HessenSteuerzahlerbund: Viele Kommunen drehen an Steuerschraube

Mehr als 150 Kommunen in Hessen haben die Grundsteuer B erhöht. Das trifft nicht nur die Eigentümer von Immobilien und Grundstücken, sondern auch Mieter.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Steuerlast für Einwohner und Gewerbetreibende in Hessen ist laut einer Auswertung des Steuerzahlerbundes weiter gestiegen. Das zeige die jährliche Umfrage unter allen 421 hessischen Städten und Gemeinden etwa zur Grundsteuer B und Gewerbesteuer, wie der Bund der Steuerzahler Hessen in Wiesbaden mitteilte. Demnach haben in diesem Jahr 156 Kommunen ihre Grundsteuer B erhöht, die auf Grundbesitz erhoben wird. Bei der Gewerbesteuer haben 98 Städte und Gemeinden aufgeschlagen.
Mit den neuen Grundsteuer-Hebesätzen im südhessischen Riedstadt mit 1.600 Prozent oder Hofheim im Rhein-Main-Gebiet mit 1.545 Prozent seien neue Höchstwerte erreicht worden, die noch vor kurzem unvorstellbar gewesen seien, erklärte der Vorstand des hessischen Steuerzahlerbundes, Jochen Kilp. Die Grundsteuer berechnet sich aus einem individuellen Messbetrag für eine Immobilie oder ein Grundstück und dem Hebesatz. Der Hebesatz wird von den Kommunen angesetzt.
Steuerzahlerbund befürchtet weitere Erhöhungen
Die Erhöhungen seien auch Ausdruck einer finanziellen Schieflage, ergänzte Kilp. "Bund und Länder haben den Kommunen in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben und Auflagen gegeben, ohne eine angemessene Finanzierung zu gewährleisten." Städte und Gemeinden kämen aktuell kaum umhin, ihre Hebesätze insbesondere für die Grundsteuern zu erhöhen, um etwa Sozialleistung oder Kinderbetreuung finanzieren zu können. "Wir befürchten, dass sich die Steuerspirale 2027 noch weiterdrehen wird", ergänzte Kilp.
Steigerung betrifft auch Mieterinnen und Mieter
Von den Erhöhungen bei der Grundsteuer B würden nicht nur Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern, Eigentumswohnungen oder Grundstücken belastet - über die Nebenkosten treffe dies auch Mieterinnen und Mieter. Grundsätzlich verstärke sich die Tendenz, wonach die Hebesätze im Ballungsraum Rhein-Main sowie in größeren Kommunen deutlich höher sind als im ländlichen Raum, ergänzte der Steuerzahlerbund.