Nordrhein-Westfalen"Angsthasenfußball" und "Kopfkino": Ratlosigkeit in Gladbach

Borussia Mönchengladbach verliert auch das sechste Spiel der Saison. Nur drei Vereine sind in der Bundesliga-Historie genauso schlecht gestartet wie die Fohlenelf. Der alleinige Negativrekord droht.
Mönchengladbach (dpa/lnw) - Nach der sechsten Niederlage im sechsten Bundesliga-Spiel bewegte sich die Stimmungslage im Gladbacher Borussia-Park irgendwo zwischen Ratlosigkeit und Fassungslosigkeit. Während zur Halbzeitpause noch Pfiffe und "Wir wollen euch kämpfen sehen"-Rufe durch das Stadion hallten, herrschte nach der 1:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim in weiten Teilen der Gladbacher Nordkurve betretenes Schweigen, als die Mannschaft vor die treuen Fans trat. Ein gefährliches Zeichen im Kampf um den Abstieg?
"Ist es jetzt ein Schweigen, ist es jetzt ein Auspfeifen, ist es ein Wegschicken? Sie dürfen frustriert sein", sagte ein ebenso ratlos wirkender Alexander Blessin nach der Partie zur Reaktion der Fans. Von einem Trainereffekt scheint bereits nach dem zweiten Spiel unter Blessin in Mönchengladbach nur noch wenig übrig zu sein. Durch den nächsten Rückschlag hat die Fohlenelf den Bundesliga-Negativrekord von sechs Niederlagen zum Saisonstart eingestellt.
In der Bundesliga-Historie starteten bisher nur Fortuna Düsseldorf (Saison 1991/92), der FSV Mainz 05 (2020/21) und der VfL Bochum (2022/23) mit sechs Niederlagen in die neue Saison. Noch kein Verein verlor die ersten sieben Partien in einer neuen Bundesliga-Spielzeit.
Blessin: "Das ist Angsthasenfußball"
Der neue Gladbacher Cheftrainer Blessin zeigte sich nach seinem ersten Heimspiel als Coach der Fohlenelf vor allem von der Herangehensweise seiner Mannschaft in manchen Spielphasen frustriert. "Das ist Angsthasenfußball. Wenn wir jeden Pass nach hinten spielen. Das kann nicht sein, das habe ich auch den Jungs gesagt", sagte der Gladbacher Trainer und zählte die Schwachstellen seiner Borussia auf. "Wir müssen über Zweikämpfe reden. Wir müssen über Ballverluste reden, die einfach dumm sind. Wir sind sehr, sehr behäbig. Wir zirkulieren nicht den Ball."
Im Kellerduell zwischen dem Letzten und dem Vorletzten reagierten die Fohlen nach der Niederlage im Rheinderby in der vergangenen Woche zu Spielbeginn nicht wie erhofft. Nach dem frühen Treffer von Hoffenheims Bambasé Conté (11. Minute) gerieten die Gladbacher wieder einmal in Rückstand und hatten Glück, dass die Gäste aus Hoffenheim vor der Pause nicht noch erhöhten.
Ebenso ratlos, wie viele am Sonntagabend im Borussia-Park wirkten, zeigte sich auch Schlussmann Moritz Nicolas, der im zweiten Durchgang weitere Hoffenheimer Tore verhinderte. "Aktuell ist jedes Wort zu viel", sagte der Gladbacher Torwart. "Wir müssen einfach zwingend schauen, dass wir Punkte holen und das sehr schnell."
Alleiniger Bundesliga-Negativrekord droht
Ein kleines bisschen Hoffnung machte am Sonntagabend zumindest die Reaktion der Mannschaft auf die Pfiffe zur Halbzeitpause. Die Fohlenelf zeigte zu Beginn des zweiten Durchgangs ein anderes Gesicht und glich nach einer kurzen Druckphase durch den 17-jährigen Wael Mohya zwischenzeitlich aus. Der Jubel war aber nur von kurzer Dauer: Alexander Prass stellte die Hoffenheimer Führung fünf Minuten später wieder her.
Die nächste Chance auf die ersten Punkte der Saison bietet sich bereits am Freitagabend (20.30 Uhr/Sky). Zum Auftakt des 7. Spieltags wartet auf die Borussia beim Traditionsduell mit Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart allerdings eine schwere Auswärtsaufgabe.
Verliert Mönchengladbach auch bei den Schwaben, wäre der Negativrekord für den schlechtesten Saisonstart der Bundesliga-Geschichte nicht mehr nur eingestellt, sondern läge allein bei den Borussen. "Jetzt geht das Kopfkino ja ein Stück weit dann los", sagte Gladbachs Sportchef Rouven Schröder. "Wir haben noch keinen Punkt. Das macht ja was mit einem."