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Nordrhein-WestfalenDer kleine Reise-Atlas der NRW-Politik und was er uns verrät

27.07.2026, 06:02 Uhr
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Pilze statt Promi-Strand: Das NRW-Kabinett dokumentiert mit seinen Urlaubsplänen eine gewisse Bodenhaftung. Von Vogelkunde in Schweden bis Punkrock an der Ostsee – ein Blick in die Ferien-Akten.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Malediven, Kreuzfahrt, Champagner? Fehlanzeige. Es ist Ferienzeit in Nordrhein-Westfalen – aber wer abfragt, wohin es die Ministerinnen und Minister der Landesregierung verschlägt, landet tendenziell nicht auf dem Sonnendeck, sondern eher im Wald. Das Motto: Lieber Champignons sammeln als Champagner schlürfen.

Die Deutsche Presse-Agentur hat die Urlaubsziele des Landeskabinetts abgefragt und Antworten erhalten. Bedenken muss man dabei natürlich, dass Politiker wissen, dass selbst Urlaub irgendwie politisch ist. Wer erzählt, was er in den Ferien macht, sendet damit immer auch eine Botschaft an die Wähler. Entsprechend überbetont volksnah können manche Antworten ausfallen.

Trotzdem lassen sich interessante Muster erkennen: Viele erzählen von familiären Traditionen, Urlaubszielen ganz in der Nähe und auffallend geerdeten Hobbys. Fernreisen fehlen komplett. Eine kurze Urlaubsanalyse.

Bewegung statt Sonnenliege

Wer regelmäßig über Nordrhein-Westfalens mehr oder minder gut ausgebaute Radwege strampelt, dürfte sich freuen, im Landeskabinett einige Pedalfreunde zu wissen. Mehrere Kabinettsmitglieder berichten von Radtouren im Urlaub – Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und Familienministerin Verena Schäffer (Grüne).

Bewegungsmangel droht im Landeskabinett in diesen Sommerferien jedenfalls nicht. Schäffer etwa, die mit ihrer Familie an die deutsche Ostseeküste reist, freut sich nach eigenen Angaben zudem auf schöne Joggingstrecken "mit einer leichten Brise Ostseewind um die Nase und den Toten Hosen auf den Ohren". Die Düsseldorfer Band um Sänger Campino ("Tage wie diese") scheint es dem politischen NRW-Spitzenpersonal angetan zu haben. Erst vor einigen Tagen postete Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) ein Foto von sich im legeren Hemd bei einem Konzert ("Diese Band verbindet Menschen").

Schäffers Playlist zeigt also: Auch im Urlaub bleibt Nordrhein-Westfalen mindestens auf den Kopfhörern präsent.

Nerdalarm

Einige Minister berichten von ungewöhnlich spezifischen Interessen, denen sie im Urlaub nachgehen wollen. Wenig davon klingt nach dem typischen Aufsatz "Was ich in den Sommerferien gemacht habe", den man früher in der Schule schreiben musste ("Ich war schwimmen").

Karl-Josef Laumann etwa, der seinen Urlaub nach Ministeriumsangaben "überwiegend zu Hause" verbringt, will sich seiner kleinen "Hobby-Landwirtschaft" widmen. "Da ist immer was zu tun", erklärt er.

Noch differenziertere Pläne verfolgt Oliver Krischer. Während andere im Urlaub nach dem besten Eis suchen, hält der Verkehrsminister Ausschau nach sogenannten Prachttauchern.

Krischer fahre mit seiner Frau und Freunden wie schon oft in den vergangenen Jahren nach Småland in Schweden, teilt sein Ministerium mit. Dort stehe am Rande eines kleinen Weilers ein Sommerhaus von schwedischen Bekannten. "Das ist Ruhe und Idylle pur mit vielen Champignons und Heidelbeeren zum Selbersammeln im Wald hinter dem Haus."

Krischer möchte dort seiner Leidenschaft für Vogelkunde nachgehen. "Als Hobby-Ornithologe sehe ich sofort nach, ob die Fischadler erfolgreich gebrütet haben und die Prachttaucher auch dieses Jahr wieder auf dem See sind", berichtet er. Dabei handele es sich um eine große, spektakulär gefärbte nordische Wasservogelart. Ferner suche er nach Haselhuhn, Raubseeschwalbe und Sperlingskauz. "Dass das Kranich-Paar im moorigen Wald hinter dem Haus erfolgreich gebrütet hat, habe ich aus dem Dorf schon gehört."

Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) brach seinen Frankreich-Urlaub jüngst bereits ab. Er reiste zurück nach NRW, weil es Hinweise auf einen geplanten gewaltsamen Aufstand von Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg gegeben hatte. Zuvor hatte er aber mitgeteilt, dass er in diesem Jahr die Bretagne und die Normandie bereisen wollte. "Als großer Liebhaber von Kirchen haben die beiden Regionen für mich viel zu bieten."

Europa genügt

Die Minister, die Auskunft gaben, bleiben in Deutschland oder im europäischen Umland. Der Radius des Kabinetts ist relativ überschaubar. Interkontinentalflüge sucht man vergeblich.

Selbst innerhalb Europas zieht es die meisten nicht unbedingt an die Mittelmeerküste. Auch Medienminister Nathanael Liminski (CDU) reist in die Bretagne. Schon seit seiner Kindheit verbringe er die Sommerferien dort in einem kleinen Ort. "Ich freue mich sehr, diese Tradition heute mit meiner Frau und unseren vier Kindern fortsetzen zu können und dort auch in diesem Jahr wieder ein paar schöne und entspannte Tage zu erleben", erklärt der Staatskanzlei-Chef.

Am weitesten Richtung Süden zieht es noch Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Nach einer Sommertour "gönne" sie sich ein paar Tage Bayern, teilt sie mit. "Berge, Brezn, Seen, Familie – dort bin ich groß geworden, und das lässt einen nie ganz los." Und danach? Folgt immerhin noch "ein bisschen Italien".

Keine Auskunft

Einige Kabinettsmitglieder erklärten auch, dass sie keine Auskunft über ihre Pläne geben. Bei Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) heißt es, der Terminkalender sei vertraulich. Das Innenministerium von Herbert Reul (CDU) teilt mit, dass man aus Sicherheitsgründen die Aufenthaltsorte des Ministers nicht kommuniziere. "Wir bitten um Verständnis, dass wir grundsätzlich keine Auskunft zu möglichen Urlaubsreisen des Ministerpräsidenten geben", erklärt ein Sprecher aus der Staatskanzlei von Hendrik Wüst.

In diesen Fällen darf man als ebenso neugieriger wie interessierter Wähler dennoch Hoffnung hegen. Reul und Wüst etwa gelten als durchaus aktiv in den sozialen Netzwerken. Reul zum Beispiel tauchte im vergangenen Sommer plötzlich im roten Poloshirt auf einem italienischen Platz bei Instagram auf.

Manchmal liefert die Landesregierung ihre Reiseberichte eben erst nachträglich.

Quelle: dpa

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