Regionalnachrichten

Mecklenburg-VorpommernKinos kämpfen mit Kosten - Blockbuster als Umsatzbringer

08.02.2026, 05:02 Uhr
Kino-Saele-sind-oft-nur-bei-Blockbuster-Filmen-richtig-voll

Die Zahl der Kinos im Nordosten ist stabil, auch wenn die Besucherzahlen rückläufig sind. Ein Grund dafür ist, dass viele Menschen dem heimischen Sofa und dem Fernseh-Angebot den Vorzug geben.

Schwerin (dpa/mv) - Streamingdienste, verändertes Besucherverhalten und gestiegene Kosten setzen auch im Nordosten zahlreiche Kinos unter Druck. Zwar sei die Zahl an gewerblichen Kinos in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren stabil geblieben, sagte der Chef der gemeinnützigen Filmland GmbH, Volker Kufahl, der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings stünden die Filmtheater vor großen Herausforderungen. Gerade in strukturschwachen Regionen auf dem Land könnten gestiegene Kosten kaum über höhere Eintrittspreise ans Publikum weitergegeben werden. "Sprich: Die Umsätze stagnieren, die Kosten steigen."

Problematisch sei, dass der Umsatz der Kinos sich auf immer weniger Filme konzentriere, die einen erheblichen Anteil am Gesamtumsatz haben. Wenn die wenigen Blockbuster in einem Jahr ausblieben, ergebe das sofort einen erheblichen Besucher- und damit Umsatzverlust in dem Jahr. "Dadurch werden die Kinos immer abhängiger davon, diese Blockbuster zu spielen und die Konditionen der Majors wie Disney zu akzeptieren, die höhere Filmmieten - oft über 50 Prozent der Ticketeinnahmen - verlangen." Schwierig sei das für kleinere und Programmkinos, da Filme jenseits des Mainstreams es immer schwerer hätten, im Kino ihr Publikum zu finden.

Streamingdienst statt Kino?

2024 gab es in MV laut Filmförderungsanstalt FFA 80 Spielstätten, und damit im Vergleich zu 2020 nahezu keine Veränderung (79). Auch die Zahl der Leinwände in den Kinos blieb 2024 mit 143 konstant (2020: 143). Dagegen schrumpfte die Zahl der Tickets 2024 im Vorjahresvergleich um 2,7 Prozent auf knapp 1,6 Millionen. Immer noch ein gewaltiger Unterschied zur Pandemiezeit: Damals brachen die Besucherzahlen im Nordosten auf 683.000 (2020) ein.

Kufahl betont, das befürchtete Kinosterben sei damals ausgeblieben, da es erhebliche staatliche Unterstützung gegeben habe. Das sei in Form der Überbrückungshilfen, aber auch durch Hilfen der Bundesländer erfolgt. Bundesweit gebe es aber ein schleichendes Kinosterben, denn laut FFA sinke die Zahl der Leinwände seit der Pandemie. 2021 seien es noch 4.931 gewesen, 2024 nur noch 4.842.

Kinos seien auf ein exklusives Auswertungsfenster für die Filme angewiesen, und dieses Zeitfenster sei durch die Streamer unter massivem Druck, gab Kufahl zu bedenken. Gerade US-Produktionen landeten immer schneller nach dem Kinostart in der Heimauswertung und im Streaming.

"Durch die beabsichtige Übernahme von Warner Bros. durch Netflix wird sich dieses Problem weiter verstärken", befürchtet Filmtheaterkaufmann Kufahl, der auch Künstlerischer Leiter des Filmkunstfestes MV ist. Während der Pandemie habe sich das Publikum an die Streamingdienste gewöhnt und das Kino dadurch viele Gäste verloren. Es zeichne sich immer mehr ab, dass diese Veränderung dauerhaft sei.

Quelle: dpa

Regionales