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Sachsen-AnhaltWenn die Pflanzen im Gartenreich Winterschlaf halten

08.02.2026, 04:01 Uhr
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300 Pflanzen im Park von Schloss Oranienbaum dürfen im Winter nicht draußen bleiben. In der Orangerie wird sich liebevoll um sie gekümmert.

Dessau-Wörlitz (dpa/sa) - Ist es hier zu warm? Oder vielleicht zu kalt? Ist die Erde überall ausreichend nass, aber nicht zu nass? Stimmt die Luftfeuchtigkeit? Und wo muss mal wieder geschnitten werden? In der Orangerie des Gartenreichs Dessau-Wörlitz sind das derzeit die Fragen, um die sich alles dreht. Mehrere Hundert Pflanzen schlafen dort gerade ihren Winterschlaf - und werden währenddessen von vier Mitarbeitenden liebevoll und individuell angepasst gepflegt und gehegt.

Unter den kälteempfindlichen Pflanzen sind echte Urgesteine. Palmen, die möglicherweise weit über 100 Jahre alt sind, mehrere Zitrusbäume von 1933. Die Orangerie in Oranienbaum ist mit 176 Metern Länge eine der größten ihrer Art in Europa. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert errichtet.

Beginn des Winterschlafs je nach Temperatur

Nicht immer ist klar, seit wann die Pflanzen in der Orangerie im Park von Schloss Oranienbaum sind. "Manchmal kann man das nur über die Erinnerungen von Mitarbeitern rekonstruieren", erklärt Nadine Hussock. Sie ist seit Kurzem die Bereichsleiterin für den Park Oranienbaum. Er ist Teil des Gartenreichs, das seit 2000 zum Unesco-Welterbe gehört.

Wann die Pflanzen zum Überwintern in die Orangerie gebracht würden, sei immer abhängig von den Temperaturen. "Manche Pflanzen können länger draußen bleiben als andere", so die gelernte Gärtnerin im Zierpflanzenbau. Bis zum Ende jedes Jahres finde aber auch die letzte Kübelpflanze ihren Platz in der Orangerie.

Gärtnerei in Perfektion

Ihre Arbeit ist für Hussock eine Bereicherung. Manchmal geht es ruhig zu, manchmal müssen die vier Pflanzenpfleger aber auch schnell sein. "Zum Beispiel bei Sonneneinstrahlung heizt sich die Orangerie schnell auf und es muss über Fenster und Tore gelüftet werden." Sichergestellt werden muss, dass die Temperatur nie unter sechs oder über acht Grad liegt.

Die idealen Bedingungen in der Orangerie sollen ermöglichen, dass die Vegetation der Pflanzen möglichst nicht angeregt wird. Außerdem sollen sie vor Schädlingen und Krankheiten geschützt werden. Möglichst perfekt sollen die Pflanzen aussehen. Am besten sind immer eine Blüte, eine unreife und eine reife Frucht gleichzeitig zu sehen. Gärtnerei in Perfektion.

In der Vergangenheit war es nicht immer einfach, Nachwuchs zu finden, den diese Perfektion genauso fasziniert wie Hussock und ihr Team, wie die Gärtnerin erzählt. Für 2027 suchen sie derzeit wieder einen Auszubildenden.

Im Sommer wird es leer in der Orangerie

Wenn der Sommer langsam wiederkommt und die Eisheiligen verstrichen sind, werden die Pflanzen wieder nach draußen an ihren Sommerstandort gebracht. Das nimmt wieder einige Tage in Anspruch. Die Kübel der Pflanzen werden in der Waage ausgerichtet. Runde Kübel werden mit Erdnägeln vor Sturmschäden gesichert.

Und dann ist der Dienst in der Orangerie nahezu erledigt. Nach der Ausfuhr der Pflanzen werde dort noch umgekübelt, sagt Hussock. Doch ansonsten ist es leer in den Winterschlafgemächern. Zumindest die meiste Zeit. Denn immer wieder mal finden in der Orangerie im Sommer auch Hochzeiten, Geburtstage und Schulfeste statt. Bis sich der Winter erneut ankündigt.

Quelle: dpa

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