ThüringenHoch hinaus: Wie kann man Pilot in Thüringen werden?

Muss man fürs Fliegen lernen reich sein und wo gibt es Möglichkeiten? Wege zur Pilotenausbildung in Thüringen.
Schöngleina (dpa/th) - Ob Segel- oder Motorflugzeug oder Heißluftballon: Wer eine Ausbildung zum Piloten machen möchte, muss in Thüringen meist keine langen Wege auf sich nehmen. "In Thüringen haben wir alle gängigen Luftsportarten vertreten", erklärt Bernd Pulzer, Geschäftsführer des Luftsportverbands Thüringen. Flugplätze seien recht gleichmäßig über das Land verteilt.
Je nach Standort seien im Freistaat Ausbildungen zum Piloten in den Sportarten Motorflug, Segelflug, Ultraleichtflug, Heißluftballonsport und im Fallschirmspringen möglich. Als Einstieg, besonders für Kinder und Jugendliche, gebe es zudem eine Vielzahl an Modellsportvereinen.
Der Weg ans Steuer kann auf unterschiedliche Arten verwirklicht werden: Zum einen über kommerzielle Flugschulen oder über einen der Flugsportvereine. Dem Deutschen Aero Club und dem Luftsportverband zufolge lässt sich das Fliegen auf beide Arten gut erlernen. In gewerblichen Schulen sei die Ausbildung oft schneller und flexibler möglich, dafür aber oft mit höheren Kosten verbunden.
Kosten wie bei der Fahrschule?
Da die Vereine in der Regel ehrenamtlich organisiert seien, könne die Ausbildung insgesamt etwas länger dauern, so Pulzer. "Dafür kommt man gegebenenfalls mit einem Geldbetrag aus, der nicht viel über den Kosten eines Führerschein-Erwerbs liegt." Grundsätzliche Preisaussagen seien jedoch schwierig, weil sich die Kostensätze der Vereine sowie die Arten der anvisierten Lizenz unterschieden.
Vorteile seien zudem in der Regel deutlich günstigere Flugstundenpreise, ein besserer Einblick in Technik und Abläufe und die sozialen Kontakte in einem Verein. "Die Meinung, dass Luftsport nur etwas für vermögende Leute sei, ist grundsätzlich falsch", so Pulzer.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Flugscheins gibt es nicht viele. Bewerber für eine Privatpilotenlizenz müssten mindestens 17 Jahre alt sein, zudem muss von einem Arzt die körperliche Tauglichkeit bestätigt werden - hier genüge aber in der Regel ein normaler Gesundheitszustand, so die Experten. Selbst Brillen oder körperliche Einschränkungen seien nicht zwingend Ausschlusskriterien.
1.000 aktive Piloten in Thüringen
Beim Segelflug sei ein Einstieg bereits ab 14 Jahren möglich, Ballonpilot könne man ab 16 Jahren werden, so Pulzer. Der Modellflugsport sei bereits ab Kinderbeinen möglich.
In Thüringen gibt es Pulzer zufolge aktuell etwa 1.000 aktive Piloten. "Die Mitgliederentwicklung ist im Luftsport - so wie in fast allen anderen Sportarten - in den vergangenen Jahren leicht rückläufig." Einerseits mache sich auch hier die demografische Entwicklung bemerkbar, andererseits gebe es mehr konkurrierende Freizeitangebote für Jugendliche. Außerdem habe sich das Freizeitverhalten besonders von Jugendlichen geändert.
Grundsätzlich sei der Sport bislang sehr von Männern geprägt. Der Frauenanteil betrage aktuell etwa zehn Prozent. Frauen- und Jugendarbeit seien daher wichtige Aufgaben für die Zukunft.
Wie wichtig und erfolgreich das Engagement auf diesem Gebiet sein kann, weiß Andreas Litzba, Vorstandsvorsitzender im Fliegerklub Carl Zeiss Jena. In seinem Verein, der sich auf den Segelflug spezialisiert hat, seien aktuell 14 Flugschüler in Ausbildung, darunter zwei junge Frauen. Dabei sei die Nachfrage größer als das Angebot - unter anderem, weil vor einigen Monaten Wildschweine die Landebahn des Vereins in eine Kraterlandschaft verwandelt und den regulären Flugbetrieb unmöglich gemacht hatten. Obwohl der Verein personell recht gut aufgestellt sei, sei es zunehmend eine Herausforderung, immer genug ehrenamtliche Helfer zu finden, um den Flugbetrieb sicherzustellen.
"Wir spielen Schach gegen die Schwerkraft"
Trotz der Zeit, die für einen Pilotenschein investiert werden muss - die Ausbildungsdauer kann zwischen fünf und 24 Monaten liegen - ist die Erfahrung, selbst ein Flugzeug durch die Lüfte zu steuern, unbezahlbar, sind sich alle Befragten einig. "Wir spielen Schach gegen die Schwerkraft", fasst Litzba das Prinzip beim Segelflug zusammen.
Bei passendem Wetter könnten mit einem Segelflieger problemlos hunderte von Kilometern zurückgelegt werden - ganz ohne jegliches Motorengeräusch. Ganz grundsätzlich sei das Fliegen auch mit Motorflugzeugen ein unvergleichliches Erlebnis. Wer sich selbst für den Einstieg in den Flugsport interessiert, sollte sich am nächstgelegenen Flugplatz umhören: Oft werden Schnupperflüge oder -tage angeboten, bei denen sich Interessierte selbst ein Bild machen und sich über die Ausbildungsschritte informieren können.
Dem Luftsportverband zufolge gibt es in Thüringen neben Verkehrsflughäfen wie dem Erfurter Flughafen, der in erster Linie für gewerbliche Flugzeuge vorgesehen ist, aktuell sechs sogenannte Verkehrslandplätze, die von Vereinen, Privat- und Geschäftspiloten genutzt werden können. Hinzu kommen 13 Sonderlandeplätze, unter anderem für Rettungshubschrauber und mehr als 20 Segelfluggelände, Sportfluggelände und Ballonstartplätze.