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Niedersachsen & BremenGrasmilben im Norden besonders aktiv – wie schützt man sich?

11.09.2026, 05:02 Uhr
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Bisse von Grasmilben sind lästig und jucken über Tage oder sogar Wochen. Wo lauern die kleinen Plagegeister und wie kann man sich schützen?

Hannover (dpa/lni) - Sie sind klein, rot und lauern auf Grashalmen: In Niedersachsen sind Grasmilben besonders stark verbreitet. Denn die kleinen Plagegeister leben vor allem auf Grünflächen. Niedersachsen vereint große Wiesen- und Weideflächen, feuchte Niederungslandschaften und zahlreiche Hausgärten. Dadurch finden Herbstgrasmilben zwischen Nordseeküste, Mooren, Heidegebieten und Flusslandschaften vielerorts ideale Lebensbedingungen.

Trockenheit und Wärme wie die zunehmend warmen Sommer im Land sind zudem ideale Bedingungen für die Ausbreitung dieser Spinnentiere. Ihre Bisse verursachen stark juckende Pusteln. Was sagen das Niedersächsische Landesgesundheitsamt und der Nabu-Landesverband?

Wann sind Grasmilben aktiv?

Die winzigen Larven der Grasmilben sind vor allem im Spätsommer und Herbst aktiv, man trifft auf sie aber von März bis Oktober. "Sie sitzen auf den Spitzen der Grashalme und lassen sich einfach abstreifen, wenn Mensch oder Tier vorbeiläuft", sagt Masyar Monazahian, Virologe am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLG). Sobald die Grasmilben-Larven ihren Wirt erreicht haben, wandern sie an den Beinen oder Armen hoch, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben.

Wo beißen Grasmilben zu?

"Am liebsten beißen Grasmilben an Körperstellen mit dünner Haut zu - beispielsweise in der Leistengegend oder in der Kniekehle", erklärt der Virologe. Wenn die Beschwerden beginnen, sind sie häufig bereits wieder abgefallen oder wurden abgestreift. Genaugenommen ritzen die Larven der Grasmilben die oberste Hautschicht an und geben Speichel ab, um Gewebeflüssigkeit aufzunehmen. Dieser Speichel löst die juckende Hautreaktion aus.

Sind die Bisse gefährlich?

"Die Bisse sind meist nicht gefährlich, aber unangenehm, da sie sehr stark jucken und Pusteln hervorrufen können, die mehrere Tage anhalten können", sagt Monazahian. In Europa gelten Grasmilben, die auch Erntemilben genannt werden, nicht als Überträger ansteckender Krankheiten. Auch in Niedersachsen seien keine ansteckenden Erkrankungen bekannt. Problematisch können jedoch aufgekratzte Hautstellen werden, wenn Bakterien eindringen und Entzündungen hervorrufen, wie Lamin Neffati, Pressesprecher des Nabu-Landesverbands Niedersachsen, erklärt.

Wo treten Grasmilben auf?

Die Larven leben vor allem in Wiesen, Weiden, Grünflächen, Gärten und anderen Flächen mit niedriger Vegetation. Gerade davon gibt es in Niedersachsen aufgrund der ausgeprägten Grünland- und Weidewirtschaft besonders viele. Regionen wie das Emsland, die Elbmarschen, das Weserbergland oder auch weite Teile der Heide- und Moorlandschaften bieten der Grasmilbe ein dichtes Netz geeigneter Lebensräume.

Ihr Auftreten kann sehr kleinräumig sein: Ein Garten oder eine Wiese kann stark betroffen sein, während auf einer benachbarten Fläche kaum Tiere vorkommen. Ursache dafür sind laut Nabu vermutlich Unterschiede im Mikroklima und in der Beschaffenheit des Bodens und der Vegetation.

Wer ist besonders gefährdet?

"Grundsätzlich können alle Menschen betroffen sein, die sich auf befallenen Rasen- oder Wiesenflächen aufhalten", erläutert Neffati. Besonders häufig treffe es daher Kinder, die im Gras spielten, Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer sowie Menschen, die beruflich oder in ihrer Freizeit viel in niedriger Vegetation unterwegs seien. Auch Hunde und Katzen können befallen werden.

Die Grasmilbe ist ursprünglich kein "Menschenparasit", sondern Teil eines ökologischen Gefüges aus Grasflächen, Wildtieren und Weidetieren. In Niedersachsen mit seinen zahlreichen Weiden, Pferdehaltungen sowie Rinder- und Schafbeständen findet sie laut Nabu daher zusätzlich günstige Bedingungen vor.

Wie äußern sich Bisse von Grasmilben?

"Die Hautreaktion zeigt sich meist erst einige Stunden nach dem Aufenthalt im Freien", erklärt Neffati. Typisch seien kleine, gerötete und stark juckende Knötchen oder Quaddeln, die häufig in Gruppen auftreten. Der Juckreiz könne mehrere Tage, teilweise sogar bis zu zwei Wochen anhalten. Wie stark jemand reagiere, sei individuell sehr verschieden. "Manche Menschen entwickeln einen heftigen Juckreiz und zahlreiche rote Pusteln, andere bemerken den Kontakt kaum", berichtet der Nabu-Sprecher.

Was kann man tun, wenn man gebissen worden ist?

Die betroffenen Stellen sollten möglichst nicht aufgekratzt werden. Kühlende Umschläge oder juckreizstillende Gele können die Beschwerden lindern. Breiten sich Rötung oder Schwellung deutlich aus, bilden sich eitrige Stellen oder treten starke Schmerzen, Fieber oder länger anhaltende Beschwerden auf, sollte umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, wie Neffati betont.

Wie kann man sich schützen?

Bei Aufenthalten auf möglicherweise befallenen Flächen helfen geschlossene Schuhe und lange Hosen, rät der Nabu. Die Hosenbeine können in die Socken gesteckt werden, damit die Larven nicht so leicht an die Haut gelangen. Hohes Gras sollte nach Möglichkeit gemieden werden – auch mit Blick auf Zecken.

Nach der Gartenarbeit oder einem längeren Aufenthalt auf Wiesen empfiehlt es sich demnach, zeitnah zu duschen und die Kleidung zu wechseln. Von einem großflächigen Einsatz von Insekten- oder Milbenbekämpfungsmitteln rät der Nabu allerdings ab: Ihre Wirkung ist demnach begrenzt, während zugleich andere Boden- und Gartenorganismen geschädigt werden können.

Spielt der Klimawandel eine Rolle bei der Aktivität der Grasmilben?

Grundsätzlich profitieren die Larven von warmen Bedingungen und hoher Luftfeuchtigkeit. "Längere warme Perioden, wie wir sie in diesem Jahr auch in Niedersachsen hatten, könnten daher ihre Aktivitätszeit verlängern und lokal zu einem stärkeren Auftreten führen", sagt Neffati. Ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einer nachweisbaren Ausbreitung sei bislang jedoch nicht ausreichend untersucht.

Quelle: dpa

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