Niedersachsen & Bremen"Wir bangen um unsere Verwandten"

Tausende Tote und Zehntausende Festnahmen im Iran – das löst auch in Niedersachsen Entsetzen aus. Der frühere DGB-Landeschef Payandeh berichtet von der Angst vieler Familien um ihre Angehörigen.
Hannover (dpa/lni) - Die angespannte Lage im Iran versetzt den früheren Niedersachsen-Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Mehrdad Payandeh, in große Sorge. "Wir bangen um unsere Verwandten", sagte der 1985 aus dem Land geflohene Gewerkschafter der Deutschen Presse-Agentur.
Bei den jüngsten schweren Unruhen im Iran wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen Tausende Menschen getötet. Zudem soll es Zehntausende Festnahmen gegeben haben. Um eine Verbreitung von Informationen über Demonstrationen und Opfer zu verhindern, hat die iranische Führung bereits vor mehreren Wochen weitreichende Telefon- und Internetsperren veranlasst.
"Oder sind sie bereits tot?"
"Im Blackout werden Menschen regelrecht getötet", sagte Payandeh. Die Unsicherheit treffe viele Iranerinnen und Iraner im Ausland mit Angehörigen im Iran. "Wir erfahren nichts. Lebt mein Bruder noch, sehe ich meine Eltern wieder? Oder sind sie bereits tot?"
Nach seiner Einschätzung wünschen sich sowohl im Iran als auch im Ausland viele einen "Regimewechsel" – auch mit Hilfe von außen. "Appelle an das Regime will keiner mehr hören. Ich auch nicht", sagte der 65-Jährige. Es brauche eine starke Allianz der westlichen Demokratien "gegen dieses Mörderregime".
Landtag setzt Zeichen für protestierende Iraner
Payandeh fordert unter anderem, Botschafter auszuweisen, Vermögen von Regimeangehörigen einzufrieren, Oppositionelle zu unterstützen und die Revolutionsgarden auf die EU-Terrorliste zu setzen. "Das trifft das Regime hart."
Der niedersächsische Landtag beschloss heute einstimmig eine Resolution, um sich solidarisch mit den Menschen im Iran zu zeigen. "Der Landtag verurteilt das brutale Vorgehen des Regimes in Iran auf das Schärfste", heißt es darin. Die Landesregierung soll sich demnach auf Bundesebene und europäischer Ebene für schärfere Sanktionen gegen die Verantwortlichen einsetzen.