Mecklenburg-VorpommernStralsunder Werftarbeiter mit Blei kontaminiert

Auffällige und teils zu hohe Bleiwerte hat das für Arbeitsschutz zuständige Landesamt bei Schiffbauern festgestellt. Die Behörde vermutet einen Zusammenhang mit ihrer Arbeit in Stralsund.
Stralsund (dpa/mv) - Ehemals beim Schiffbauer Fosen auf der Stralsunder Werft beschäftigte Arbeiter sind mit Blei kontaminiert. 19 Arbeiter seien betroffen, teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) auf Anfrage mit. Bei neun sei ein erhöhter Wert über dem biologischen Grenzwert ermittelt worden. Der Behörde zufolge wurde die Kontamination mit hoher Wahrscheinlichkeit im Herbst 2023 durch das Entfernen von Farbanstrichen verursacht. Dem Lagus sei bekannt, dass damals an den Traditionsseglern "Gorch Fock 1" und "Greif" gearbeitet worden sei. Zuvor hatte der NDR berichtet.
Vergangene Woche habe man die Stadt Stralsund, der das Gelände wie auch die "Gorch Fock 1" gehört, aufgefordert, alle Mieter der betroffenen Schiffbauhalle über eine mögliche Belastung zu informieren. Außerdem sei als Vorsichtsmaßnahme bis auf weiteres die Anzahl der Menschen in der Halle so gering wie möglich zu halten. Sie müssten zudem mit Partikelfilter-Atemschutz arbeiten.
Untersuchungen nach akuten Beschwerden
Das Lagus hatte Blut der Arbeiter nach eigener Aussage wegen akuter Beschwerden untersuchen lassen. Von Bleianstrichen könnten in Abhängigkeit vom Aufnahmeweg unterschiedliche akute Beschwerden, etwa im Magen-Darm-Bereich, oder chronische Gesundheitsgefahren, wie Herz-Kreislauf-Probleme, Beeinträchtigungen des Nervensystems oder Krebsgeschehen resultieren.
Der biologische Grenzwert (BGW) gebe an, bis zu welcher Konzentration die Gesundheit von Beschäftigten im Allgemeinen nicht beeinträchtigt werde. Aus einer alleinigen Überschreitung des BGW könne nicht notwendigerweise eine gesundheitliche Beeinträchtigung abgeleitet werden: "Hinweise auf chronische Verläufe liegen im Moment nicht vor."
Die Mitarbeiter arbeiteten im fraglichen Zeitraum für die inzwischen insolvente Stralsunder Tochter des norwegischen Schiffbauers Fosen Yard. Laut Lagus hat die Stadt ein Gutachten zur Bleibelastung in der Werft in Auftrag gegeben. "Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden von der Hansestadt Stralsund, sofern erforderlich, geeignete Maßnahmen veranlasst. Darüber wird die Öffentlichkeit informiert", teilte die Stadt Stralsund am Abend mit.