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ThüringenGlasfaserausbau in Thüringen - was muss ich wissen?

06.02.2026, 04:02 Uhr
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Thüringen belegt beim Glasfaserausbau derzeit bundesweit den letzten Platz. Die Landesregierung will das ändern. Wie Hausbesitzer herausfinden, wann ihr Anschluss kommt.

Erfurt (dpa/th) - Beim Glasfaserausbau hinkt Thüringen anderen Bundesländern bislang hinterher. Die Landesregierung will das ändern und dafür auch viel Geld in die Hand nehmen. Doch wie bekommen eigentlich Hausbesitzer im Freistaat mit, wann ihre Adresse tatsächlich angeschlossen wird? Und wer bezahlt das alles? Die wichtigsten Fragen und die Antworten darauf im Überblick.

Wie weit ist der Ausbau in Thüringen?

Bislang hat nach Angaben des Infrastrukturministeriums knapp jeder Vierte Haushalt im Freistaat einen Glasfaseranschluss. Das sei bundesweit der letzte Platz. Regional gibt es aber erhebliche Unterschiede - in Weimar etwa sind es nur fünf Prozent. Im Landkreis Hildburghausen hingegen 43 Prozent. Um gegenzusteuern, nimmt der Freistaat eine Milliarde Euro bis 2030 in die Hand. Damit soll vor allem dort der Ausbau gefördert werden, wo private Firmen nicht genug Potenzial sehen.

Welche Projekte sind derzeit in Planung?

Jüngst wurden Mittel für über 25.000 Haushalte in kleinen Ortschaften freigegeben. Demnächst sollen weitere knapp 21.000 Adressen bestimmt werden, die einen Anschluss bekommen. Wer wissen will, wie es in seinem Landkreis konkret aussieht, kann sich auf der Homepage der Thüringer Glasfasergesellschaft informieren. Dazu sind in Thüringen private Anbieter wie die Telekom oder Deutsche Glasfaser tätig und veröffentlichen immer mal wieder größerer Projekte.

Wie funktioniert das mit dem Ausbau?

In der Regel bündeln private Anbieter in gewissen Regionen die Interessenten. Kommen genug Kunden zusammen, sodass es sich lohnt, fällt die Entscheidung für einen Ausbau. Teils schreiben auch Kommunen den Ausbau aus, Firmen können sich darauf bewerben. Dafür können dann auch Fördermittel beantragt werden.

Woher weiß ich, wann mein Haus dran ist?

"Das ist derzeit eine große Glaskugel", sagt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Es kämen oft Verbraucher auf sie zu, die vor zwei Jahren einen Vertrag mit einem Anbieter abgeschlossen und seither nichts mehr gehört hätten. In Erfurt etwa sei viel ausgebaut worden, aber der letzte Meter in die Häuser sei oft noch nicht gelegt. Konkret rate er den Leuten, Kontakt in ihre Stadtverwaltungen aufzunehmen und dort nachzufragen. Wer vor zwei Jahren einen Vertrag abgeschlossen habe und jetzt noch keinen Anschluss habe, könne diesen auch wieder ordentlich kündigen.

Was kostet mich der Anschluss?

In vielen Fällen kostet der Anschluss im Haus direkt nichts - nämlich wenn das Projekt öffentlich gefördert wird oder ein Anbieter genügend Adressen in einem Gebiet anschließen kann, wie Reichertz erklärt. Ist das nicht der Fall und man will trotzdem vom in der Straße liegenden Kabel zu seinem Haus einen Anschluss, kostet das laut Reichertz in der Regel bis zu 1.500 Euro. Die Leitungen würden dann in der Erde durch das Grundstück geschossen, meist werde nichts aufgerissen.

Was ist mit meiner Technik im Haus?

Was viele Menschen laut Reichertz vergessen, ist die Technik im Haus. Der Anschluss werde oft in den Keller oder zu einem Anschlusspunkt auf dem Grundstück verlegt. In den Häusern selbst lägen aber oft keine Glasfaser-, sondern noch alte Kupferkabel. Die könne man zwar auch nutzen, das führe aber zu einem Verlust an Bandbreite. Wolle man den Anschluss vollständig nutzen, müsse also auch vom Keller in die Wohnungen Glasfaser verlegt werden - die Kosten dafür sind von den Eigentümern zu tragen.

Bin ich nur von einem Anbieter in meiner Straße abhängig?

Das komme darauf an, ob der Ausbau öffentlich gefördert wurde oder nicht, so Reichertz. Gab es staatliche Gelder, müsse der Anbieter, der den Ausbau durchführte, auch andere Anbieter die Technik nutzen lassen. Wenn er es aber auf eigene Rechnung ausgebaut hat, bestehe diese Verpflichtung erst mal nicht.

Lohnt es sich noch ein paar Jahre zu warten?

Aus Sicht von Reichertz nicht. Zwar biete auch DSL heute hohe Bandbreiten und sei aktuell teils günstiger. Aber die Technik sei endlich. "Ich persönlich vermute ein Abschalten in den nächsten zehn Jahren." Dazu müsse man sich klarmachen, wie schnell sich die Breitbandgrößen in den vergangenen Jahren verändert hätten. Früher seien vielleicht 6 MBit/s ausreichend gewesen, heute wollten viele vielleicht eher 200 MBit/s haben. Glasfaser sei in der Bandbreite nach oben unbegrenzt.

Und: Wer jetzt noch Verträge abschließe, komme auch oft noch in den Genuss eines kostenlosen Anschlusses. Das sei später voraussichtlich nicht mehr der Fall.

Quelle: dpa

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