Mecklenburg-VorpommernSuccow-Stiftung: Naturschutz wird zur politischen Kraft

Die Naturschutzstiftung des Greifswalder Biologen Michael Succow besteht seit 20 Jahren. Die anfangs mit wenig Kapital ausgestattete Stiftung ist zu einer weltweit tätigen Institution herangewachsen.
Greifswald (dpa/mv) - Der zivilgesellschaftlich organisierte Naturschutz entwickelt sich nach Ansicht der Vorsitzenden von Transparency International Deutschland, Edda Müller, zunehmend zu einer politischen Kraft. In ihrer Festrede zum 20-jährigen Bestehen der Michael Succow Stiftung in Greifswald sagte die frühere Umweltministerin Schleswig-Holsteins, unverzichtbar für Erfolge im politischen Prozess seien Persönlichkeiten wie Michael Succow. Zu den Verdiensten des heute 78-jährigen Biologen zählte sie zuerst, dass er und seine Mitstreiter kurz vor Toresschluss in der DDR 14 Großschutzgebiete ausweisen ließen.
1999 setzte Succow sein Preisgeld vom Alternativen Nobelpreis ein, um eine Naturschutzstiftung zu gründen, die heute weltweit aktiv ist. Müller als Vorsitzende einer Antikorruptionsorganisation sagte, der Satz "Korruption tötet" gelte nicht nur für die Menschen in militärischen Krisenregionen, sondern auch für die Ausrottung seltener Arten im Tierreich. Artenschutz sei mindestens so ein Problem wie der Klimawandel, erklärte Müller. Sie sehe die Chance für die Naturschutzpolitik, bei der Bewältigung drängender Probleme insbesondere in der Landwirtschaft, im Konsum und Klimaschutz zu helfen. Dazu seien Bündnisse mit Akteuren aus anderen Politikbereichen nötig. Als beispielhaft nannte sie das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen" in Bayern. Ein Anliegen ihrer Organisation sei zudem die Regulierung des derzeitigen Lobbyunwesens etwa in der Agrarpolitik.
Michael Succow sagte, er sei vor 20 Jahren etwas blauäugig an den Aufbau der Naturschutzstiftung gegangen. 50 000 Euro seien eigentlich kein Kapital dafür. Doch seine Idee hat es in 20 Jahren vom heimischen Küchentisch zu einer Stiftung geschafft, die sich weltweit für Moor- und Klimaschutz, die Entwicklung von Schutzgebieten sowie für eine zukunftsfähige Landnutzung engagiert. Zur Bilanz gehören 20 ausgewiesene Schutzgebiete und 20 000 Hektar wiedervernässte Moore. An rund 100 Projekten in 15 Ländern ist die Stiftung beteiligt. In Greifswald beschäftigt sie 30 Mitarbeiter.
Viele Sponsoren und Netzwerke hätten der Stiftung geholfen, sagte Succow. So gebe es enge Kontakte zu Unternehmern wie Michael Otto, zur Universität Greifswald und zur Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Brandenburg). Ausländische Stipendiaten im Umweltbereich würden in ihren Ländern zu Multiplikatoren für die Ideen zur Bewahrung der verschiedensten Ökosysteme werden. Es geht nicht nur um die Wiedervernässung von Mooren, sondern auch um den Schutz von Wüsten und Steppen oder von Mangrovenwäldern sowie um die Schaffung von Nationalparks und Biosphärenreservaten. Ein "Kind" der Stiftung ist Succow zufolge das Greifswalder Moorzentrum, das zu einer führenden Einrichtung im weltweiten Moorschutz geworden sei und an Wiedervernässungen in Indonesien, China und Weißrussland beteiligt sei. Dies sei nicht ohne die lokale Bevölkerung möglich, die dort lebt und arbeitet. Die Stiftung suche daher die Verbindung zu Kirchen und religiösen Gruppen, sozialen Organisationen und Unternehmen. "Wir haben gelernt, immer komplex und vielfältig zu denken", sagte Succow.
Michael Succow Stiftung