Mecklenburg-VorpommernErgebnisse der Umfrage zum Bürgergeld liegen vor

Einmal im Jahr kommt in MV das Erwerbslosenparlament zusammen. Diesmal stand das Leben mit Bürgergeld im Mittelpunkt.
Schwerin (dpa/mv) - Bezieher von Bürgergeld in Mecklenburg-Vorpommern haben in einer Umfrage des Erwerbslosenbeirats mehrheitlich angegeben, dass sie die Regelsätze als nicht ausreichend für ihren Lebensunterhalt empfinden. In der anonymen Befragung, deren Ergebnisse am Freitag im Erwerbslosenparlament im Schweriner Landtag vorgestellt wurden, beurteilten rund 79 Prozent die Sätze als nicht ausreichend. 31 Prozent gaben an, dass sich ihre finanzielle Situation durch die Einführung des Bürgergelds verbessert habe. Für 66 Prozent verbesserte sich die Einkommenssituation laut Auswertung nicht oder verschlechterte sich sogar.
Neben Verbesserungen beim Unterhalt und der Wohnsituation äußerten in dem Fragebogen rund 46 Prozent der Teilnehmer den Wunsch nach besserer Behandlung in den Jobcentern. Knapp 42 Prozent wünschten sich eine Arbeit in einer Firma, knapp 40 Prozent einen sogenannten Ein-Euro-Job. 39 Prozent hofften auf eine bessere Beratung. Mehrfachnennungen waren möglich.
Die nicht-repräsentative Umfrage unter 226 Betroffenen im Nordosten soll dem Erwerbslosenbeirat zufolge ein Ansatzpunkt für weitere Forschung sein. "Wir sehen das als Anstoß für die Politik und Wissenschaft im Land", sagte Jörg Böhm, Vorsitzender des Landesarbeitslosenverbands.
Der Erwerbslosenbeirat forderte von der rot-roten Landesregierung, einen aussagefähigen Armuts- und Reichtumsbericht vorzulegen. Christian Winter (SPD) sagte dazu, es müsse zunächst aufgearbeitet werden, welche Daten bereits vorlägen und welche neu erhoben werden müssten. "Aus meiner Sicht könnte das deutlich schneller gehen", entgegnete Henning Foerster (Linke). Die Linke habe bereits im Landtagswahlkampf einen Armutsbericht gefordert und setze sich weiter dafür ein.
Die Notwendigkeit einer solchen Statistik hatte zuletzt auch die Diakonie betont. Der Wohlfahrtsverband stellte im Oktober sein erstes Positionspapier zum Thema Armut vor.
Nach Angaben des Arbeitslosenverbandes waren im Oktober 2023 rund 60.500 Menschen im Nordosten arbeitslos, mehr als 41.000 bezogen Bürgergeld. Familienmitglieder eingerechnet lebten dem Verband zufolge mehr als 107.000 Menschen von oder mit Bürgergeld.