HessenLob und Kritik für neues Terminal 3 bei Landtagsdebatte

"Strategisch richtig", "Wahrzeichen", Zukunftsversprechen: Das neue Terminal 3 wird in einer Landtagsdebatte gelobt. Doch es gibt auch Zweifel, ob die Kapazitäten wirklich gebraucht werden.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Rund eine Woche nach dem ersten offiziellen Passagierflug am neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen ist das Großprojekt bei einer Debatte im hessischen Landtag überwiegend begrüßt worden. Das architektonische Wahrzeichen vor den Toren Frankfurts sei ein Versprechen in die Zukunft, sagte Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD). Er bezeichnete das neue Passagierterminal als "ein Stück weit Zuversicht", das man begehen und anfassen könne.
Der AfD-Abgeordnete Klaus Gagel erklärte, das Terminal 3 sei "richtig", aber das Terminal allein sei kein Garant für neues Wachstum. Die neuen Kapazitäten würden auf viele Jahre vor allem dafür gebraucht, den Ausfall von Terminal 2 zu kompensieren, weil dieses ab dem zweiten Halbjahr 2026 generalsaniert werden soll.
Gagel forderte, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und die hoheitlichen Kosten für Flugsicherung und Luftsicherheit dem Bund zuzuordnen. "Wir fordern zudem ein Ende einseitiger Klimaauflagen im Luftverkehr, solange weltweit keine gleichen Wettbewerbsbedingungen herrschen", ergänzte der AfD-Abgeordnete.
"Ein neues Terminal allein löst aber die Probleme nicht"
Der Fraktionsvorsitzende der FDP-Fraktion, Stefan Naas, bekräftigte, es sei "strategisch richtig" gewesen, das Terminal 3 zu bauen, auch in schwierigen Zeiten. "Ein neues Terminal allein löst aber die Probleme nicht", sagte er. Während viele europäische Länder das Vorkrisenniveau vor der Corona-Pandemie längst wieder erreicht oder sogar übertroffen hätten, liege Deutschland weiterhin spürbar darunter. "Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind die vom Staat verursachten Standortkosten", erklärte Naas und forderte eine vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer.
Grüne: Bedarf für ein neues Terminal ist nicht vorhanden
Kritik am neuen Terminal kam aus der Grünen-Fraktion. Die Abgeordnete Kaya Kinkel mahnte einen fairen Ausgleich an zwischen den Interessen des Luftverkehrs und den Interessen der Anwohner - etwa beim Lärmschutz. Die Grünen hätten den Bau des neuen Terminals stets kritisch gesehen, da die Notwendigkeit für die zusätzlichen Kapazitäten nie belegt worden sei, sagte Kinkel. Der Bedarf sei bis heute nicht eingetreten.
"Die Passagierzahlen liegen heute weiterhin deutlich unter dem Niveau, mit dem dieser Ausbau damals begründet wurde", sagte die Grünen-Abgeordnete. Sie würden mit den Kapazitäten von Terminal 1 und 2 bewältigt. "Wo soll denn dieses Wachstum herkommen?", sagte Kinkel mit Blick auf den Trend, Geschäftsreisen mit Videokonferenzen zu ersetzen.
Ein Flughafen ist kein Zelt
Minister Mansoori entgegnete: "Ein Flughafen ist doch kein Zelt, das man einfach so aufstellen kann, wenn die Flugverbindungen kommen." Es gehe doch gerade darum, strategisch in die Zukunft zu planen. "Und genau das passiert hier in Frankfurt", sagte Mansoori.
Die Betreibergesellschaft Fraport hatte bei einem Festakt am 22. April das dritte Passagierterminal eröffnet, einen Tag darauf ging es in Betrieb. Der MDax-Konzern Fraport hat rund 4 Milliarden Euro in das vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler entworfene Gebäude am größten deutschen Flughafen investiert.
Geplant waren beim Spatenstich vor gut zehn Jahren Baukosten zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro sowie eine Eröffnung bereits im Jahr 2022. Dies hat sich vor allem wegen des Luftverkehr-Einbruchs während der Covid-Pandemie verzögert.