Mecklenburg-VorpommernFähre hat Eisschaden – Eisbrecher versorgt Hiddensee

Eis legt die Fähre lahm: Nun geht es nur noch mit Registrierung und per Eisbrecher zur Insel Hiddensee. Die Grundversorgung steht im Mittelpunkt, etwa für Chemotherapie-Patienten.
Vitte (dpa/mv) - Lebensmittel, medizinische Versorgung, nur unbedingt notwendige Fahrten und kein Touristenverkehr - das frostige Wetter und die Eisbildung an der Ostseeküste beschränken den Verkehr von und zur Insel Hiddensee auf ein Minimum. Weil die Fähre "Vitte" einen Eisschaden hat, müssen Reisende auf den Eisbrecher "Swanti" umsteigen. "Eine Überfahrt für Touristen und Gäste zur Insel Hiddensee ist aktuell nicht möglich", schrieb Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens auf seinem Whatsapp-Kanal. Menschen, die mitfahren wollen, müssen sich zuvor registrieren.
Im Winter 2010 musste die Insel zeitweise aus der Luft versorgt werden, weil die eigentlich eisgängige "Vitte" wegen der zugefrorenen Gewässer nicht fahren konnte und auch damals einen Schaden erlitten hatte. Damit es dieses Jahr nicht so weit kommt, soll die "Swanti" ab Donnerstag nicht mehr Schaprode auf Rügen anfahren, sondern den Ort Wittower Fähre. "Dort ist ja offenes Wasser", sagte Gens der Deutschen Presse-Agentur. So vermeide man eine "Materialschlacht" im zugefrorenen Schaproder Bodden.
Menschen müssen für Chemotherapie von der Insel
Einige Menschen seien auf die Fahrten von der Insel angewiesen. "Wir haben zum Beispiel Personen, die zur Chemotherapie müssen und wieder zurück." Auch die Post solle mit der "Swanti" kommen. Das Schiff, das auch schon zuvor im Rahmen eines eingeschränkten Eisfahrbetriebs als Eisbrecher im Einsatz war, hat laut Reederei Hiddensee Platz für maximal 20 Mitfahrer.
Regelmäßig auf dem Bodden unterwegs ist normalerweise Mathias Schilling, Landwirt und Gastwirt unter anderem auf Hiddensee und Rügen. Er wohnt mit seiner Familie direkt gegenüber von Schaprode auf einer kleinen Privatinsel. "Wir kommen rüber zu uns", sagte er der dpa. Sie hätten stets eine Rinne offengehalten. Aktuell sei dort auch kein Eis.
Rinder von Landwirt sind versorgt
Eigentlich habe er eines seiner Restaurants auf Hiddensee am Wochenende öffnen wollen. Das werde er aber verschieben. Es kämen aktuell weder Ware noch Touristen auf die Insel. "Ist schade, denn in Berlin beginnen die Winterferien." Seine Tiere seien versorgt. "Für die Rinder leben die Betreuer auf Hiddensee und Futter ist genug da."
Gegen Mittag kam nach Angaben von Bürgermeister Gens der erste Schlepper im Hafen von Vitte an und später auch die "Görmitz" des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ostsee. Die Schiffe sollten die "Vitte" noch am Mittwoch zur Reparatur nach Stralsund bringen.
Frühere Pläne für weitere eisgängige Fähre
Die "Görmitz" wurde nach Aussage von Gens mit Waren vollgepackt. "Das reicht erst mal ein paar Tage". Er hoffe, dass das Schiff auch in den kommenden Tagen zur Versorgung genutzt werden könne, etwa zweimal in der Woche. Die Abstimmungen dazu liefen aber noch. Die "Vitte" werde schätzungsweise sieben bis zehn Tage ausfallen. "Die genaue Dauer hängt vom Ergebnis der Untersuchung im Dock ab", schrieb er auf Whatsapp.
Sowohl die "Vitte" als auch die "Swanti" stammen laut Reederei aus den 1960er Jahren. Eigentlich war nach dem letzten Winter mit Versorgung Hiddensees aus der Luft angedacht, eine zweite eisgängige Fähre zu kaufen mit Unterstützung auch des Landes. Dieses Schiff sollte früheren Angaben zufolge bis zu 40 Zentimeter dickes Eis bewältigen können. Dem Vernehmen nach wurde davon jedoch wieder Abstand genommen wegen der höheren Betriebskosten für ein solches Schiff und angesichts vieler Jahre ohne nennenswerte Eisbildung.