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HessenWildtier gefunden: Wann ist Hilfe nötig?

03.04.2026, 03:48 Uhr
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(Foto: picture alliance/dpa)

Wolf in der Stadt, Vogel im Garten: Helfen ist ehrenwert – doch nicht jedes vermeintlich verwaiste Wildtier braucht Hilfe. Woran erkennt man einen Notfall und wie handelt man im Ernstfall richtig?

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Mit den steigenden Temperaturen wird auch die heimische Tierwelt wieder aktiver. Junge Wildtiere sitzen scheinbar hilflos auf Wiesen, Eichhörnchen huschen durch Parks, Vögel brüten in Gärten. Doch nicht jedes Tier braucht tatsächlich menschliche Hilfe. Was also tun, wenn einem ein Wildtier vor die Füße läuft?

Nur helfen, wenn Hilfe gebraucht wird

Wer ein vermeintlich hilfloses Wildtier entdeckt, sollte nicht vorschnell eingreifen. Darauf verweist der Naturschutzbund (Nabu) Hessen. "Es gilt, erst einmal Ruhe zu bewahren und die Lage zu sondieren. Nur offensichtlich verletzte oder verwaiste Wildtiere brauchen wirklich Hilfe", sagt ein Sprecher von Nabu Hessen. Häufig stecke hinter der Situation kein Notfall, sondern normales Verhalten. Der Nabu Hessen empfiehlt deshalb, Tiere zunächst aus der Distanz zu beobachten.

Wenn das Tier verletzt oder verwaist ist: sichern, wärmen, Ruhe

Bestehe kein Zweifel daran, dass ein Tier verletzt oder verwaist sei, könne Hilfe erforderlich sein, heißt es weiter. Dann solle es vorsichtig gesichert werden – möglichst mit Handschuhen oder einem Tuch, um sich vor Bissen oder Kratzern zu schützen. Anschließend gehöre das Tier in einen Karton mit Luftlöchern, ausgepolstert mit einem glatten Tuch.

Zwei Maßnahmen seien weiter entscheidend: sichern und wärmen, sagt Vera Heck, Vorsitzende des Bundesverbands der Wildtierhilfen (BVW). Geeignet sei eine handwarme Wärmequelle, etwa eine Wärmflasche oder eine PET-Flasche mit warmem Wasser. Weiches Material zum Einrollen könne zusätzlich Stress reduzieren. Wichtig: Ein gefundenes Wildtier sollte man keinesfalls eigenständig füttern, sagt Heck.

Ist das Tier gesichert, solle man es an eine Fachstelle übergeben, sagt ein Sprecher von Nabu Hessen. In Hessen kümmere sich ein Netz von Wildtier-Auffangstationen um Fundtiere. Bei Wildunfällen gelte hingegen: Betroffene sollten nicht selbst eingreifen, sondern umgehend die Polizei verständigen. Diese informiere den zuständigen Jagdpächter.

Neue Anlaufstelle im Rhein-Main-Gebiet

In Neu-Isenburg hat der Bundesverband der Wildtierhilfen gemeinsam mit der Wildtierhilfe Schäfer ein Wildtierhilfe-Zentrum eröffnet. Ziel sei es, eine kompetente und leicht erreichbare Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger sowie für Behörden wie Polizei und Feuerwehr zu bieten, sagt Heck. Das Zentrum informiere, berate und übernehme die Erstversorgung der Tiere, bevor diese in geeignete Pflegestellen weitervermittelt würden.

Eine App als Entscheidungshilfe

Unterstützung biete zudem die kostenlose Smartphone-App "Wildtier-SOS", sagt ein Sprecher von Nabu Hessen. Sie führe Nutzerinnen und Nutzer mit Hilfe eines wissenschaftlich fundierten Fragesystems durch mögliche Notfallsituationen und helfe bei der Entscheidung, ob Eingreifen nötig ist, heißt es auf der Internetseite.

Dabei berücksichtige die App Faktoren wie Tierart, Jahreszeit, Wetter und typisches Verhalten. Falls Hilfe erforderlich ist, zeige sie per GPS geeignete Anlaufstellen wie Wildtierstationen, Tierarztpraxen oder Behörden in der Nähe. Ergänzend gebe es Videotutorials zur Erstversorgung.

Was gilt bei Wölfen?

Ein aktueller Vorfall in Hamburg sorgt derzeit für Aufmerksamkeit: Dort ist nach Polizeiangaben eine Frau von einem Wolf gebissen worden. Das Wolfzentrum Hessen (WZH) bewertet den Vorfall als "außergewöhnliche Ausnahmesituation". Sie stehe vermutlich im Zusammenhang mit der räumlich begrenzten Lage innerhalb des Einkaufszentrums sowie der Stresssituation des Wolfs.

In Hessen gibt es aktuell drei Rudel mit insgesamt sechs sesshaften und zusätzlich durchziehenden Wölfen, wie das WZH mitteilte. Begegnungen mit Menschen seien selten. Das Wolfzentrum rät zu folgendem Verhalten, wenn man doch einem Wolf begegnet:

  • Ruhe bewahren und auf sich aufmerksam machen (z.B. Rufen oder Klatschen)

  • Langsam zurückziehen mit dem Gesicht Richtung Wolf

  • Kommt der Wolf näher: bestimmtes Auftreten, gegebenenfalls Steine oder Stöcke werfen

  • Abstand halten, nicht füttern, streicheln oder bedrängen

  • Nicht wegrennen

  • Sichtung beim Wolfzentrum Hessen melden

  • Tote und verletzte Tiere meiden und der Polizei und dem WZH melden

Quelle: dpa

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