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HessenProtest in Marburg gegen Einschnitte bei Biotech-Firmen

04.03.2026, 18:00 Uhr
Die-Gewerkschaft-IG-BCE-fordert-eine-Zukunftsperspektive-fuer-die-von-Einschnitten-betroffenen-Beschaeftigten-am-Pharma-Standort-Marburg

Rund 3.000 Menschen protestieren in Marburg gegen Stellenstreichungen in der Biotech-Branche. Was die IG BCE fordert und warum der Standort besonders betroffen ist.

Marburg (dpa/lhe) - Rund 3.000 Menschen haben nach Polizeiangaben in Marburg gegen Einschnitte bei Biotechnologieunternehmen protestiert. Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). "Die Arbeitgeber haben innerhalb von acht Monaten über 1.000 Arbeitsplätze vernichtet", hatte Anne Weinschenk, Leiterin des IGBCE-Bezirks Mittelhessen, vorab erklärt. "Jetzt stehen wieder hunderte Jobs auf dem Spiel. Es reicht! Wir lassen uns das nicht länger bieten!"

Einschnitte gibt es derzeit durch den Sparkurs des Unternehmens CSL, das seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Marburg einstellt. Bei der CSL Innovation GmbH fallen dadurch rund 500 Arbeitsplätze weg. Hinzu kommen weitere Einschnitte in der Produktion, die dem Vernehmen nach weitere Jobs kosten dürften - die Rede ist von rund 400 bis 450 Stellen. Das für seinen Corona-Impfstoff bekannte Unternehmen Biontech hatte zudem den Wegfall von 250 bis 350 Vollzeitäquivalenten an seinem Marburger Standort angekündigt.

CSL Limited mit Sitz im australischen Melbourne hat weltweit derzeit rund 29.000 Beschäftigte und durchläuft nach Angaben einer Sprecherin an allen Standorten weltweit eine "Transformation". Marburg ist der mit Abstand größte Standort in Deutschland mit rund 3.000 Beschäftigten. Das Unternehmen bietet unter anderem plasmabasierte Therapien gegen seltene Erkrankungen an.

Gewerkschaft fordert Zukunftsperspektive für Beschäftigte

Aus Sicht der IG BCE sind die geplanten Streichungen bei CSL nicht nachvollziehbar. "Die Entscheidung zum Arbeitsplatzabbau ist in Übersee gefallen – ganz offensichtlich, um noch mehr Profit aus dem Unternehmen zu pressen", so Weinschenk. Sie forderte eine klare Zukunftsperspektive für den Standort mit Zusagen zum Erhalt der Arbeitsplätze sowie einem klaren Bekenntnis zu Ausbildung.

Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) sagte den Beschäftigten bei der Demonstration Unterstützung zu. "Wir waren immer dazu bereit, dass Politik eine Mitverantwortung dafür übernimmt, dass dieser Standort weiterentwickelt wird", so der Minister. "Was ich in Aussicht stellen kann, ist, dass bei CSL Innovation ein öffentliches Forschungsinstitut angesiedelt wird und dass wir hier mit Start-ups zusammenarbeiten werden." Marburg sei ein starker Pharmastandort, "und wir werden alles dafür tun, dass das auch so bleibt. Das Gesprächsangebot an die Konzernleitung und die Einladung, gemeinsam Überlegungen anzustellen, wie wir diesen Standort erfolgreich aufstellen, gilt."

Quelle: dpa

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