Mecklenburg-VorpommernWein-Rekordernte in MV - Anbau soll ausgeweitet werden

Auf 43 Hektar wachsen heute im Nordosten Reben. Die Aussichten für den Jahrgang 2026 sind gut. Die Anbauer haben Appetit auf mehr.
Schwerin (dpa/mv) - Wird Mecklenburg-Vorpommern ein ernstzunehmendes Weinanbauland? Seit den ersten 500 Rebstöcken, die Enthusiasten 1999 am Schloss Rattey (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) pflanzten, hat sich viel getan. Dieses Jahr rechnet Weingut-Leiter Sebastian Schmidt mit einer Rekordernte. Die Lese von den inzwischen 175.000 Rebstöcken stehe kurz vor dem Abschluss, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er rechnet mit bis zu 150.000 Liter Wein - ein Rekordergebnis.
16 Weinbaubetriebe in MV
Die Ratteyer weiteten ihre Rebflächen immer weiter aus - auf bis heute rund 36 Hektar. Damit gilt das Weingut als das größte in Norddeutschland. Schrittweise kamen auch Andere in MV auf den Geschmack. Nach Angaben des Agrarministeriums sind derzeit 16 Weinbaubetriebe im Nordosten aktiv. Sie seien über das ganze Bundesland verteilt, wobei im Osten mehr Weinbau betrieben werde.
Laut deutschem Weingesetz dürfen jedes Jahr Rechte für rund fünf Hektar neue Weinanbau-Fläche im Bundesland vergeben werden. Die bundesweite Rebfläche - derzeit etwa 100.000 Hektar - darf jährlich nur um 0,3 Prozent wachsen.
"Mittlerweile bestehen in MV Pflanzrechte im Umfang von 67,2 Hektar", hieß es aus dem Agrarministerium. Davon seien 43,2 Hektar bepflanzt und 24 Hektar noch nicht. Das soll sich ändern: Das Weingut Rattey will im kommenden Frühjahr junge Rebstöcke auf 18 Hektar setzen, wie Leiter Schmidt sagte.
Große Vielfalt an Weinsorten
In Mecklenburg-Vorpommern werden dem Ministerium zufolge mittlerweile 34 Rebsorten angebaut. Darunter seien auch neue Züchtungen, sogenannte Piwi-Weine. "Das sind Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, die durch natürliche Kreuzungen gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau geschützt sind", erläuterte eine Ministeriumssprecherin. Sie benötigten bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel. Am häufigsten wachsen in MV den Angaben zufolge die Rebsorten Solaris (5,3 Hektar), Johanniter (4,86 Hektar), Regent (4,58 Hektar), Sauvignon Gris (4,31 Hektar) und Muscaris (4,26 Hektar).
Jahrgang 2026 vielversprechend
Der Jahrgang 2026 gilt als vielversprechend. "Die Weinbauern erwarten in diesem Jahr eine bessere Ernte als im Vorjahr", sagte die Ministeriumssprecherin. Anders als im Vorjahr habe es in diesem Jahr keine Spätfröste gegeben. Trockenheit während der Wachstumsphase der Beeren habe zu kleineren Früchten und weniger Most-Ausbeute geführt. Die Traubenqualität allerdings, die sich am Zuckergehalt bemisst, werde als gut bis sehr gut eingeschätzt.
Im Vergleich zu den etablierten Weinanbauregionen Deutschlands fristet Mecklenburg-Vorpommern noch ein Nischendasein. In Rheinland-Pfalz etwa, dem führenden Bundesland beim Weinanbau, wachsen Reben auf mehr als 60.000 Hektar. In Sachsen sind es rund 500 Hektar.