschnitt gebaut, in dem künftig die A66 in die A661 übergehen soll. Dieser Abschnitt ist rund 340 Meter lang. Mit riesigen Bohrern wird derzeit die Einrichtung von Wänden vorbereitet, die die spätere Baugrube schützen sollen.
Die Gegner des Projekts warten auf die Entscheidung des VGH in Kassel über ihren Eilantrag. So lange sollen die Bäume auf der sogenannten Käferinsel keinesfalls gefällt werden, fordern sie.
Die Autobahn GmbH hat zugesagt, die Gerichtsentscheidung im Eilverfahren abzuwarten. Sie will die Bäume samt Käferlarven auf eine Ausgleichsfläche bringen.