Nordrhein-WestfalenAkademie-Rektorin unter Beschuss: Kritik, Vorwürfe und Frust

Der Druck auf die Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf wächst. Die Vorwürfe sind massiv nach einer Veranstaltung mit einer palästinensischen Künstlerin. Rektorin Fioretti hält an ihrer Position fest.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Termin sollte die Wogen glätten, sorgte aber für wachsende Anspannung und Distanz: Im Konflikt um eine Veranstaltung mit einer palästinensischen Künstlerin an der Kunstakademie Düsseldorf hat der Druck auf Rektorin Donatella Fioretti weiter zugenommen.
In der Sondersitzung eines Landtagsausschusses gab es scharfe Kritik - von Kulturministerin Ina Brandes (CDU), der Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann, von Alon Dorn als Vorstandmitglied der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Rednerinnen und Rednern aller Fraktionen. Brandes warf der Akademie-Rektorin vor, sie werde ihrer Verantwortung als Führungskraft der Hochschule nicht gerecht.
Die Rektorin sagte zwar am Vormittag im Kultur- und Wissenschaftsausschusses im Düsseldorfer Landtags, sie wolle zur Beruhigung der Lage beitragen. Sie erreichte aber das Gegenteil. Sie blieb weitestgehend bei ihrer Position und räumte lediglich einen Kommunikationsfehler ein.
Laut Rektorin wäre Ausladung rechtlich nicht möglich gewesen
Der Hintergrund des Streits: Studierende hatten die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif im Januar zu einem hochschulinternen Werkvortrag eingeladen. Die Veranstaltung hatten allen Mahnungen, Warnungen und Verzichtsappellen zum Trotz stattgefunden. Der Künstlerin wird unter Verweis auf Beiträge in sozialen Medien Antisemitismus vorgeworfen.
Fioretti sagte nun, man habe die Kritik ernst genommen und die Posts der Künstlerin daher überprüft. Sie hätten sich im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegt. Eine Ausladung wäre "willkürlich", also rechtlich nicht möglich gewesen. Es handele sich um eine anerkannte Künstlerin. Die Veranstaltung mit ihr habe einen "seminarartigen Charakter" im kleinen Kreis gehabt.
Antisemitismus und antipalästinensischer Rassismus hätten in der Akademie keinen Platz, beteuerte die Rektorin. In einer polarisierten Welt müssten Studierende die Chance haben, verschiedene Stimmen zu hören. Mit den Aussagen der Künstlerin stimme sie nicht überein. Es sei aber nicht ihre Aufgabe als Rektorin, "politische Inhalte zu prüfen".
Rücktrittsforderung und viele Vorwürfe
Alon Dorn von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf betonte, die Äußerungen von Basma al-Sharif seien antisemitisch, sie spreche Israel das Existenzrecht ab. Es gehe in ihren Posts "um die De-Legitimierung eines Staates, um Narrative von Terrororganisationen und um Symboliken, die Gewalt gegen Juden legitimieren".
Die Akademie-Leitung sei schon im Dezember gewarnt worden. Die Sorgen der Jüdischen Gemeinde seien lange bekannt gewesen, auch Aufrufe und Petitionen gegen die Veranstaltung seien nicht gehört worden. Der Vertreter der Jüdischen Gemeinde forderte erneut Fiorettis Rücktritt. Zudem brauche es eine Untersuchung zur Situation jüdischer Studierender an der Hochschule.
Fioretti sagte: "Wir wollen nicht als Gegner der Jüdischen Gemeinde dastehen." Sie räumte ein, dass es nicht gelungen sei, transparent zu kommunizieren. "Das hat zu Missverständnissen geführt, für die ich mich entschuldige." Das sei sehr stark ein Problem des Kommunikationsteams gewesen, sie hätte aber als Rektorin persönlich die Kommunikation übernehmen sollen und vorher in Kontakt zur Jüdischen Gemeinde treten sollen, erklärte Fioretti nun.
Brandes: Es geht in dem Konflikt nicht um Kunstfreiheit
Ministerin Brandes warf Fioretti vor, dass sie sich nach wie vor nicht klar von den Positionen der Künstlerin distanziere. Das Ansehen der Akademie habe Schaden genommen.
Die Jüdische Gemeinde und sie selbst als Ministerin hätten nach der Veranstaltung auf öffentliche Äußerungen verzichtet, um einen Dialog und ein für März anvisiertes Gespräch nicht zu gefährden, schilderte Brandes. Hingegen habe Fioretti in öffentlichen Äußerungen darauf beharrt, "alles richtig gemacht zu haben". Damit habe sie "Brücken wieder zum Einsturz gebracht".
Ihr Ministerium und die Landesregierung respektierten die Freiheit von Kunst, Wissenschaft sowie die Hochschulautonomie ausdrücklich, unterstrich die CDU-Politikerin. Die Akademie-Leitung hätte die Veranstaltung unterbinden müssen, meinte Brandes. Als Ministerin seien ihr in dieser Frage die Hände gebunden gewesen, eben wegen dieser Freiheit der Hochschule. Aber: "Freiheit geht nur mit Verantwortung."
Dieser Verantwortung sei Fioretti in den vergangenen drei Monaten und auch in der aktuellen Ausschusssitzung nicht gerecht geworden. Direkt an die Rektorin gewandt bilanzierte Brandes: "Das ist natürlich unbefriedigend, was wir heute gehört haben." Als Ministerin verlasse sie die Sondersitzung "frustrierter" als sie hineingekommen sei.
Kritik auch von Antisemitismusbeauftragter und Abgeordneten
Die Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann sprach von einer emotional angespannten Lage und einer "sehr eskalierten Situation". Sie monierte auch, dass die Veranstaltung rein intern als "closed shop" gelaufen sei, was Misstrauen geschürt habe.
Der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas wies auf das unermessliche Leid von Israelis und Palästinensern hin. Diskurs sei wichtig. In der Kunstakademie sei das aber "nicht in angemessener Weise geschehen". Und: "Nicht alles, was man möglicherweise darf, sollte man auch tun." Aus der FDP hieß es, Fioretti lasse die nötige "Führung und Haltung" vermissen.