Regionalnachrichten

Mecklenburg-VorpommernAbenteuerliche Kokain-Fahrt von Kolumbien Richtung Europa

21.08.2026, 14:51 Uhr
Von-den-Angeklagten-duerfen-keine-Fotos-gemacht-werden

Ein Kokaintransport als langer Segeltörn über den Atlantik? Ein Plan, der nicht aufging. Ein Ehepaar steht deshalb vor Gericht. Dank eines eloquenten Angeklagten ist nun einiges klarer.

Rostock (dpa/mv) - Mit dem Transport von über einer Vierteltonne Kokain wollte der Angeklagte seine Schulden bei der kolumbianischen Drogenmafia loswerden. Die Idee: Die Drogen sollten per Segeljacht von Lateinamerika nach Europa gebracht werden. Doch auch auf der gefährlichen Überfahrt ging vieles schief, wie der 59-Jährige vor dem Rostocker Landgericht wortreich und detailliert in seinem Geständnis schilderte.

Der Skipper ist mit seiner 67 Jahre alten Frau angeklagt. Beide kommen aus dem Landkreis Rostock, weshalb sie vor dem Landgericht der Hansestadt stehen.

Das Duo stach am 4. Juli 2025 von der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena mit Kurs Europa in See. An Bord hatte der Angeklagte rund 264 Kilogramm Kokain versteckt, die ihm seine Kontaktleute vor Ort in Einkaufstüten brachten. Das Rauschgift war in wasserdichten Säcken verpackt und unter anderem unter dem Kajütenbett versteckt. Seine Frau habe von dem Rauschgift nichts gewusst, beteuerte der 59-Jährige.

Nicht die erste Drogenfahrt

Das Paar war mit der zuvor für 200.000 Euro erworbenen Jacht "Target" nach Lateinamerika gesegelt. Für den Kauf verwendete der Mann Geld aus dem Verkauf eines Hauses seines verstorbenen Vaters. Diese Investition sollte er von der kriminellen Organisation zurückbekommen. Die Ehefrau hatte keine Segelerfahrung und der Mann hatte erst seit 2020/21 den Segelschein. Mittelsmann vor Ort und in Kolumbien war ein Mann namens "Héctor", der ihn auch in Cartagena traf, wo die Drogenübergabe stattfand.

Es war nicht die erste Drogenfahrt des Mannes mit einem Segelboot aus Kolumbien und Kokain an Bord: 2024 ging bereits eine Fahrt schief, weil das Boot erhebliche technische Fehler aufwies und er anders als geplant in Spanien anlegen musste, zuvor aber aus Furcht vor Kontrollen Rauschgift über Bord warf. Seine Kontaktleute hatten nach seinen Worten auch Zweifel daran, ob er die Drogen wirklich ins Meer geworfen habe. Auch dadurch stand er bei der Drogenmafia in der Schuld.

Lebensbedrohliche Situationen auf hoher See

Bei der letzten Fahrt mussten er und seine Frau teils lebensbedrohliche Situationen auf hoher See meistern. Immer wieder ging wichtige Ausrüstung zu Bruch. Heftige Stürme setzten der Jacht zu. Bei einem Sturm ging auf der Hinfahrt die Vorsegelanlage kaputt und der Autopilot funktionierte nicht mehr. Dennoch löste der Mann nicht das SOS-Signal aus, sondern informierte die Aufraggeber, die nach seinen Angaben ein Motorboot mir vier Leuten zur Hilfe schickten, das aber nie ankam. "Die sind verschollen, sagen die Kolumbianer", so der Angeklagte.

Ursprünglich habe das Kokain auf Jamaika übergeben werden sollen, wo es ein Drogendepot gebe. Wegen des Sturms und der Wetterverhältnisse habe man aber auf Cartagena ausweichen müssen.

Zwischenfälle gab es auch auf der Rückfahrt. Dort lief die Jacht an einem Atoll bei den Bahamas auf ein Riff, wo das Boot mehrere Tage lang festlag. Auf die Havarie auf dem Atoll sei sogar die US-Küstenwache aufmerksam geworden. Tags darauf sei die Jacht dann freigeschleppt worden.

Die deutschen Ermittler hatte den Mann schon früh im Visier. So lief im Mai 2025 eine Telefonüberwachung. Die Segeljacht legte am 4. Juli 2025 von Cartagena ab und wurde am 8. August von der portugiesischen Polizei im Atlantik in der Nähe der Azoren gestoppt. Die Beamten stellten die Drogen sicher und nahmen das Paar fest. Nach einem Rücküberführungsgesuch brachte die Polizei beide in einem Flugzeug von Lissabon nach Deutschland. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Quelle: dpa

Regionales