HessenJubiläumsauftakt: "Parzival" feiert Premiere in Bad Hersfeld

Hitzewelle statt Eiskeller, mystische Szenen und ein Held auf der Suche nach sich selbst: So feiern die Festspiele ihr 75-jähriges Bestehen.
Bad Hersfeld (dpa/lhe) - Mit einer modernen Fassung des mittelalterlichen Epos "Parzival" haben die Bad Hersfelder Festspiele ihre 75. Spielzeit eröffnet. Das eigens für das Jubiläumsjahr entstandene Schauspiel "Parzival - Die Suche nach dem Heiligen Gral" feierte am Abend in der Stiftsruine seine Uraufführung. Die Inszenierung von Regisseur Michael Schachermaier setzte auf starke Bilder, dichte Atmosphäre und machte allen Gästen Mut, sich auf die Suche nach sich selbst zu machen: "Werde, was du bist!", ist die Kernaussage des Hersfelder Parzival.
Im Mittelpunkt steht Thieß Brammer als Titelheld. Der 35-jährige Freiburger, der erstmals auf der Bad Hersfelder Bühne steht, spielt den jungen Mann, der behütet im Wald aufwächst und sich gegen den Willen seiner Mutter auf den Weg in die Welt der Ritter macht. Auf seiner Suche nach dem Heiligen Gral scheitert er zunächst an den eigenen Fehlern. Erst zum Schluss, nach vielen Irrungen, verzweifelt, nackt, in Lumpen gehüllt, lernt er, Verantwortung zu übernehmen und Mitgefühl zu zeigen. Sein Weg hat ihn endlich zum Ziel geführt.
"Roadmovie in das eigene Ich"
Schachermaier erzählt den mehr als 800 Jahre alten Stoff nicht als klassisches Ritterabenteuer, sondern als Geschichte über das Erwachsenwerden und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, als "Roadmovie in das eigene Ich", wie er sagt. Mystische Szenen, Licht- und Nebeleffekte sowie die majestätische Kulisse der Stiftsruine sorgen immer wieder für eindrucksvolle Bilder.
Das anspruchsvolle Thema und die Erzählweise verlangen dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab. Das Stück ist aber auch Spektakel mit Unterhaltungscharakter. Untermalt wird die Handlung mit Musik des US-Amerikaners Paul Wallfisch.
Diesmal keine Wolldecken
Die Premierengäste feierten das Stück mit Standing Ovations. Und sie erlebten eine Seltenheit: Die mittelalterliche Ruine ist normalerweise als Eiskeller berüchtigt, nicht selten erlebt das Publikum Premierenabende eingemummelt mit Wolldecken über den Knien und dicken Jacken. In diesem Jahr erfasste die aktuelle Hitzewelle selbst die Festspiele: Es war geradezu kuschelig warm, wirklich ´niemand fror. Sogar das Zeltdach wurde geöffnet, um frische Luft einzulassen. Decken brauchte niemand, dafür waren Fächer ein angesagtes Utensil.
Abwechslungsreiches Programm
Mit "Parzival" beginnt zugleich die erste Spielzeit unter der neuen Intendantin Elke Hesse. Zum Jubiläumsprogramm gehören außerdem die deutsche Erstaufführung des Broadway-Musicals "Something Rotten - Das lustigste Musical seit 400 Jahren", die Komödie "Lysistrata oder die Fantasie vom Frieden", "Die Schule der Frauen - Molière auf Hessisch" sowie das Familienstück "Pippi Langstrumpf".
Vor der Premiere waren die Festspiele mit einem Festakt eröffnet worden. Der frühere hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte in seiner Festrede die Bedeutung der Bad Hersfelder Festspiele für die deutsche Kulturlandschaft.
Das Theaterfestival zählt zu den bekanntesten Deutschlands. In der vergangenen Saison kamen zum zweiten Mal in Folge mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher nach Bad Hersfeld.