Mecklenburg-VorpommernSchwerin gegen Denkmalschutz für Lenin-Statue

Das Votum der Schweriner Stadtvertreter ist eindeutig: Sie wollen die 3,50 Meter große Bronzestatue für den Gründer der Sowjetunion nicht unter Schutz stellen. Wie geht es jetzt weiter?
Schwerin (dpa/mv) - Nach dem Nein der Schweriner Stadtvertretung zum Denkmal-Status für die 3,50 Meter große bronzene Lenin-Statue im Plattenbaugebiet Großer Dreesch ist jetzt die Denkmalschutzbehörde des Landes am Zug. Sie hatte unter Verweis auf die Geschichte im vergangenen Jahr den Denkmalwert der Statue festgestellt. Die Landeshauptstadt war aufgefordert worden, zur beabsichtigten Eintragung in die Denkmalliste Stellung nehmen, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilte.
"Die Stadt wird jetzt die obere Denkmalschutzbehörde über das Votum der Stadtvertretung informieren", so die Sprecherin. Die Behörde des Landes werde danach über die Eintragung entscheiden. Sollte die Entscheidung des Landes der Stadt missfallen, kann sie dagegen vor Gericht ziehen.
Deutliche Mehrheit gegen Denkmalschutz für Lenin-Statue
Die Stadtvertretung hatte am Montagabend ihrem Büro zufolge mit 24 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung festgestellt, dass die Lenin-Statue für viele politisch Verfolgte, Angehörige und Opferverbände ein Symbol für Repression, Gewalt und Entrechtung darstelle. Aus den Erfahrungen dieser Menschen erwachse eine besondere Sensibilität und historische Verantwortung, heißt es im Beschluss.
Der Oberbürgermeister, dessen Neuwahl zu am 12. April ansteht, wurde von der Stadtvertretung aufgefordert, sich bei der Denkmalschutzbehörde des Landes "entschieden" gegen eine Eintragung der Statue in die Denkmalliste auszusprechen.
"Die Stadtvertretung stellt klar, dass eine Unterschutzstellung in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll ist und einer Aufarbeitung der historischen Belastungen zuwiderlaufen würde", heißt es in dem Beschluss weiter. Den Antrag hatten die Grünen gestellt.
Denkmalbehörde: Dokument für DDR-Geschichte
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege spricht in seiner Begründung für den Denkmalschutz von einem hohen historischen Zeugniswert des Lenin-Denkmals. "Es besitzt damit ein nationales Alleinstellungsmerkmal als Dokument für die Geschichte der DDR."
Auch der zurückgetretene Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) hatte die Unterschutzstellung des umstrittenen Denkmals positiv gesehen. "Infolge der Dezimierung politischer Kunst aus DDR-Zeiten im Schweriner Stadtraum stellt das Lenin-Standbild auch ein wichtiges kulturelles und politisches Zeugnis der jüngeren deutschen Vergangenheit dar", hatte er gesagt. "Nur wenn es erhalten wird, besteht auch weiterhin die Chance zur konstruktiven Auseinandersetzung mit unserer jüngeren Geschichte."
In Gefängnishof stellen?
Kritisch hatten sich hingegen die Autorin Grit Poppe ("Weggesperrt") und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk ("Freiheitsschock") geäußert. Sie unterschrieben einen offenen Brief, in dem ein anderer Umgang mit der 3,50 Meter hohen Bronzeplastik aus dem Jahr 1985 gefordert wird.
"Wir wollen Geschichte nicht entsorgen", heißt es in dem Schreiben aus dem vergangenen Herbst. "Daher regen wir an, die Lenin-Statue zu entfremden, mit Pflanzen überwuchern zu lassen oder mit entsprechenden Hinweistafeln im Innenhof des ehemaligen KGB-Gefängnisses am Demmlerplatz in Schwerin aufzustellen." Unterschrieben hatte den Brief auch der Leiter der Dokumentationsstelle Dresden/Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Bert Pampel.