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Mecklenburg-VorpommernAnkündigung zu Förderschulen: Das sind die Reaktionen

06.02.2026, 04:01 Uhr
Die-Neuausrichtung-der-Inklusionsstrategie-des-Landes-wird-unterschiedlich-aufgenommen

Bildungsministerin Oldenburg verspricht, dass auch künftig lernschwache Kinder in separaten Klassen lernen können, wenn die Eltern das wünschen. Ist das Streitthema Inklusion damit abgeräumt?

Schwerin (dpa/mv) - Die von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) verkündete Neuausrichtung der Inklusion in Mecklenburg-Vorpommern findet ein breites Echo. Oldenburg hatte am Donnerstag zugesagt, dass geschützte Räume für Kinder mit Förderbedarf beim Lernen erhalten bleiben. Eltern könnten auch künftig frei entscheiden, ob ihr Kind in einer Förderschulklasse oder in einer regulären Klasse lernt. Bisher war die Inklusionsstrategie darauf ausgerichtet, möglichst viele Kinder in die Regelklassen zu integrieren.

Landrat lobt neue Flexibilität

Michael Sack (CDU), Landrat von Vorpommern-Greifswald und Vorsitzender des Landkreistages Mecklenburg-Vorpommern, ist, wie er sagt, dankbar, dass es jetzt eine Lösung gebe. Es komme die Flexibilität, die gebraucht werde, sagte Sack der Deutschen Presse-Agentur. Große Förderschulstandorte, wie etwa der in Wolgast, könnten bestehen bleiben. Kleine Standorte mit wenig Perspektive infolge sinkender Schülerzahlen könnten einer Regelschule angegliedert werden. Auch dort werde es dann das Angebot separater Lerngruppen geben.

Bisher galt, dass Kinder mit Problemen beim Lernen möglichst umfassend in herkömmliche Schulklassen integriert werden sollten. Das wollen viele Eltern aber nicht, weil sie fürchten, dass ihr Kind dort untergeht. Lehrkräfte wiederum signalisieren, dass sie mit der Inklusion überfordert sind. Lehrer-Gewerkschaften kritisieren, dass Personal und die Räumlichkeiten für die Inklusion nicht ausreichen.

Ministerin: Neuausrichtung

Am Donnerstag verkündete dann Oldenburg in Schwerin, dass es jetzt eine Neuausrichtung der Inklusionsstrategie gebe. Demnach bleibt es das Ziel, die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen bis zum Jahr 2035 mit anderen Schularten zu verbinden - und trotzdem separate Klassen zu erhalten. "Das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern bleibt erhalten", sagte die Ministerin. Die Eltern könnten immer entscheiden, ob ihre Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern in einer Klasse lernen oder ob sie eine eigenständige Förderschulklasse besuchen. Die Ministerin sagte auch zusätzliches Personal zu.

AfD skeptisch

Die AfD zeigte sich skeptisch. Ihr schulpolitischer Sprecher im Landtag, Enrico Schult, sagte, Oldenburgs Ankündigung schaffe keine Klarheit. Wenn das Ministerium ankündige, die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen bis zum Jahr 2035 mit anderen Schularten zu verbinden und parallel separate Klassen fortzuführen, bleibe die zentrale Frage unbeantwortet: "Bleiben die Förderschulen Lernen als eigenständige und verlässliche Lernorte erhalten oder werden sie schleichend strukturell ausgehöhlt?" Schult forderte, die Förderschulen dauerhaft zu erhalten. "Die unter ideologischen Vorzeichen vorangetriebene Inklusionskampagne ist gescheitert", sagte er.

SPD und Linke loben

Die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Julitz betonte, das Land verfolge eine klare Perspektive. Der Förderschwerpunkt Lernen solle bis 2035 "schrittweise und verantwortungsvoll" in die Regelschulen integriert werden. "Das ist ein wichtiges bildungspolitisches Ziel." Gute Inklusion lasse sich aber nicht verordnen, sie müsse vor Ort gelingen. Die vom Bildungsministerium vorgestellten Maßnahmen, wie Förderangebote und Lerngruppen für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf, setzten hier an.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Jeannine Rösler, zeigte sich überzeugt, dass das neue Schulbauprogramm die Bedingungen auch für inklusives Lernen deutlich verbessern werde. In den nächsten Jahren sollen in MV 600 Millionen Euro aus dem kreditfinanzierten Sondervermögen des Bundes investiert werden.

4.800 Kinder mit Förderbedarf Lernen

Aktuell lernen nach Angaben des Bildungsministeriums mehr als 3.300 Kinder und Jugendliche an Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen. Rund 1.500 Schüler mit diesem Förderbedarf besuchen demnach herkömmliche Klassen in den Regelschulen.

Quelle: dpa

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