Regionalnachrichten

HessenWärme und Trockenheit treiben Eichenprozessionsspinner an

10.08.2026, 04:03 Uhr
Eichenprozessionsspinner-sind-eine-waermeliebende-Art

Giftige Brennhaare, explodierende Populationen: Der Befall von Eichen mit dem Eichenprozessionsspinner hat in diesem Jahr vielerorts deutlich zugenommen. Wie reagieren die Städte?

Kassel/Gießen/Frankfurt (dpa/lhe) - Der Eichenprozessionsspinner hat sich in Hessen weiter ausgebreitet - trotz intensiver Bekämpfungsmaßnahmen. Die mit giftigen Brennhaaren ausgestattete Raupe mag Wärme und Trockenheit. Davon gab es in diesem Jahr schon jede Menge. Das führt zu einem zunehmenden Befall in Kommunen und Wäldern, wie eine Umfrage zeigt.

Kassel will Bekämpfungskonzept weiterentwickeln

Einen "außergewöhnlich starken Befall" meldet etwa die Stadt Kassel. Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der betroffenen Bäume von 63 auf zuletzt 602 nahezu verzehnfacht, sagt ein Sprecher.

Ursächlich dafür seien insbesondere die für den Eichenprozessionsspinner günstigen Witterungsbedingungen der vergangenen Jahre. Milde Winter erhöhten die Überlebensrate der Eigelege, während warme und trockene Frühjahre die Entwicklung der Raupen begünstigten. "Halten diese Bedingungen über mehrere Jahre an, kann sich die Population aufgrund der hohen Reproduktionsleistung der Art sprunghaft entwickeln, wie dies in diesem Jahr zu beobachten war."

Die Stadt, die bei der Bekämpfung der Insekten vor allem auf Absaugung und regelmäßige Kontrollen der Eichenbestände setzt, will daraus Konsequenzen ziehen. "Die in diesem Jahr gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung des Bekämpfungskonzepts für die kommende Saison ein", erläutert der Sprecher. Geplant seien insbesondere die Optimierung des Monitorings, die Prüfung weiterer präventiver Maßnahmen sowie organisatorische Anpassungen, um Befallsherde künftig möglichst frühzeitig zu erkennen.

So sollen Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung weiter reduziert werden. Denn die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinner, die ab dem dritten Larvenstadium gebildet werden, enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die Haare brechen leicht ab, bei Kontakt bohren sie sich mit Widerhaken in die Haut und setzen das Gift frei. Das kann starke allergische Reaktionen hervorrufen.

Gießen: "Population extrem explodiert"

In Gießen ist die Population des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr nach Angaben der Stadt "extrem explodiert." "Einen solch extremen Befall hatten wir in Gießen bisher noch nicht", sagt eine Sprecherin.

Im Kampf gegen das Insekt spritzt das dortige Gartenamt präventiv einmal im Jahr Ende April die städtischen Bäume mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis. Das Fraßgift stoppt die Larvenentwicklung und damit auch die Entwicklung der gefährlichen Brennhaare. Wo nicht gespritzt werden kann, kämen bei Bedarf Spezialsauger zum Einsatz, erläutert die Sprecherin.

1.600 Eichen in Frankfurt präventiv behandelt

In Frankfurt war die Population des Eichenprozessionsspinners nach Angaben der Stadt in diesem Jahr ebenfalls deutlich stärker ausgeprägt als in den vergangenen Jahren - trotz der vorsorglich durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen. Die Mainmetropole setzt präventiv auch auf den biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis. In diesem Jahr seien damit rund 1.600 Eichen auf städtischen Flächen vorsorglich behandelt worden.

In Wiesbaden vor allem Bäume in Waldrandnähe betroffen

In Wiesbaden, wo das Grünflächenamt im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls einen zunehmenden Befall verzeichnet hat, wurden rund 1.700 städtische Eichen vorbeugend mit dem Fraßgift behandelt. In der Landeshauptstadt waren einem Sprecher zufolge besonders Baumbestände in Waldrandnähe sowie auf waldähnlichen Friedhöfen und Spielplätzen betroffen. "Im Bereich des urbanen Raumes gab es zu den Vorjahren keinen nennenswerten Anstieg."

Mehraufwand bei Bekämpfung in Fulda

Deutlich mehr Raupen im für Allergiker gefährlichen späten Stadium wurden in diesem Jahr in Fulda beobachtet. Das habe zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Beseitigung geführt, insbesondere während des Hessentags in der Domstadt, sagt ein Sprecher der Stadt.

Insgesamt wurden präventiv an rund 3.300 Bäumen im Stadtgebiet biologische Mittel in den Baumkronen verteilt. Während in den vergangenen Jahren der frühzeitige Einsatz der Sprühmittel eine hohe Erfolgsquote von etwa 95 Prozent gehabt habe, habe die Quote in diesem Jahr deutlich niedriger gelegen, erklärt der Sprecher. "Als Ursache kann die eher feucht-kalte Witterung im Mai/Anfang Juni angenommen werden, weshalb die Mittel nicht ihre volle Wirkung entfalten konnten."

Grundsätzlich sei zu beobachten, dass sich der Eichenprozessionsspinner im Fuldaer Stadtgebiet trotz der Bekämpfungsmaßnahmen der vergangenen Jahre nach wie vor ausbreite, "offenbar vor allem deshalb, weil in den die Stadt umgebenden geschlossenen Waldgebieten keine konsequente Bekämpfung erfolgt".

Darmstadt hat Lage im Griff

Aus Darmstadt heißt es, man habe den Befall durch die jährlich durchgeführte prophylaktische Bekämpfung mit biologischen Wirkstoffen insgesamt gut im Griff. Die Situation sei derzeit überschaubar. "Im Vergleich zu den Vorjahren mussten wir in diesem Jahr allerdings einige Nester an sieben verschiedenen Standorten an nicht prophylaktisch behandelten Bäumen absaugen", erklärt ein Sprecher der Stadt. In 2025 sei das nicht vorgekommen, in 2024 an zwei Standorten.

Ausbreitung in Hessens Wäldern in Richtung Norden

In Hessens Staatsforst hat sich der Eichenprozessionsspinner nach Angaben des Landesbetriebs Hessen Forst in seinem Verbreitungsschwerpunkt in Süd- und Mittelhessen ausgeweitet. "Zudem tritt er dieses Jahr auch in Bereichen auf, die bislang keine nennenswerten Vorkommen des EPS zu verzeichnen hatten, beispielsweise in Nordhessen", berichtet ein Sprecher. Aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung sei mittel- bis langfristig eine weitere Ausbreitung in bislang weniger betroffene nördlichere Landesteile zu erwarten.

Quelle: dpa

Regionales